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Ines Quermann (l) und Mimi Fiedler bei den Dreharbeiten zur RTL-Medical-Serie «Nachtschwestern». Foto: Jörg Carstensen Foto: dpa

Eingebettet in ein »GZSZ«-Spezial startet RTL eine neue Eigenproduktion: »Nachtschwestern« - eine Serie von Frauen, mit Frauen und über Frauen. Ein feministisches Projekt also?


Köln (dpa) - »In meiner Notaufnahme ist kein Platz für uns beide«, zischt Krankenschwester Nora (Mimi Fiedler) ihrer Kollegin Ella (Ines Quermann) zu.

In der neuen RTL-Serie »Nachtschwestern«, die am Dienstag (30. April) um 21.15 Uhr beginnt, ist der Ton rau wie im Western. Nur spielt das Drama nicht im Wilden Westen, sondern in einem Kölner Krankenhaus.

Während der Schwestern-Ausbildung hat Ella ihrer damals besten Freundin Nora den Verlobten ausgespannt. Nun, 16 Jahre später, begegnen sich beide wieder. Denn Ella bekommt ausgerechnet in der Notaufnahme einen Job, in der Nora die Nachtschichten leitet.

Keine besonders originelle Idee. Recht ungewöhnlich dagegen: Die Serie wurde überwiegend von und mit Frauen gemacht, vor und hinter der Kamera. »Bei uns herrscht wahre Schwesternschaft«, sagt Hauptdarstellerin Mimi Fiedler, die zuvor zehn Jahre lang als Kriminaltechnikerin im Stuttgarter »Tatort« zu sehen war - und später über ungerechte Bezahlung im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen klagte.

Sila Sahin-Radlinger, ehemaliger Star der RTL-Soap »Gute Zeiten, schlechte Zeiten (GZSZ)«, sitzt bei den »Nachtschwestern« am Empfang der Station. Die 33-Jährige freut sich über »echte Frauenpower«, wie sie sagt. Dass sie überhaupt mitspielte, sieht sie als wichtiges Zeichen für alle Frauen - sie war beim Dreh schwanger. »Vor einigen Jahren hätte kein Produzent eine Rolle mit einer Schwangeren besetzt«, sagt sie.

»Nachtschwestern« - ein feministisches Fernseh-Projekt also? Nicht ganz. Von weiblicher Solidarität, gar emanzipatorischen Motiven, ist in der Serie nichts zu spüren. Stattdessen beschränkt sich die Rahmenhandlung auf den Zickenkrieg zwischen Nora und Ella und bedient dabei so manches Frauen-Klischee.

Mimi Fiedler verleiht der von ihr verkörperten Nora fast erschreckende Härte. Sie ist die Zicke, die ihre Kontrahentin unbedingt loswerden will. Wegen der Sache mit dem Ex-Verlobten wütet sie so oft, dass man beinahe den Eindruck hat, im Leben einer Frau drehe es sich nur um Liebe und verletzte Gefühle.

Ines Quermann, die ihre erste TV-Hauptrolle spielt, mimt überzeugend den Gegenpart, die mitfühlende Krankenschwester. »Sie ist eine Entdeckung«, lobt ihre Kollegin Fiedler. Nur: Gegen das Eindimensionale der Rolle kommt sie nicht an.

Allein in der ersten Folge rettet Ella gleich zwei Patienten das Leben, auch wenn sie dafür gegen Vorschriften verstößt. Damit unmissverständlich klar wird, wer hier die Gute ist, brüllt ihre Vorgesetzte Nora sie dafür an.

Wirklich unterhaltsam sind bloß die teils skurrilen Fälle in der Notaufnahme: Da wird ein Pärchen eingeliefert, das sich über Tinder kennengelernt und beim Liebesspiel unglücklich verhakt hat, und ein - auch im echten Leben - prominenter Patient muss heimlich behandelt werden, damit niemand von seiner Fettabsaugung erfährt.

Mit den grellen Farben, dramatischen Slow-Motion-Einstellungen und emotionaler Musik ist »Nachtschwestern« im Grunde eine etwas aufwendiger produzierte Seifenoper. Extra viel Soap gibt es vor und nach der Pilotfolge: Um 19.40 beginnt eine »GZSZ«-Folge in Spielfilmlänge, um 22.15 läuft die Doku »GZSZ - Der Gerner Clan: Affären, Schicksale & Intrigen«.

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