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Musikalische Weltstars in der Achentalhalle

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Die beiden Pianisten des Konzertabends am Flügel, Asher Fisch und Helmut Deutsch, in der Unterwössener Achentalhalle im Alten Bad, stehend von links die Sopranistin Christiane Libor, Stefanie Iranyi, Mezzosopran, der junge Tenor Christopher B. Fischer und Stephan Klemm, Bass. (Foto: Giesen)

Von der ersten bis zur letzten Minute ein großartiges musikalisches Erlebnis war das große Benefizkonzert für die Wolfgang-Sawallisch-Stiftung in der neuen Achentalhalle in Unterwössen.


Vor ausverkauftem Haus mit rund 400 Besuchern sangen vier hervorragende Solisten, allen voran die weltberühmte Mezzosopranistin Stefanie Iranyi, die aus Raiten bei Schleching stammt und daher eine enge Beziehung zu ihrer Heimat hat. Weiter sangen die ebenso weithin bekannte Lied- und Opernsopranistin Christiane Libor, die auch eine Gesangsprofessur in Karlsruhe inne hat, der junge Tenor Christopher Bala Fischer, Karlsruhe, sowie der aus Sachsen-Anhalt stammende Stephan Klemm mit seiner wunderschönen Bassstimme.

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Am Klavier begleiteten kongenial der weltbekannte Liedbegleiter Helmut Deutsch und der auch weltweit als Dirigent arbeitende Asher Fisch, Pianist und Ehemann von Stefanie Iranyi. Schon von der lockeren, fröhlichen Atmosphäre im Saal war es von Anfang an fühlbar, dass es sich gleichsam um ein »Heimspiel« handelte, wenn auch – wie von den ersten Tönen an deutlich wurde – auf höchstem musikalischen Niveau. Wie Paul Bischof, einer der beiden Vorstände der Sawallisch-Stiftung in seiner Begrüßungsansprache mitteilte, musizierten alle Mitwirkenden ohne Gage, die Künstler wurden von Unterwössener Bürgern kostenfrei in ihren Chalets untergebracht und die Gemeinde stellte den Saal kostenlos zur Verfügung.

Auf dem Programm standen ausschließlich Werke von Johannes Brahms (1833 bis 1897), was trotz der anfänglichen Befürchtung mancher Besucher keinen Moment langweilig wurde. Zwei frühe, 1858 komponierte Duette, opus 28, mit Steffie Iranyi und Stephan Klemm »Vor der Tür« und »Es rauschet das Wasser« eröffneten das Konzert. Beide Solisten, mit großem schauspielerischen Talent begabt, verstanden es ausgezeichnet, mit ihren wunderbaren Stimmen, aber auch neckischen, liebenswürdigen Gesten, das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Es folgten die zehn Jahre später komponierten Liebesliederwalzer, opus 52, die erstmals 1870 mit Clara Schumann und Brahms selbst am Klavier aufgeführt wurden.

Bei den insgesamt 16 ganz unterschiedlich langen Liedern sangen die vier Solisten in verschiedenen Formationen, wobei sie jeweils vierhändig auf dem Klavier begleitet wurden. Dieser erste Teil der Liebeslieder handelt vor allem von den Freuden der Liebe, Lust und Leid, wobei musikalisch lyrisch weiche Klänge mit ironisch-heiteren und dann wieder energisch-temperamentvollen abwechseln. Die Lieder beruhen auf der Textsammlung »Polydora« von Georg Friedrich Daumer, der internationale Volksdichtungen frei umschrieb. Die Stimmlagen der vier hervorragenden Sänger harmonierten prächtig miteinander und alle Solisten hatten offensichtlich selbst viel Freude am Singen und Spielen, auch von den offensichtlich begeisterten Reaktionen im Saal beschwingt. Vor der Pause erklang ein Teil der »Ungarischen Tänze« von Johannes Brahms, die die unglaubliche Fingerfertigkeit und Ausdruckskraft der beiden Pianisten bewies, die darüber hinaus so aufeinander eingespielt waren, als würden sie nie anders musizieren.

Nach der Pause, deren Erlös aus dem Getränkeverkauf ebenso wie alles andere für die Sawallisch-Stiftung bestimmt war, eröffneten den zweiten Teil des Konzerts vier »Zigeunerlieder«, opus 103, für vier Singstimmen, 1887 geschrieben. Nach weiteren drei Ungarischen Tänzen wurde das Konzert beschlossen von dem Zyklus »Neue Liebesliederwalzer, opus 65, die überwiegend von den dunklen Seiten der Liebe handeln, wie Enttäuschung, Misstrauen und Verzicht. Das bildet sich nicht nur in den dramatisch melancholischen Melodien, sondern auch bei den Titeln ab, wie »Finstere Schatten der Nacht«, »Nagen am Herzen fühl' ich« oder »Alles, alles in den Wind«. Durch den nicht enden wollenden Applaus ließen sich die Künstler noch zur Zugabe eines Liebesliederwalzers »Wenn so lind dein Auge mir« erweichen, bevor dann schließlich alle von dem musikalischen Erlebnis erfüllt nach Hause gingen.

Christiane Giesen