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»Quadro Nuevo« sorgt im Festsaal des Klosters Seeon für Begeisterungsstürme

Musikalisch illustrierte Reiseberichte

Der Festsaal des Kultur- und Bildungszentrums Kloster Seeon erschien bei dem Konzert des Quartetts »Quadro Nuevo« in einem ungewohnt bunten Licht. Rotes, gelbliches, dann eisblaues Scheinwerferlicht spiegelte und verstärkte die Stimmungen der auch klanglich farbenfrohen Musik des mehrfach Echo-gekrönten Ensembles wider.

Andreas Hinterseher (von links), Mulo Francel, D. D. Lowka und Evelyn Huber spielten in Seeon musikalische Berichte von ihren Reisen. (Foto: Benekam)

Mit einem ruhigen Stück schlichen sich die vier Ausnahmemusiker zunächst ganz leise mit Kalimba, Bandoneon, Harfenklängen und Kontrabass in den Konzertabend. Vor 20 Jahren hatten sie zuletzt im schönen Klostersaal konzertiert, wie Mulo Francel verriet, und eigentlich hätten sie damals gar nicht so recht gewusst, welche Art Musik sie spielen: Weltmusik. Musik, die aus den Eindrücken und Ausblicken der gemeinsamen Reisen durch ferne, fremde Länder entstanden ist. Musik, die ebenso spannend, exotisch, Genre übergreifend und innovativ klingt, wie die bereisten Länder aus deren Inspiration sie entstanden ist.

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Mediterrane Leichtigkeit, heißer Tango aus Argentinien, raue Winde von der Krim-Halbinsel, charmanter Savoir-vivre aus Paris, endlose Weite der Wüsten aus Kamelrückenperspektive und dem schaukelnden Gang eines Wüstenschiffs. All diese Gefühlseindrücke verpackt und verarbeitet in Kompositionen klingen wie ein musikalisches Reisetagebuch: schön mit bunten Bildern illustriert und mit den dazugehörigen Gerüchen – immer weiter und immer auf der Suche nach dem Land der unbegrenzten musikalischen Möglichkeiten.

Oder längst angekommen im eigenen Musikgenre, welches bunt und variationsreich wie die Farben und Klangfarben der Musikinstrumente bei den Zuhörern Begeisterungsstürme auslöst. Da passt der Titel des aktuellen Albums, aus dem auch in Seeon einige Nummern zu hören waren, wie die Faust aufs Auge: »Flying carpet«. Zum Abheben schön, miteinander schwebend und doch auf dem Teppich geblieben.

Wer wie Evelyn Huber (Harfe), Mulo Francel (Saxofon, Klarinette, Mandoline), D. D. Lowka (Kontrabass, Percussion) und Andreas Hinterseher (Akkordeon, Vibrandoneon, Bandoneon) so viel gemeinsam reist, musiziert, komponiert und mit der gemeinsamen Sache so vielen Menschen Freude macht, der muss auf mehreren Ebenen bestens harmonieren.

Mit älteren Nummern wie »Canzone della Strada«, »Garcias Tango« oder »Libertango« (Astor Piazzolla) rockte das Ensemble ebenso den Klostersaal wie mit neueren Eigenkompositionen: »Kaliji Steps«, »Antakya Suite« oder der Bearbeitung eines Werkes des französischen Impressionisten Eric Satie.

Dabei begeisterte »Quadro Nuevo« mit atemberaubenden Soli an den einzelnen Instrumenten in eigenwilliger Spielweise: Der Kontrabass wurde am Corpus und auf den Saiten perkussiv erobert, die Klappen der Klarinette gaben über das Mikrofon einen leisen, an einen Herzschlag erinnernden Takt, die Harfensaiten wurden angeschlagen wie bei einer Gitarre und Bandoneon und Akkordeon lieferten in meisterlicher Virtuosität aufregende Klangfarben dazu. Kurz: Akustische, Musik gewordene Eindrücke ferner Länder und Kulturen, die Lebenslust und Weltoffenheit transportierten. Musikalische Reiseberichte, die mitrissen und den Zuhörer mitreisen ließen.

Nur wer sich auf den Weg macht, kommt ans Ziel – auch als Musiker. In diesem speziellen Fall freuen sich die Zuhörer aber auf noch mehr Wege, Reisen und Eindrücke, verpackt in exotische Kompositionen der Extraklasse. Riesenapplaus! Kirsten Benekam