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Nach eigenen Regeln

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Immer gut für Überraschungen: Ulan & Bator in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS. (Foto: Heel)

Auch wenn jeder Kabarett-Abend anders verläuft, bei den meisten Kabarettisten weiß man ungefähr, was einen erwartet. Das ist jetzt natürlich nicht abwertend gemeint, aber wenn z. B. ein Sigi Zimmerschied die Bühne betritt, dann ist jedem klar, was auf ihn zukommt: knallhartes Polit-Kabarett mit Anspruch und Aussage.


Aber Ulan & Bator? Im Internet waren so schöne Sätze wie »Sie machen Theater in der Form von Jazz mit dem Ausdruck von Comedy« zu finden, und auch die Anzahl der Preise, die das seit 2001 bestehende Comedy-Duo bislang eingeheimst hat, ist beachtlich. Dennoch war etwas Geduld angesagt, bis man begriffen hatte, wohin die Reise mit Sebastian Rüger und Frank Smilgies (beide Jahrgang 1967) gehen würde, wohin sie das Publikum in der gut besuchten Traunsteiner Kulturfabrik NUTS mit ihrem Programm »Wirrklichkeiten« entführen wollten. Nämlich in ein Spiel, dessen Regeln nur sie kannten und das sich um Zuschauererwartungen herzlich wenig kümmerte.

Wer dabei Ulan und wer Bator war, war nicht zu erfahren. Und war letztendlich auch egal. Unglaublich rasant, mit perfektem Timing und bestens aufeinander eingespielt, schlüpften sie mit vollem Körpereinsatz in die unterschiedlichsten Rollen, sei es als DJ, Rateonkel, Yoga-Lehrer, Sockenfabrikant oder Sportmoderator, um nur ein paar zu nennen, und trieben ihren Schabernack damit. Dies aber so sprunghaft und gespickt mit derart skurrilen Dialogen und Sprachspielereien, dass man mitunter Mühe hatte, dem Wahnwitz zu folgen. Zumal die zwei fast ständig in Bewegung waren und mit Gesang, Tanz und Getrommel für zusätzliche Action sorgten.

Herkömmlichem Kabarett am nächsten kam dabei eine sketchartige Nummer, in der sie zwei Jugendfreunde spielten, die sich nach 20 Jahren wieder sehen. Der eine Kioskbesitzer mit Beziehungsproblemen, der andere gerade heimgekehrt vom Krieg um Troja respektive in der Rolle des Odysseus. Wobei letzterer aber kaum dazu kommt, von seinen Heldentaten zu berichten, weil sein Spezi ständig per Handy damit beschäftigt ist, Mineralwasser zu bestellen und seine Freundin bei Laune zu halten.

Köstlich auch ein »Experiment«, in dem nachgewiesen werden sollte, dass wir nur das wahrnehmen, was wir sehen möchten. Oder ein Arztbesuch von einem Patienten, der komplett ohne Symptome war. Und wer schon immer wissen wollte, wie heutzutage klassische Musik fabriziert wird, konnte über den Einfall der zwei »Komponisten« nur staunen: Die schoben einfach zwei Stühle kreuz und quer über die Bühnenboden, und siehe da, es klang … irgendwie.

Kurz gesagt: Ein höchst ungewöhnlicher Kabarett-Abend, der für manch einen Zuschauer anfangs sicherlich gewöhnungsbedürftig war, aber am Ende wohl alle hellauf begeistert hat. Wolfgang Schweiger