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Nachwuchs braucht die Bühne

Berchtesgaden - Die neun Berchtesgadener Gebirgs-trachtenerhaltungsvereine kamen am Freitag im »Bräustü-berl« zu ihrer Herbstversammlung zusammen. Ein Schwerpunkt waren die rückläufigen Zahlen bei den Veranstaltungen im Kongresshaus. Ein Problem ist auch, dass einige Vereine über keine geeigneten Möglichkeiten für ihre Auftritte verfügen. Jetzt sucht man nach Lösungen.

Der Vorstand der Vereinigten Trachtenvereine, Josef Wenig, kann stolz auf seine neun Vereine sein. Kleinere Probleme sollten schon bald gelöst sein. Foto: Anzeiger/cw

Einigkeit herrscht inzwischen mit dem Gaubeitrag, mit dem es fast eineinhalb Jahre lang Probleme gegeben hat. Sogar ein möglicher Gauaustritt war schon einmal angedacht worden, doch man hat sich geeinigt und es herrscht Harmonie bei den neun Gebirgstrachtenerhaltungsvereinen im Talkessel. Die Finanzsituation beurteilt der Vereinigungsvorsitzende Sepp Wenig als normal: »Was übers Jahr eingenommen wird, gibt man auch wieder aus.«

Große Schwierigkeiten machen jedoch die Heimatabende im Kongresshaus, weil die Besucherzahlen immer mehr zurückgegangen sind. »Das ist inzwischen ein Draufzahlgeschäft«, bedauerte Wenig. Gleichwohl sieht der Vorsitzende die Almtänze nicht nur als touristische Aufgabe, sondern als wichtigen Bestandteil für eine gedeihliche Jugendarbeit. »Unsere jungen Leute brauchen die Plattform der öffentlichen Auftritte. Was nützt es, die Kinder und Jugendlichen auszubilden, wenn sie ihr Können dann nicht vorführen dürfen?«, befand Wenig.

Die Almtänze und Heimatabende in einzelnen Vereinen laufen teilweise wieder ganz gut, wusste der Vorstand. Ein Problem ist jedoch teilweise eine fehlende Lokalität. »Das Kongresshaus war dafür fraglos eine gute Bühne. Da müssen wir zusammenhelfen, damit die Situation wieder besser wird«, forderte Wenig seine Trachtlerkollegen auf. Dabei laufe die Nachwuchsarbeit in den Vereinen sehr gut. »Aber wenn die jungen Leute keine Möglichkeit zum Auftritt mehr bekommen, dann laufen sie davon.«

Früher habe es genügend Gelegenheit gegeben, sich zu präsentieren, heute müsse man schon danach suchen. So eine gute Möglichkeit wie der Auftritt der Jugendgruppe bei »Montag auf d' Nacht werd' Musi g'macht« sei ideal. Und so müsse man danach schauen, den Nachwuchs bei Jubiläen oder dergleichen auf die Bühne zu bekommen. Angedacht sei, die Jugendgruppen verstärkt bei Veranstaltungen der Marktgemeinschaft einzubringen. »Kein Verein kann es sich leisten, die Jugendarbeit zu vernachlässigen, denn die jungen Leute sind der Garant für den Fortbestand der Vereine«, gab Wenig zu bedenken.

Bei der öffentlichen Aussprache wurde bemängelt, dass sich »Unbräuche« einschleichen, wie bei Hochzeiten nicht vorher am Kirchgang teilzunehmen. Auch das »Brautstehlen« laufe nicht mehr so ab wie es die Tradition eigentlich vorsieht. Das Brautstehlen mit bis zu 100 Leuten habe sich inzwischen zu einer eigenen Veranstaltung entwickelt, weil alles schon vorher ausgemacht sei, bedauerte Vorstand Sepp Wenig, der damit als oftmaliger Progroder große Erfahrung besitzt. »Die Hochzeit beginnt mit der Kirche, dann kommt das Brautstehlen und dann geht es wieder zurück in die Gastwirtschaft. Die Eltern müssen ihren Kindern diesen eindeutigen Weg vormachen und sie darauf vorbereiten. Es kann nicht sein, dass das Brautstehlen der Höhepunkt ist und man dann schon heimgeht«, sagte Wenig.

Sehr gut angenommen wurde bereits der Jahreskalender 2013, in dem sich alle neun Vereine ausführlich vorstellen. Auch der gemeinsame Jahrtag fand in dem Werk mit vielen schönen Aufnahmen Platz. cw