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Musikalische Charakterstücke

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Das »ensemble Amphion« feierte sein 20-jähriges Bestehen mit großen Werken und einer Uraufführung beim Abschlusskonzert der »Chiemgauer Kulturtage«. (Foto: Benekam)

Ein Jubiläumskonzert – 20 Jahre »ensemble Amphion« – in Kooperation mit dem Streichorchester der Musikschule Traunwalchen, Musikern der »Capella cantabile« sowie des Johannes-Heidenhain-Gymnasiums Traunreut setzte mit einem attraktiven Festprogramm den Chiemgauer Kulturtagen einen krönenden Abschluss.


Neben einer kammermusikalischen Rarität und einem großen populären klassischen Werk stand auch eine Uraufführung einer Klassik-Jazz-Komposition Thomas Hartmanns auf dem Programm. Wie Peter Ramsauer, selbst Vorsitzender des Fördervereins vom »ensemble Amphion« und bekennender Bewunderer, in einer kurzen Ansprache betonte, sei das Klassik-Ensemble eine musikalische Perle in der Region. Er gratulierte dem »Klangkörper« für seinen unermüdlichen Einsatz, seine musikalische Schaffenskraft, für die außergewöhnlich fruchtbare Produktivität in Sachen Konzertangeboten und unterstrich den hohen Stellenwert der Ausbildung und Förderung des Musiker-Nachwuchses. Letzterem werde man in der Musikschule Traunwalchen voll gerecht, sie sei sozusagen eine Brutstätte großer musikalischer Talente.

Bevor der musikalische Teil des Jubiläumsabends seinen Anfang nahm, gab es eine gut verständliche Erläuterung zu den gespielten Werken und den Komponisten. Alexander Krins, dem auch die musikalische Leitung des Konzerts unterlag, brachte den Zuhörern die menschliche und künstlerische Ausrichtung der Komponisten näher. Somit soll der Zuhörer Aufschluss zu den musikalischen Hintergedanken und den emotionalen Themen zu den gespielten Werken bekommen. Die Musik kann so noch tiefgründiger wahrgenommen werden, erzählt in Noten von großen Gefühlen oder bewegenden Ereignissen des Komponisten. Beide, Musiker und Zuhörer, geraten so in einen Gleichklang und schwingen im selben Rhythmus.

In höchster Konzentration und harmonischem Zusammenspiel trugen Thomas Hartmann (Klavier), Markus Lentz (Violoncello) und Alexander Krins (Violine) Robert Schumanns »Sechs Stücke« in kanonischer Form Op. 56 vor. In dem Werk mit kontrapunktischer Prägung folgen die sechs unterschiedlichen Charakterstücke dem Prinzip des begleitenden Kanons. Eine zweite Stimme folgt hier versetzt der ersten Stimme und dies zudem in identischen Notenwerten und Tonabständen. In der Bearbeitung zum Klavier-Trio durch den Schumann-Schüler Theodor Kirchner kommen Klavier, Violine und Cello zum Einsatz.

Zweiter Programmpunkt und zugleich Höhepunkt war die Uraufführung der Jazz-Sinfoniette »Willkommen in der Mitte der Nacht«, welche Thomas Hartmann anlässlich des Jubiläums zu Gehör brachte. Wie zuvor erklärt, folgt Hartmann in seiner Komposition, gleich den großen Komponisten, inspirativen Erlebnissen seines Alltags. In seinem Werk vereint er unterschiedliche Musikrichtungen und überrascht mit dem ungewöhnlichen Einsatz des Cembalos im Jazzstil. Fast schon perkussiv gespielt entlockt er dem sonst eher ruhigen Instrument erstaunliche Klänge, die wiederum im Zusammenklang mit Streichern und Flöte (Johanna Hartmann) in seiner Einzigartigkeit glänzen. Trefflich zum Titel passend assoziiert der Zuhörer nächtliches Erwachen, aufkommende Gedanken, die ins Bewusstsein drängen, ideenreiche Inspirationen und wiederkehrende Schlaftrunkenheit. Ramsauers Aussage, dass Hartmanns Komposition alle Befugnis habe an die großen Bühnen des Konzertgeschehens zu gelangen, kann man sich nur anschließen.

Letzter Programmpunkt war, nach verdienter Pause, Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur Op. 58 in der Fassung für Streicherensemble von Vinzenz Lachner. Das große Werk Beethovens verlangte den Musikern noch einmal höchste Konzentration ab und beschloss den Jubiläumsabend mit einer weiteren musikalischen Glanzleistung. Mit Bravorufen und lang anhaltendem Applaus verabschiedeten sich die Klassik-Fans von den erstklassigen Musikern und dem gelungenen Konzert. Kirsten Benekam