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«Muslime unter Generalverdacht»: Verbände gegen Friedrich

Köln (dpa) - Aus Protest gegen eine umstrittene Plakataktion haben vier muslimische Verbände die bisherige sogenannte Sicherheitspartnerschaft mit dem Bundesinnenministerium gekündigt.

Hans-Peter Friedrich
Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hält weiter an der umstrittenen Plakataktion fest. Foto: Rainer Jensen Foto: dpa

Die Plakate stellten Muslime unter Generalverdacht, warfen die Verbände Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) am Freitag vor. Friedrich bedauerte den Schritt und äußerte die Hoffung, die Entscheidung sei nicht endgültig.

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Die Plakatkampagne wendet sich gegen eine islamistische Radikalisierung Jugendlicher und junger Erwachsener. Die Plakate ähneln Vermisstenanzeigen. Der Text lautet zum Beispiel: «Das ist unser Sohn. Wir vermissen ihn, denn wir erkennen ihn nicht wieder. Wir haben Angst, ihn ganz zu verlieren an religiöse Fanatiker und Terrorgruppen.»

Auch die Grünen und die Antidiskriminierungsstelle des Bundes kritisierten die Aktion, weil auf den Plakaten muslimisch aussehende Menschen wie auf einem Steckbrief dargestellt würden. Die Kampagne soll Werbung für eine Beratungsstelle machen, an die sich Menschen wenden können, wenn sie in ihrem Umfeld Anzeichen einer Radikalisierung feststellen.

Friedrich betonte, das Ministerium wolle an der 2011 ins Leben gerufenen Sicherheitspartnerschaft festhalten, deren Ziel es sei, Terrorismus und Radikalisierung zu bekämpfen. Auch die Plakatkampagne soll fortgesetzt werden. Friedrichs Sprecher Jens Teschke sagte, man sei über die Kritik sehr verwundert, denn die Verbände hätten im Vorfeld Zustimmung signalisiert.

Grünen-Chef Cem Özdemir sagte der Nachrichtenagentur dpa: «Man müsste eigentlich ein Plakat machen, auf dem steht: "Vermisst wird ein Innenminister, der seinen Job kann".» Fraktionschefin Renate Künast meinte: «Herr Friedrich benimmt sich wie ein Elefant im Porzellanladen: Erst tritt er die Islam-Konferenz in Scherben, jetzt zerdeppert er mit seiner unmöglichen Plakat-Kampagne auch noch die Sicherheitspartnerschaft mit den Islamverbänden.»Die muslimischen Verbände üben in ihrem Schreiben auch generelle Kritik an der vor einem Jahr begonnenen Sicherheitspartnerschaft: «Die Vorgehensweise stellt uns als Kooperationspartner immer wieder vor vollendete Tatsachen, schafft destruktive Diskussionen, statt konstruktive Lösungen», hieß es.

Neben dem Zentralrat der Muslime in Deutschland wird der Protest auch von der Türkisch-Islamischen Union (DITIB), dem Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) und der Islamischen Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland (IGBD) mitgetragen.

Der rheinland-pfälzische Integrationsbeauftragte Miguel Vicente kritisierte die Weigerung des Ministeriums, von der Plakataktion abzurücken. Die Kampagne transportiere die Botschaft, dass jeder Muslim ein potenzieller Terrorist sei, sagte Vicente am Freitag. Dies sei verletzend und verheerend.

Initiative Sicherheitspartnerschaft

Erklärung der Verbände vom 28.8.