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Musik, Pirouetten und moderner Tanz

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Ein großes Ensemble zeigte beim Ballettabend in Bad Reichenhall mit »Tambourines« eine Tarantella auf Tschaikowskis Musik. (Foto: Janoschka)

Tosender, nicht enden wollender Applaus war die verdiente Belohnung für den Ballettabend der Traunsteiner Ballettschule am Taubenmarkt im Kurgastzentrum Bad Reichenhall. Mit prächtig-bunter Beleuchtung wurden die jungen Eleven ins rechte Licht gesetzt, als sie in verschiedenen Kostümchen alle Register ihres Könnens zeigten, aus sich heraus überzeugten und selbstbewusste Freude ausstrahlten. Mit den Darbietungen erzählten sie vom Leben und machten deutlich, dass Tanzen auch bedeutet, gemeinsam ein Ziel zu erreichen und dabei Vertrauen zueinander aufzubauen.


Musik und anmutige Bewegungen verschmelzen

Dies kam im ersten Teil durch das Verschmelzen der Musik Frédéric Chopins, mit der der renommierte Pianist Paris Tsenikoglou den Raum erfüllte, mit den anmutigen Bewegungen der Balletttänzerinnen zum Ausdruck. Die Choreografien von Maged Mohamed und von Tatjana und Mohamed Youssry, dem Leiter-Ehepaar der Ballettschule, griffen die musikalisch angelegte Agogik auf und setzten sie so in die Bewegung des Tanzes um, dass ein kongeniales Ganzes entstand.

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Alle Tänzerinnen, die in diesem ersten Teil auftraten, ließen mit ihrem Auf- und Abtreten ein organisches Kunstwerk entstehen. Die Zuschauer erfreuten sich an der Leichtigkeit der Techniken – an Spitzentanz, Sprüngen und Pirouetten, die in verschiedenen Konstellationen synchron dargeboten wurden. Ayame Abe von der Munich International Ballet School tanzte ein beeindruckendes Solo mit professioneller Grazie. Yuki Keller und Christine Becker tanzten mit Ballett-Lehrer Eurico Moiance eine wunderbare Formation, deren Pas-de-deux-Teile mit Hebefiguren viel Einfühlungsvermögen und Anmut zeigten. Klara Heiler und Emma Darda machten die im 3/8-Takt tänzerisch-bewegte Musik Chopins graziös sichtbar.

Nach dem Sextett im Spitzentanz mit Yuki Keller, Christine Becker, Klara Heiler, Emma Darda, Lena Anner und Pascaline Vormann trat das gesamte Ensemble auf und bot den Rahmen für den Auftritt von Tatjana und Mohamed Youssry. Applaus brandete auf. Dann folgte ein Grand Pas de deux vom Feinsten mit mehreren Teilen, in denen das Paar seine Professionalität bewies. Andrea Joesten, die an der Ballettschule tänzerische Früherziehung unterrichtet, führte durch das Programm: »In den Proben Neues erarbeiten, an der Technik feilen, schwierige Aufgaben meistern. In der Aufführung an den Herausforderung wachsen und Selbstvertrauen gewinnen. Vor allem aber, sich auf die Freude am Tanzen einlassen, die Freude mitteilen und das Herz zum Leuchten bringen«, erklärte sie zum Hintergrund des Abends.

Auch im zweiten Teil ging es um Lebensfragen. Im ersten Stück »Hope« nach der Musik »Love in the dark« von Leroy Sanchez und der Choreografie von Eurico Moiane traten Kinder mit verbundenen Augen auf. Bei der Vorbereitung dieses Stücks war den Sechs- bis Elfjährigen die Frage gestellt worden: »Wer bin ich hier in unserer Gesellschaft?« Als ein Engel jedes Kind berührte und ihnen die Augenbinde abnahm, durften alle ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen tanzen. Freude breitete sich aus, als sie nicht mehr blind waren. Doch der Engel blieb am Schluss allein zurück.

»In unserer Wiese« von der Choreografin Andrea Joesten durften Blümchen, Grillen, Marienkäferchen und Schmetterlinge auf die Musik John Powells »Hello, dance to your own tune« und auf die Suite Nr. 1 für Violoncello von Johann Sebastian Bach in der Interpretation der Symphoniacs ihr Gefühl für Melodie und Rhythmus in Bewegung umsetzen. Eine kleine Handlung unterstützte die kindliche Vorstellungskraft: Eine Spinne fing ein paar Käferchen mit ihren klebrigen Fäden. Aber sofort eilten andere Marienkäferchen herbei und befreiten ihre Geschwister. Zehn- bis zwölfjährige Mädchen tanzten dann nach der Choreografie der Tanzpädagogin Katharina Peez eine Fusion aus Modern Dance und Jazz mit dem Titel »Freedom«. Nach der Musik »Moment musical in f-Moll« von Franz Schubert tanzten die Jüngeren im Sitzen und Stehen mit Elementen, die einzeln zum Übungsprogramm einer Ballettstunde gehören. Zusammengesetzt zu diesem Tanz ergaben sie ein allerliebstes Ganzes. Breakdance-Elemente enthielt »Into the Light« nach einer Choreografie von Elisabet Bort Giramé mit Kathrin Singer-Zellner, Konstanze Schuch, Viola Matthias und Eurico Moiane, deren getanzte Geschichte viel an Deutung zuließ.

Eine reizende Eifersuchtsszene

Ein Kind mit schwarzem Frack und Zylinder suchte sich zwei Tänzerinnen aus einer Gruppe, die mit weißen Schirmchen auf Musik von Wolfgang Amadeus Mozart tanzte und löste bei diesem »Rendez-Vous« prompt eine reizende Eifersuchtsszene aus. Die Wellenbewegung des Wassers setzten die Mädchen bei »Sail« auf die Choreografie von Katharina Peez in Szene.

Mit roten Miedern und weißen Röcken mit Bändern zeigte dann ein großes Ensemble mit »Tambourines« eine Tarantella auf Peter Iljitsch Tschaikowskis Musik. Mit einem kabarettreifen Augenzwinkern setzten Eurico Moiance und Kathrin Singer-Zellner mit einer Pas-de-deux-Parodie einen genialen Schlusspunkt unter eine Ausnahme-Vorstellung. Nichts als Jubel! Brigitte Janoschka

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