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Die »Salonboarischen« spielen im Kloster Seeon grenzüberschreitende Volksmusik

Musikalische Weltenbummler

Die »Salonboarischen« haben bei ihrem Konzert im Klosterstüberl des Klosters Seeon mit ihrer hausgemachten Musik einen Völker-, Genre-, ja sogar Kontinente übergreifenden Sprung geschafft – über das Bayerische Meer in die Alpen, nach Frankreich, über den Ärmelkanal nach England, weiter nach Chicago, New York und Südamerika.

Die »Salonboarischen« Hermann Huber (von links), Zoltan Laluska, Eva Fenninger und Ingo Nagel boten Volksmusik aus der ganzen Welt. (Foto: Benekam)

Die »Salonboarischen« sind musikalische »Weltenbummler«, die offen und neugierig die Musik anderer Völker erkunden, sich scheinbar mühelos in die jeweiligen »Volksmusiken« einfühlen, ihre spezifischen Eigenheiten herausfiltern und in selbst arrangierten Kompositionen Völkerverständigung betreiben. Eine spannende Herausforderung, nicht nur für die virtuosen Musiker.

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Die Konzertbesucher im Kloster Seeon kamen voll auf ihre Kosten: Mit ihrem Programm »Ois Chicago« vereinten die vier »Salonboarischen« Menschen und Musikstile und versprühen mit ausgelassener Musizierfreude gute Laune. Hermann Huber (Diatonische Harmonika, Klarinette), Zoltan Laluska (Geige, Gesang), Eva Fenninger (Harfe, Okarina, Gesang) und Ingo Nagel präsentieren in ihrem Konzert genau das, was gute Volksmusik ausmacht: Mit ihren alpenländischen Wurzeln perforieren sie den französischen Chanson »Pour ma cherie Andrea«, zelebrieren den Tango in »Tango Diatonique«, streifen den Jazz mit »Wild Cat Blues« und kommen immer wieder zurück in heimatliche Gefilde.

Eigenkompositionen wie »Honey Eva« (Huber), »I tram a bisserl vor mi hie« (Fenninger), »Ganggerl Polka« (Huber) oder der »Ameranger Schlossgespenst Landler« streicheln die bayerischen Seelen, lassen den Zuhörer munter Mitschunkeln, Klatschen und reizen zum Tanz.

Dabei zeigt das Quartett in allen Kompositionen ausgesprochen hohe Virtuosität, gepaart mit fast kindlicher Kreativität: Hermann Huber wechselt zwischen Harmonika und Klarinette, Eva Fenninger spielt nicht nur Harfe, sondern auch Okarina und singt zwei Lieder auf Bairisch und Geigenvirtuose Zoltan Laluska beweist einmal mehr, dass sein Heimatland Ungarn Geiger von Weltklasse hat, die nebenbei auch prima singen können. Ingo Nagel liefert zupfend, streichend und schlagend am Kontrabass immer den richtigen Takt in den tiefen Tonlagen und offenbart ungeahnte Spielmöglichkeiten an seinem Instrument – grandios.

Ruhig und tief berührend war die Bearbeitung von Howard Blakes »Walking in the air«, in der das Quartett die Zuhörer mit getragen-melodischen Klangfarben in die verschneite Winterlandschaft Englands entführte. Dort erlebte – wie Hermann Huber erklärte – ein kleiner Junge in einem Traum ein Rendezvous mit einem Schneemann. Frenetischer Applaus im Klosterstüberl verlängerte den Musikgenuss um zwei Zugaben. Kirsten Benekam