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Nach schneereichem Winter: Almsommer beginnt mit Verspätung

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Unter einer meterdicken Schneeschicht waren wochenlang Almkaser und Zäune vergraben.

Berchtesgadener Land – Nach einem harten und äußerst schneereichen Winter kam für die Landwirte im Berchtesgadener Talkessel ein noch arbeitsreicherer Frühling. Für allem die Almbauern reparierten wochenlang desolate Zäune und sanierten ihre von Lawinen beschädigten Almwiesen. Mit fast vierwöchiger Verspätung beginnt erst jetzt nach und nach der Almsommer.


Erst seit vorletzter Woche fahren oder treiben die Landwirte nach und nach ihr Vieh wieder auf die Almen im südlichen Berchtesgadener Land. Manche Hochalmen wie die Gotzenalm waren bis vor Kurzem noch schneebedeckt. Und in niedrigeren Lagen wie beispielsweise auf der Königsbachalm war man wochenlang mit Aufräum- und Sanierungsarbeiten beschäftigt.

»Normalerweise brauche ich ein Wochenende, um alles herzurichten. Heuer war ich schon vier mal auf der Königsbachalm«, sagt Sepp Springl vom Königsseer Aschbachhof. Die Kälber hat er heuer am 5. Juni aufgetrieben, die Kühe erst am vergangenen Donnerstag. »Ich bin also drei bis vier Wochen später dran als sonst«, sagt Springl.

Da sei das Futter im heimischen Stall schon beinahe knapp geworden. »Aber gottseidank hatten wir letztes Jahr einen guten Sommer und deshalb ausreichend Heu«, sagt Springl. Er weiß aber auch von einigen Bauern,die heuer wegen Futternot schon auftreiben mussten, obwohl es auf der Alm noch viele Schäden gab.

Kein Wasser auf der Priesbergalm

»Die Zäune waren ausnahmslos kaputt«, sagt Springl. Der Schneedruck hat alles niedergedrückt. Zusätzliche Kosten entstanden ihm zwar nicht, da er das benötigte Holzmaterial selbst aus dem Wald holt, Aber der Arbeitsaufwand war natürlich immens. Aktuell kämpft der Königsseer Landwirt noch mit Wasserversorgungsproblemen auf der Priesbergalm. Womöglich ist im Winter eine Leitung gerissen, denn der Kaser kann noch nicht mit Wasser versorgt werden.

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Nicht nur auf der Priesbergalm gibt es aktuell noch viel Arbeit mit dem Wiederaufbau der zerstörten Zäune.

Ganz ähnlich beschreibt die Situation Marianne Hallinger, Bäuerin vom Salzberger Ottenlehen. Sie ist mit ihrer Familie sowohl auf der Königsbachalm als auch auf der Priesbergalm Nachbarin von Sepp Springl. Normalerweise treibt sie ihr Vieh um den 16./17. Mai auf die Königsbachalm, heuer ist auch sie drei bis vier Wochen später dran. Mindestens viermal war die Familie heuer schon zum Arbeiten auf der Alm. Seit Samstag weidet das Vieh nun auf der Königsbachalm.

Noch nicht fertig sind Marianne Hallinger und ihre Familie auf der Priesbergalm, wo die Tiere den Spätsommer verbringen werden. Dort müssen vor allem noch die Schäden beseitigt werden, die ein großer Schneerutsch hinterlassen hat. Berge von Steinen, Erde und Wurzeln erfordern den Einsatz von schwerem Gerät. Wie man hier genau vorgehen will, sollte sich in Kürze klären. Auf alle Fälle wollen die Almbauern und ihre Stellviehbauern hier wieder zusammenhelfen.

Samstag in einer Woche auf die Gotzenalm

Mathias Irlinger vom Bischofswieser Ruppenlehen hat seine Tiere am Samstag auf die Gotzentalalm gebracht. Normalerweise ist man etwa ab Ende Mai auf der Alm. »Wir hatten dort schon einige Schäden, aber es war nicht so dramatisch«, sagt Irlinger. Im Übrigen erinnert sich der Bischofswieser dran, dass es auch früher schon sehr schneereiche Winter gegeben habe, deshalb sei die Situation für ihn gar nicht so besonders.

Der Hochleger des Ruppenlehens auf der Gotzenalm ist erst seit Kurzem erreichbar. »Zunächst haben wir geglaubt, dass es noch lange dauern wird, bis wir da hinauf kommen«, erinnert sich Irlinger. Dann aber habe die warme Witterung den Schnee schnell schmelzen lassen. Diesen Samstag will Irlinger zum Zäunen auf die Gotzenalm und eine Woche drauf will er mit einigen anderen Almbauern bereits die Tiere auf die Hochfläche treiben. Das Vieh soll möglichst schnell das noch junge Borstgras wegfressen, damit neues, frisches Gras nachwächst.

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Das sind die Hinterlassenschaften einer Lawine auf der Priesbergalm. Bei der Beseitigung wird man zusammenhelfen. (Fotos: privat)

Bezirksalmbauer Kaspar Stanggassinger spricht auch von einem Ausnahmejahr, das für die Almbauern viel Arbeit mit sich bringt. Dennoch weiß der Bischofswieser, dass es auch in den 70er Jahren schon so heftige Winter mit nachfolgenden Schäden an der Infrastruktur der Almen gegeben habe. »Nicht nur die kaputten Zäune bringen viel Arbeit. Auch das Ausschneiden der Zufahrten, die teilweise mit Bruchholz versperrt sind, ist sehr aufwändig«. Und auf der Kallbrunnalm, wo die Almen erst in knapp zwei Wochen wieder beweidet werden, hat es nach Stanggassingers Informationen sogar Schäden an den Kasern gegeben.

In manchen Betrieben sei wegen des verzögerten Auftriebs das Futter knapp geworden, bestätigt auch Stanggassinger. »Aber teilweise haben sich die Bauern mit Siloballen rübergerettet«, weiß der Bezirksalmbauer. Der kann dem extremen Winter schließlich sogar eine positive Seite abgewinnen: »Wer weiß, wie trocken der Sommer noch wird. Vielleicht freut man sich dann noch über die Feuchtigkeit, die aktuell wegen des vielen Schnees auf den Almen noch vorhanden ist«. Ulli Kastner