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Musikalischer Weckruf: »Wählt demokratisch!«

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»Nationalismus braucht koa Sau«: Beim Open-Air »Rock gegen Rechts« bringen Bernd Karmann und Rebecca Berger vom »Club Stiege« am Samstag vier Bands (Cock Dylan, Volxverätzung, Folsom, Rainer Von Vielen) auf die Freiluftbühne vor dem Stadtmuseum. Die LischKapelle bestreitet die Aftershow-Party in der »Stiege«. (Foto: Thois)

Trostberg – »Wir wollen und müssen die Menschen aufrütteln, damit sie wählen gehen – und zwar demokratisch!« So erklärt Bernd Karmann den musikalischen Weckruf am Samstag ab 15 Uhr. Einen Tag vor der Landtagswahl organisiert der 53-jährige Betreiber des »Clubs Stiege« ein kostenloses Open-Air mit fünf Bands in der Altstadt zwischen Stadtmuseum und Turm zu Schloss Schedling.


Das in Trostberg schon seit den 1990ern etablierte Motto »Rock gegen Rechts« wird neu aufgelegt. Aus aktuellem Anlass, wie Karmann betont: »Der Rechtsruck ist kein gesellschaftliches Randphänomen mehr. Wir wollen Flagge zeigen gegen ausländerfeindliche Hetze und eine antieuropäische, unsoziale, Angst schürende Politik.«

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So wie vor gut 20 Jahren, als auf dem Volksfestplatz das erste »Rock gegen Rechts« mit den damals noch unbekannten Sportfreunden Stiller über die Bühne ging, will die Stiegen-Mannschaft, unterstützt vom »Club Leonhard«, wieder ein breites Publikum mobilisieren, das sich – unabhängig von parteipolitischen Präferenzen – gegen Ausgrenzung und Fremdenhass positioniert. Vier Bands spielen im Freien sowie beim Indoor-Ausklang im »Club Stiege«.

Die Bands spielen allesamt kostenlos oder gegen geringe Aufwandsentschädigung, weil sie die Intention des Festivals voll unterstützen: »Leute, macht Eure Kreuzchen! Egal bei wem, nur nicht bei einer Partei, die Hass und Abschottung propagiert und Grundrechte gefährdet.«

»Leute, die mit Neonazis marschieren und rechte Parolen absondern, sind unwählbar. Das muss in die Köpfe der Bürger – unser Mittel ist die Musik.« Deshalb lässt Karmann das »Rock gegen Rechts« wieder aufleben. »Es kann nicht sein, dass wir nach ungarischem, polnischem oder österreichischem Vorbild einen Nationalismus unterstützen, der die Unabhängigkeit von Presse und Justiz, das Recht auf freie Meinungsäußerung und ein Europa der offenen Grenzen gefährdet«, sagt Karmann. »Es ist Unsinn, aus Protest populistische Parteien zu wählen.« Und Nicht-Wählen sei auch keine Alternative. »Für das Grundrecht, ihre Stimme abzugeben, haben im Arabischen Frühling und vielen Ländern auf der Welt Tausende ihr Leben aufs Spiel gesetzt.«

Mit den Konzerten wolle man alle ansprechen, denen Toleranz und Freiheitsrechte wichtig sind, sagt der »Stiegen«-Chef. »Jeder ist willkommen, jeder soll Werbung dafür machen. Denn wir versuchen, auch einen Erlös für ein Projekt zu erzielen, das Fluchtursachen bekämpft.« Auf freiwilliger Basis können die Besucher für fünf Euro oder mehr Festivalbändchen kaufen. Was nach Abzug der Unkosten übrig bleibt, kommt der von Karmann unterstützten Afrika-Hilfe »HerzoKo« zugute, die in Entwicklungsländern wie Burkina Faso Schulen und Krankenhäuser baut und fördert.

Headliner auf der Freiluftbühne am Atrium in Trostberg sind Rainer von Vielen, die ihren selbst ernannten Bastard-Pop schon seit rund zehn Jahren in die Welt tragen. Die Vier aus dem Allgäu sind eine stilistische Wundertüte. Oder wie die Presse-Info es formuliert: »Während andere Bands sich in keine Schublade stecken lassen wollen, sind Rainer von Vielen gerne die Kommode. Eigen und geliebt ist vieles doch erst, wenn es zwischen den Fächern klemmt und quietscht.«

Aus dem Pariser Montmartre kommen Folsom nach Trostberg, eine Rock-Band mit Leib und Seele, die unwiderstehlichen Groove mit Blues- und Funk-Elementen vereint. Dazu kommen als Lokalmatadoren die Trostberger Punk-Urgesteine von Volxverätzung und die festivalerprobten Punk- und Hardcore-Rocker von Cock Dylan aus Wasserburg.

Band Nummer fünf ist die LischKapelle, die ab etwa 22 Uhr eines ihrer letzten Konzerte gibt und die After-Show-Party im »Club Stiege« mit ihrem Bavaro-Indie-Pop beschallt. tt

 

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