weather-image
16°

Mysterienspiel an einem Bilderbuch-Sommerabend

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Diese Holzhauser Mädchen (ganz vorne) hatten großen Spaß am Mitspielen bei diesem Kult-Theaterstück. Am Ende nahm das Ensemble den Applaus des Publikum entgegen. (Fotos: Mergenthal)

In Zeiten eines oft hohen Materialaufwands bei großen Inszenierungen und des Modetrends, Theater mit Videosequenzen »aufzupeppen«, tut so ein »normales« Theater mit kraftvoller Mimik und Gestik und schön gesprochenen zeitlosen Versen richtig gut: Unter Regie der Wahl-Ainringerin Angelika Bamer-Ebner zeigte das »BühnenErlebnis Bamer-Ebner« am Gut Edermann in Holzhausen unter freiem Himmel Hugo von Hofmannsthals »Jedermann«. Die Premiere an einem lauen Sommerabend im Mondschein begeisterte die Zuschauer.


Die Wurzeln dieses Stücks könnte man in den Mysterienspielen des Mittelalters sehen. Seit jeher treibt den Menschen die Frage um, woher er kommt und wohin er geht und ob Reichtum diesen Weg erleichtert. Das Festhalten am Materiellen, dem Hofmannsthal die Botschaft, dass man nichts mitnehmen kann, gegenüberstellt, prägt ja die heutige Zeit mehr denn je.

Den Akteuren, professionellen Schauspielern aus Salzburg und Laiendarsteller aus dem Rupertiwinkel, war überströmende Spielfreude und Leidenschaft fürs Theater anzumerken. Sinnlichkeit und Fantasie prägten diese Inszenierung, die Bamer-Ebner im Vergleich zu den Vorjahren noch weiter ausgefeilt hat, unterstützt durch Eva Schoßleitner als Assistenz.

Köstlich war zum Beispiel, wie Peter Christian Ebner als »Jedermann« dessen geplanten Lustgarten beschreibt, der die Form seiner Liebsten hat, oder wie er seine um sein Seelenheil besorgte Frau Mutter mit der körperlich drastisch ausgedrückten Kernbotschaft »Lass sie nur reden« abwimmelt. Verschmitzt mimten Daniel Holzbauer und Erwin Slavetinsky zwei Vettern, deren Rolle mit der des von Bamer-Ebner gestrichenen »guten Gesellen« zusammenfließt. Einen ganz besonderen Reiz hatte die erste Begegnung von Jedermann und Buhlschaft (Angelika Bamer-Ebner): Diverse Nuancen des Charakters der Buhlschaft, vom verspielten Wirbelwind über die einen Hauch Verruchtheit ausstrahlende Geliebte bis hin zur selbstbewussten Herausforderin, brachte die Schauspielerin perfekt zur Geltung. Lebendig und äußerst dynamisch war auch der Einzug der Tafelrunde dargestellt, mit anmutigen Tanzeinlagen zu eingespielter mittelalterlicher Musik. Hier wäre es vielleicht auch schön, eine kleine Mittelalter-Musikgruppe mit Originalinstrumenten einzubeziehen. Die seltsamen Reden des seinen Tod offenbar schon ahnenden Jedermann, der die Gäste anfangs bittet, ihm die letzte Ehre zu erweisen, und die einander überlagernden Jedermann-Rufe irgendwo von oben von den Balkonen sind richtig unheimlich. Als der Tod zur Tafelrunde stößt, wird es plötzlich dunkel – ein guter Effekt.

Wahrlich tragikomisch wirken die Ausreden der Vettern, warum sie den Jedermann nicht auf dem letzten Weg zu seinem Richter begleiten können. Peter Ebner zeigt überzeugend, wie der reiche Lebemann Schritt für Schritt einsamer wird und sich schließlich ganz auf sich zurück geworfen fühlt. Doch vorher versucht er noch, mit Gewalt das Steuer herumzureißen und den Mammon, sein Geld, zu zwingen, ihn auf dem schweren Weg zu begleiten. »Du gehst mit mir«, bestimmt er und drückt der Geldtruhe pseudoreligiös eine Art Altarkuss auf. Ein Vergnügen ist das Zwiegespräch mit dem hysterisch, fast teuflisch lachenden Mammon. Mit sadistischem Vergnügen führt Daniel Kranawitter dem Jedermann die tatsächlichen Machtverhältnisse vor Augen.

Die Regisseurin setzt auf sparsame Requisiten und kraftvolle lebende Bilder – so scheinen der »Glaube« (Barbara Hagen-Walther) und die »Werke« (Monika Seidenfuß) in der Bekehrungsszene zusammen mit Jedermann eine Pietà darzustellen. Ein temperamentvoller Schlussakzent war Christine Walter, die auch einen ruhig-ernsten Tod darstellt, als herumwütender, cholerischer, von der schlechten Welt enttäuschter Teufel.

Weitere Aufführungen sind am 9., 14. und 15. August jeweils um 19.30 Uhr. Veronika Mergenthal