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Nach Fabelweltrekord: Merritt muss PIN in 1280 ändern

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Weltrekord
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Aries Merritt posiert mit seiner neuen PIN-Nummer. Foto: Julien Warnand Foto: dpa

Brüssel (dpa) - US-Hürdensprinter Aries Merritt stellte im Endspurt der Saison beim Diamond-League-Finale in Brüssel in 12,80 Sekunden einen grandiosen Weltrekord auf. »Ich war geschockt«, sagte er. Stabhochspringerin Silke Spiegelburg ist die einzige Deutsche unter 32 Gesamtsiegern.


Nach dem Hürdensprint-Fabelweltrekord von 12,80 Sekunden musste Aries Merritt noch einmal sehr flink sein. »12,85 Sekunden war mein Ziel. Deshalb ist 1285 der Pin-Code für mein Handy und das Passwort für meinen E-Mail-Account«, sagte der 27-jährige US-Amerikaner nach seiner fantastischen Darbietung beim Diamond-League-Finale am Freitagabend in Brüssel. Beides muss er nun schnell ändern. »Es zeigt, dass ich nicht mit so einer Zeit gerechnet habe. Nun muss ich meinen Geheimcode ändern.« Gleich um sieben Hundertstel-Sekunden blieb Merritt über 110 Meter Hürden unter der vier Jahre alten Bestmarke des Kubaners Dayron Robles.

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Der in der texanischen Stadt Bryan lebende Leichtathlet konnte kaum glauben, was er nach dem Zieldurchlauf auf der Anzeigetafel sah. »Ich war geschockt, als 12,81 aufleuchtete. Dann wurde es noch korrigiert. Unglaublich! Ich habe erst mal nur geschrien«, erzählte der Olympiasieger. »Es war das Rennen meines Lebens.«

Allerdings glaubt Merritt, der in diesem Jahr zum zehnten Mal unter der 13-Sekunden-Marke geblieben ist, nicht, sein Leistungslimit schon erreicht zu haben. »Ich denke, es war ein fast perfektes Rennen. Der Start war schnell, ich bin tief über die Hürden gesprungen, und dazwischen stimmte der Rhythmus«, analysierte Merritt, der seit zweieinhalb Jahren von dem deutschen Trainer Andreas Behm betreut wird, »aber es ist noch Raum für Verbesserungen.«

Dass Merritt seinem Körper in Brüssel alles abverlangt hatte, spürte er dann doch. »Normalerweise erhole ich mich schnell nach einem Rennen. Jetzt fühlt sich mein Körper an, als könne er nicht mehr laufen. Hoffentlich schaffe ich es noch zum Flughafen«, scherzte der Flitzer mit dem zu Zöpfen geflochtenem Haar.

»Er hat es verdient, sieben Hundertstel sind eine sehr große Verbesserung«, lobte Sprint-Legende Usain Bolt. 20 Minuten nach Merritts Glanznummer raffte sich der sechsmalige Olympiasieger noch einmal auf und kämpfte sich in guten 9,86 Sekunden über die 100 Meter und dem Feierabend in diesem Jahr entgegen. »Ich hatte meinem Trainer schon vor dem Rennen gesagt, dass ich kaputt bin«, bekannte der 26-jährige Jamaikaner. »Nun fühle ich mich ausgelaugt.«

Bevor er seine sechswöchige Lauf-Auszeit beginnen konnte, musste er noch den Job als DJ bei der großen Athletenparty erfüllen. »Das schaffe ich noch, da kann ich mich ja auch mal hinsetzen«, meinte Bolt, der nach den Jubelfeiern in Jamaika zum Urlaub nach Australien fliegt. Trainingskumpel Yohan Blake, der 2011 in Brüssel über 200 Meter mit 19,26 Sekunden verblüffte, rannte in 19,54 Sekunden die fünftschnellste jemals gelaufene Zeit. »Mit stärkeren Gegnern wäre ich sicher schneller gelaufen«, meinte der Olympia-Zweite.

Ein Happy End gab es für Silke Spiegelburg, die nach der großen Enttäuschung über den vierten Platz bei den Olympischen Spielen in London groß abkassierte. Die deutsche Stabhochsprung-Rekordlerin sicherte sich wie im Vorjahre den Gesamterfolg in der Diamond League, 50 000 Dollar und eine Wild Card für die WM 2013 in Moskau.

»Das war eine Punktlandung«, meinte die 26-jährige Leverkusenerin, die einzige Deutsche unter den 32 Gesamtsiegern der Premium- Meetingserie. »Nachdem ich bei Olympia ein bisschen traurig abgetreten bin, habe ich mir das wenigstens geholt.« Mit der Sieghöhe von 4,75 Meter verdrängte sie die in der Gesamtwertung führende Brasilianerin Fabiana Murer (4,65), hatte aber nicht mehr die Kraft die nationale Rekordhöhe von 4,83 Meter zu überwinden.

Etwas Urlaubsgeld verdiente sich auch der Magdeburger Diskuswerfer Martin Wierig, der mit 66,05 Meter Zweiter wurde und 6000 Dollar mitnehmen konnte. Nicht mehr viel drauf hatten die Leverkusener Speerwerferinnen Katharina Molitor (59,15 Meter) und Linda Stahl (56,77 Meter). Dafür hatte der Kenianer Emmanuel Bett über 10 000 Meter noch etwas zu bieten: In 26:51,16 Minuten stellte er eine Weltjahresbestzeit auf und bekannte: »Ehrlich gesagt, habe ich nicht erwartet, dieses Rennen gewinnen zu können.«

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