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Musikalische Weltreise der Extraklasse

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Von Paraguay über Schottland bis in den Fernen Osten führte die musikalische Weltreise von Rudi Zapf und seinen Freunden im Traunreuter k1. (Foto: Heel)

Bekannte Weihnachtslieder könne man woanders hören, erklärte Hackbrettvirtuose Rudi Zapf, nachdem fast eine Stunde seines »Weltweihnachtskonzerts« im sehr gut besuchten Studiotheater des Traunreuter k1 verstrichen war.


Der Haken dabei war nur: Es gab an diesem Abend auch keine eher unbekannten Weihnachtslieder zu hören. Eigentlich gab es überhaupt nichts Weihnachtliches zu hören, von ein paar Takten »Stille Nacht, heilige Nacht« gegen Ende des Konzerts abgesehen. Eingang fanden nur ein paar Stücke mit kalendarisch passenden Titeln wie David Qualeys »Winter’s Prelude« oder die Eigenkomposition »Winterland«.

Wer sich daran nicht gestört hat bzw. die Verlagerung der Musik auf die Motive von Fest, Freude und Feiern zu schätzen wusste, der konnte sich an einem fabelhaften Konzert erfreuen, einer musikalischen Weltreise der Extraklasse, die von Paraguay über Schottland bis in den Fernen Osten führte. Ein Meister an Pedal-Hackbrett, Knopfakkordeon und Vibrandoneon (einer Kreuzung aus Tasten- und Blasinstrument), und kongenial begleitet von Ingrid Westermeier (Gitarre), Sunny Howard (Geige) und Ludwig Kläckner (Kontrabass), eröffnete Rudi Zapf den Abend mit Werken des irischen Harfenisten Turlough O’Carolan (1670 bis 1738), flott und rhythmisch vorantreibend.

Nach einem Abstecher nach Dänemark ging es im Sieben-Achtel-Takt nach Serbien, gefolgt von einer jiddischen Klezmer-Polka und einer kasachischen »Stubnmusi«, die eigentlich »Jurte-Musi« genannt werden müsste, so Rudi Zapf. Ähnlich humorig waren auch seine anderen Ansagen, etwa zu dem Stück »Russischer Jahrmarkt«, das er von einem russischen Kollegen gelernt habe, der »Wodka aus Weißbiergläsern trinkt«. Und wer bis heute nichts von einem gewissen Agustin Barrios Mangoré (1885 bis 1944) gehört hat, einem der ersten Gitarrenvirtuosen in Südamerika, dem konnte Rudi Zapf auch weiterhelfen. Zu dem Stück »La Catedral«, Agustin Barrios’ bekannteste und meistgespielte Komposition, erzählte er, dass der Musiker, nachdem er sich der indianischen Kultur seiner Heimat zugewandt hatte, bei seinen Konzertabenden in der ersten Hälfte im traditionellem Frack, nach der Pause dann in indianischer Tracht inklusive Federkopfschmuck aufgetreten sei. Als er die Reihenfolge einmal umkehrte, gingen die Zuschauer in der Pause nach Hause, in der Annahme, das Konzert sei schon zu Ende.

Einige Zugaben wie ein paar »Canzoni della strada« schlossen das mit kräftigem Applaus bedachte, rundum gelungene Konzert ab. Wolfgang Schweiger