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Musikalische Wandlungsfähigkeit

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Die »Jazzgeschwister« rockten die Bühne in der Schulaula Teisendorf. (Foto: Mergenthal)

Eine Reise um die ganze Welt und durch die verschiedensten Musikstile haben die Besucher eines eindrucksvollen Konzerts der Formation »JazzBrothers and Sister« aus Salzburg in der Aula der Franz-von-Agliardis-Schule Teisendorf erlebt.


Vom Welthit »Dream a little dream of me«, einem Song aus dem Jahr 1931, der über 150-mal gecovert wurde, spannte sich der Bogen über das poetische portugiesische Lied »Rosa blanca« zum bekannten Chanson »Je veux« der jungen Französin Zaz. Die authentische Senkrechtstarterin stellt hier die typischen Statussymbole der etablierten Gesellschaft und alle Klischees in Frage und singt eine Hymne auf die Liebe, die Freude und die gute Laune. Die hintergründige Freude, die aus diesem Lied spricht, verkörperte die Sängerin der »Jazzgeschwister« ausgesprochen mitreißend.

Bereits seit ihrem dritten Lebensjahr singt Burgi Pichler, der mit ihrem Tiroler Charme und Dialekt und vor allem mit ihrer dunklen, warmen Stimme sofort die Herzen zuflogen, leidenschaftlich gern.

Hauptberuflich spielt sie als Kontrabassistin unter anderem in der Camerata Salzburg, zusammen mit ihrem Band-Kollegen Christian Junger aus Nussdorf am Hausberg. Beim Popsong »All about that bass« von Meghan Trainor (2014) bearbeitete sie mit Junger dieselbe Bassgeige.

Der Mann am Bass überzeugte durch lässigen Swing in seinen Linien und rasante Läufe. Alle drei Instrumentalisten streuten immer wieder mal fetzige Improvisationen ein.

Jazzstandards wie das rhythmisch vertrackte »How high the moon« haben die Vier ebenso drauf wie Rock-Titel aus den späten 1960er und frühen 1970er Jahren wie »Venus« »Mr. Bojangles« oder »Bad Leroy Brown«. Burgi Pichler und ihre Kollegen begeisterten mit ihrer Wandlungsfähigkeit – jedes Lied war eine ganz eigene Welt. Viel Drive auf der Gitarre steuerte Dr. Wolfgang Schierhuber bei, ein gebürtiger Waldviertler und Arzt, der seine Karriere als Musiker nach seiner Pensionierung in den New Yorker Jazzclubs gestartet hat.

Neben der Sängerin, die trotz einer minimalen Beeinträchtigung durch eine Erkältung mit ihrer fein schwingenden, voll tönenden, charakterstarken Soul-Stimme den Abend bravourös meisterte, war der charismatische Saxofonist und Klarinettist Sepp Kili der absolute Star.

Zu jedem Lied erzählte der Musikschulchef aus Oberösterreich höchst virtuos seine ganz eigenen Geschichten. So ließ er bei einem deutschen Lied zum Text »Das Spiel mit dem Feier ist ein echtes Abenteuer, doch das Spiel mit Frauen ist wie ein Flächenbrand« sein Saxofon wie Flammen züngeln. Bei »Mackie Messer« aus der »Dreigroschenoper« von Bert Brecht/Kurt Weill wurden seine hohen, zackigen Spitzentöne auf der Klarinette zu spitzen Haifischzähnen. Einen magischen, höchst individuellen Mix aus Jazz und Folk ließ er durch eine eigenwillige Interpretation von »Sail on, Jimmy« entstehen.

Die unheimliche Stimmung im Song »Hanging tree« kam gut zum Ausdruck durch den solistischen Start des Bassisten mit seltsamen, experimentellen Klängen, zu dem sich geschmeidig der Gitarrist und später der Saxofonist dazu gesellten.

Viel Erotik legte Burgi Pichler beim Italo-Hit »Volare, cantare« in ihre Stimme und verlockte alle Zuhörer zum Mitklatschen. Ein Abstecher nach Südamerika mit »Uma zero« durfte ebenfalls nicht fehlen. Nach einer ironischen Anspielung auf den Brexit, mit einem typischen Queen-Hut dekoriert, leitete Burgi Pichler elegant zu einem neueren und einem älteren Song von der Insel über – »Back to black« von Amy Winehouse und »All my loving« von den Beatles.

Als Zugabe erklangen »Applaus« von Hildegard Knef und – wie könnte es anders sein – eine Nummer aus Österreich, »Jö schau, so a Sau« von Georg Danzer. Veronika Mergenthal