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Musikwelt trauert um Bee-Gees-Sänger Robin Gibb

London (dpa) - Er führte ein Leben für die Musik und mit der Musik - bis zum Schluss. Robin Gibb, Sänger der britischen Pop-Band Bee Gees, Songschreiber und Komponist, ist tot. Im Alter von 62 Jahren erlag er am Sonntag seinem schweren Krebsleiden in einem Londoner Krankenhaus.

Robin Gibb
Robin Gibb hat den Kampf gegen sein Krebsleiden verloren. Foto: Joshua Gates Weisberg Foto: dpa

Zuletzt hatte ihn eine Lungenentzündung im Kampf gegen mehrere Tumore zusätzlich geschwächt. Ein musikalisches Vermächtnis mit unzähligen Superhits von «Massachusetts» bis «Stayin' Alive» macht ihn für seine Fans unsterblich. Die Musikwelt reagierte geschockt auf die Todesnachricht. Viele Stars, darunter Bryan Adams und Dannii Minogue schrieben Beilandsbekundungen an die Familie. Auch der frühere britische Premierminister Tony Blair würdigte seinen langjährigen Freund.

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Erst wenige Wochen vor seinem Tod hatte sich Robin Gibb noch selbst ein musikalisches Denkmal gesetzt. Mit seinem ersten Werk auf dem ungewohnten Feld der Klassik schuf er gemeinsam mit seinem Sohn Robin-John ein Requiem in Erinnerung an die Opfer des Untergangs der «Titanic» vor 100 Jahren. Das Requiem wurde am 10. April in London uraufgeführt. Robin Gibb, der selbst auftreten und eines der zwölf Stücke singen wollte, lag da schon im Krankenhaus.

Gibb wurde 1949 auf der Isle of Man geboren - als Sohn eines Schlagzeugers. Neun Jahre später wanderte die Familie nach Australien aus. Gemeinsam mit seinen Brüdern Maurice und Barry gründete Robin die «Brothers Gibb» - nach der Rückkehr nach Großbritannien wurden aus den Anfangsbuchstaben die Bee Gees. Mit erst eher melancholischen Songs wie «Massachusetts», später mit mehr Beats wie beim Soundtrack für den Film «Saturday Night Fever« wurde die Band unvergesslich. Von der Gruppe ist nun nur noch Barry am Leben. Maurice, Robin Gibbs Zwillingsbruder, starb 2003 an einer Darmerkrankung.

Die Formation hatte in ihren besten Disco-Zeiten riesige Publikumserfolge erzielt: 200 Millionen Platten wurden verkauft, 60 Hits brachten die Bee Gees in die Charts - auch dank des gewieften Produzenten Arif Mardin. Nach dem mehrmaligen Auseinanderbrechen der Gruppe und dem Tod von Maurice machte Robin Gibb als Solokünstler und Songschreiber weiter.

Er veröffentlichte mehrere Alben und wurde sogar Ehrendoktor an der Universität Manchester. Als Songschreiber lieferte er auch für andere Musikgrößen wie Kenny Rogers oder Barbra Streisand die Vorlagen. An die eigenen Glanzzeiten des leicht schnulzigen Disco-Trios mit dem unverwechselbaren Sound der 1970er konnte er aber nicht mehr anknüpfen.

Das Privatleben des hageren Mannes mit der blau schimmernden Nickelbrille war turbulent. Gibb hat vier Kinder von drei Frauen. Drogenprobleme begleiteten ihn in seiner frühen Phase, Frauengeschichten später. Mit seiner zweiten Frau Dwina führte der erklärte Frauenheld über Jahrzehnte eine offene «Hippie»-Beziehung. Als sich jedoch 2008 ein uneheliches Kind mit seiner damals 33 Jahre alten Haushälterin ankündigte, trennte sich das Ehepaar vorübergehend. Ganz am Ende seines Lebens fanden Robin und Dwina wieder zusammen: Dwina wachte stundenlang am Sterbebett ihres Mannes.

In seinen letzten beiden Jahren kämpfte Gibb gegen den Krebs. Mehrere Operationen und Chemotherapien folgten. Noch im Februar 2012, als er im Londoner Palladium seinen letzten öffentlichen Auftritt als Musiker absolvierte, glaubte Robin Gibb, er habe die Krankheit überwunden. «Die Genesung ist spektakulär», sagte er, selbst die Ärzte könnten es kaum glauben.

Als älter werdender Mann wurde der frühere Gute-Laune-Musiker nachdenklich. «Egal, wie erfolgreich man ist und wie viel Geld man macht, am Ende des Tages ist man immer allein», sagte der mehrfache Millionär einmal in einem Interview. Später ging er sogar noch weiter: «Ich weiß nicht, was Glück ist», sagte der Mann, der neben Maurice auch seinen Bruder Andy früh verloren hatte. Andy, der nicht zu den Bee Gees gehörte, war schon im Alter von 30 Jahren an einem Herzinfarkt auf der Bühne gestorben.

Website Robin Gibb