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Musikalisches Feuerwerk »im Mantel« im Kunstraum Klosterkirche

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Minimal Music von La Monte Young mit der charakteristischen Tanpura, interpretiert von den Leprechaun Players unter ihrem Leiter Patrick Pföß. (Foto: Janoschka)

Nun kann die konzertante Uraufführung der Kammeroper »Cuchulinn« tatsächlich am 9. April 2016 stattfinden. Nach erfolgreicher Sponsorensuche des Flötisten, Komponisten und Musikpädagogen Patrick Pföß legte dieser selbst auch noch Hand an: An seinem Geburtstag machte er nicht nur den Zuhörern im fast vollbesetzten Saal des Kulturraums Klosterkirche in Traunstein eine große Freude, sondern auch sich selbst.


Und seine Begeisterung für die Musik und am Musizieren war vor allem auch im Ensemblespiel seiner Schüler, den »Leprechaun Players«, hörbar. Problemlos sprangen die jungen Leute außerdem mit »Whistle o’ver the Leaf O’t«, einem schottischen Tanz, und anderen Werken aus ihrem Repertoire für den erkrankten Albert Galimzanov ein und sorgten im gemütlichen Teil nach dem Konzert für die passende Hintergrundmusik.

Zuvor jedoch brachten die »Leprechaun Players« nach dem offiziellen Konzertprogramm ihrem Lehrer ein Wunderkerzenfeuerwerk dar, spielten einen selbst einstudierten Geburtstagsmarsch und überreichten ihm ein selbst kreiertes Gemälde im Stile der »Stripsody«, seiner hoch gelungenen Zugabe mit komischen Effekten von Cathy Berberian (1925 bis 1983). Diese Darbietung passte übrigens gut zum 100. Geburtstag des Dadaismus mit seiner Auflösung aller bis dahin bekannten Strukturen in der Kunst. Pföß gab die unterschiedlichsten Geräusche und Silben von sich, die sonst nur in den Sprechblasen von Comic Strips vorkommen und sorgte damit für Heiterkeit.

Es war ein »Konzert unter Freunden«, wie Pföß zufrieden bemerkte. Und es waren viele Musiker, die zum Gelingen des Abends beitrugen. »Im Mantel« fand die Veranstaltung statt, weil es ohne zu kalt gewesen wäre – und so war diese Bezeichnung sofort etwas Besonderes. Aus der Not war eine Tugend geboren. Die typisch-irisch-grünen T-Shirts der »Leprechaun Players« leuchteten trotzdem noch hervor. Mit der »Composition 1960 #7« von La Monte Young (*1935) hatte sich das Ensemble aus Querflöten, einer Geige, einer Klarinette, einem e-Piano, einem Kontrabass und zwei Gitarren schon länger auseinandergesetzt. Eine der Gitarren wurde bei diesem Stück durch die Tanpura, eine indische Langhalslaute, ersetzt. Dass moderne Musik es den jungen Menschen sichtlich angetan hat, wurde schnell deutlich. Konzentriert achteten sie auf die Zeichen ihres Lehrers Patrick Pföß und beeindruckten damit, was aus einem Stück mit Minimalanweisungen – zwei Töne möglichst lange auszuhalten – alles herausgeholt werden kann.

Auch die Komposition »VATER« von Patrick Pföß (*1981) ist »modern« und sicherlich für die meisten Ohren ungewohnt. Wer jedoch bereit war, sich mit Interpretation und Analyse auseinanderzusetzen – auf der Rückseite des Programmes gab es dazu einige Hinweise –, konnte den Aufbau des Werks und die Intention des Komponisten gut erkennen. Auf fünf verschiedene Arten ließ er das »Volk« – in diesem Fall den intonationssicheren und klangschönen Kirchenchor St. Oswald unter der Leitung von Pföß selbst mit Margret Zahnbrecher, Sopran, und Manfred Müller, Bass – das »Vater unser« singend beten und verdeutlichte damit die unterschiedlichen emotionalen Gebetshaltungen der Menschen: Aus einem immer lauter werdenden Flüstern wurden einzelne Gebetsworte solistisch hörbar.

Die einzelnen Stimmen des Chores setzten als Klangteppich zum Solo ein. Nach einer dramatischen Steigerung sang der Chor im Fortissimo das Gebet - dies erinnerte beinahe an eine moderne Fassung des Turba-Chorals, der aus den Bach-Passionen des Barock bekannt ist. In einer Aufeinanderfolge von verschiedenen Intervallen setzten dann die Chorstimmen im 5. Teil ein und schlossen mit aufblühenden und verklingenden Lautclustern.

Anklänge an die Gregorianik

Mit den weiteren Darbietungen zeigte der Kirchenchor St. Oswald unter seinem Leiter Manfred Müller seine große Bandbreite. Aus den »Quatre Motets sur des Thèmes Grégoriens«, op. 10 von Maurice Duruflé (1902 bis 1986) erklang im Stil von impressionistisch arrangierten liturgischen Gesängen »Ubi caritas et amor« mit Anklängen an die Gregorianik, besonders in der Einleitung. Wie viele Motetten von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 bis 1847) basiert auch »Nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren« auf einer neutestamentlichen Erzählung. Hier sang Patrick Pföß im Bass mit. Die Sängerinnen und Sänger des Kirchenchors St. Oswald modulierten technisch perfekt und musikalisch eindrucksvoll die fugenartig angelegten Verflechtungen der Komposition und bestachen durch deutliche Aussprache und Bewusstsein für Klang.

Johann Sebastian Bachs (1685-1750) Kantate »Der Friede sei mit dir« BWV 158 – Rezitativ, Arie, Rezitativ – mit Bariton Hubert Dobl, den Sopranistinnen Margret Zahnbrecher, Maria Bittel und Kathrin Wiedemann, Patrick Pföß an der Traversflöte, Ulf Dressler an der Erzlaute, Sebastian Schilling an der Truhenorgel mit virtuoser Instrumentierung besonders in der Flöte und dem Kirchenchor St. Oswald unter der Leitung von Manfred Müller wurde durch den Choral »Mit Fried und Freud ich fahr dahin« von Martin Luther aus dem Jahr 1524 ergänzt.

Pföß ergänzte das abwechslungsreiche Programm mit der viersätzigen Sonata II in C-Dur von Francesco Geminiani (1687 bis 1762) gemeinsam mit Ulf Dressler an der Erzlaute und mit Eigenimprovisationen über »La Follia de la Spagna« mit Ulf Dressler und Sebastian Schilling an der Truhenorgel. Ein gelungenes Feuerwerk aus wunderbaren musikalischen Beiträgen in einem ganz besonderen Konzert, das Verbundenheit mit Tiefgang verband. Brigitte Janoschka