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Musiker Tim Vantol zog es von Amsterdam in den Talkessel – Neues Album

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Berchtesgaden: Musiker Tim Vantol zog es von Amsterdam in den Talkessel – Neues Album
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Mit positiver Kraft durch eine schwere Zeit: Tim Vantol. (Foto: Instagram/Tim Vantol)

Berchtesgaden – Erste musikalische Gehversuche machte der Niederländer Tim Vantol mit einer Punk-Rock-Band. Das war noch in Amsterdam. Nach vielen persönlichen Erfahrungen dachte sich der Songwriter dann, seine Substanz auch als Solo-Performer unter das Publikum zu bringen.


Er komponierte reichlich Songs, brachte Alben heraus und tourte viel. Und wie das Schicksal so spielt, verliebte sich Tim Vantol in eine Berchtesgadenerin. So wehte ihn der Nordseewind in die Bergwelt auf 800 Meter Höhe. Tim Vantol fühlt sich in den Bergen sauwohl. Der »Berchtesgadener Anzeiger« traf sich zu einem Exklusiv-Interview mit dem Country-Rock-Troubadour.

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Welche Gründe haben Sie bewegt, von Amsterdam ausgerechnet nach Berchtesgaden zu ziehen? Und wie stehen Sie als Niederländer zur bayerischen Tradition?

Tim Vantol: Ich bin seit drei Jahren hier. In Amsterdam ist alles laut und eng. Hier habe ich Ruhe und Raum. Besonders die Ruhe ist für mich wichtig, und natürlich, dass ich hier meine Frau Simona kennengelernt habe, sie ist Berchtesgadenerin. Ich bin eigentlich gar kein so großer Traditionsmensch. Dennoch finde ich es schön, dass es viele und unterschiedliche Traditionen gibt. Das hat was. Das hat ein regionales Ich.

Ihre Wurzeln liegen im PunkRock. Dann haben Sie sich entschieden, allein auf die Bühne zu gehen. Warum?

Vantol: Mit einer Band zu arbeiten, heißt, viel Equipment zu bewegen und unterschiedliche Meinungen unter einen Hut zu bringen.

Ich war übermotiviert und wollte meine Energie nicht unbedingt verlieren. Auch fallen höhere Kosten an, wenn du mit einer Band tourst. So habe ich mich entschieden, lediglich auf großen Festivals oder auf einer Promo-Tour mit meiner Band zu spielen.

Ihr neues Album »Better Days« erscheint am 22. Mai. Die Songs bedienen das Country-Genre Americana. Worum geht es in den Texten und warum sind Sie eigentlich nicht gleich in die Staaten gezogen?

Vantol: Ich liebe die Countrymusik und den Countryrock. Ich war mehrmals in den Staaten, habe dort auch Konzerte gegeben. Es ist mir aber alles zu groß und außerdem gibt es so unendlich viele Bands. Mir ist das zu spektakulär. »Better Days« ist ein lebensbejahendes Album. In den Songs verarbeite ich meinen persönlichen Weg aus Depressionen und den Kampf gegen innere Dämonen. Das neue Album steht daher für eine lebensbejahende Zukunft, musikalisch umgesetzt in Country, Rock, Folk und Pop.

»5 Inch Screen« ist die aktuelle Single-Auskopplung. Bei »Tell Them« steht die Botschaft: »Nichts im Leben ist selbstverständlich. Umso wichtiger erscheint es, positive Gedanken auch regelmäßig auszusprechen.«

Gute Botschaften aber mit einem fast aufrüttelnden Reibeisen-Gesang?

Vantol: Ich möchte meinen Fans eine positive Stimmung vermitteln. Auch dränge ich niemandem meine Meinung auf. Den Leuten soll meine Musik gefallen und jeder seine eigenen Motivationen und Emotionen daraus ziehen. Jeder denkt und fühlt anders.

Im Titel-Track »Better Days« und »You Will Never« wird es sehr rockig, gar hymnisch. Kommen da die »alten« Punk-Wurzeln mit positiver Aussage wieder durch?

Vantol: Meine Songs sind immer aus der Perspektive meines Lebens geschrieben. Daher lasse ich meine Botschaften gern offen. Auch mein neuer Wohnort Berchtesgaden hat eine wohltuende Dimension. Hier lebe ich entfernt vom stressigen Trubel einer Großstadt. Meine Lieder sollen Durchhaltewillen und Standhaftigkeit vermitteln.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf Ihr Künstler- und Tourleben?

Vantol: Mit »Better Days« habe ich Lebenskrisen verarbeitet. Das neue Album zeigt, wie man in dieser schwierigen Phase auch positiv damit umgehen kann. Corona hat uns Künstler ja alle stillgelegt. Es ist eine Katastrophe. Dabei hätte es für mich so ein super Sommer werden können. Geplant war eine große Tournee mit den »›Toten Hosen«. Diese ist aber leider abgeblasen worden.

Ich bin viel herumgekommen, war neben den USA in Spanien oder Russland. Am liebsten toure ich tatsächlich in Deutschland. Die Leute haben einfach Bock, meine Songs zu hören. Und außerdem sind die Veranstaltungen immer gut organisiert. Das geht mir natürlich alles sehr ab.

Jörg Tessnow