weather-image
19°
Eindrucksvolles klassisch-bayerisches Konzert des Grassauer Bläserquintetts

Musik im und vor dem Streichenkircherl

In der über 800 Jahre alten Streichenkirche spielte das Grassauer Blechbläserquintett vor allem klassische Musik. Unser Bild zeigt (von links) Konrad Müller, Sebastian Krause, Johann Schmuck, Wolfgang Diem und Matthias Linke. (Foto: Wunderlich)

Ein besonderer musikalischer Leckerbissen lockte die Besucher in die kleine Kirche auf dem Streichen hoch über Schleching. Im Rahmen des Chiemgau Alm Festivals traten die Grassauer Blechbläser diesmal als Bläserquintett auf.


Seit über zwanzig Jahren kommen die Musiker in die St.-Servatius-Kirche, berichtete Barbara Reichenbach als Organisatorin. Einen furiosen Auftakt gaben Matthias Linke, Konrad Müller (Trompete, Flügelhorn und Piccolo), Sebastian Krause (Waldhorn), Wolfgang Diem (Tenorposaune) und Johann Schmuck (Bassposaune) mit der Oper Dardanus, einer klassischen Liebestragödie von Jean-Philippe Rameau (1683 bis 1764), in der ein Ungeheuer besiegt werden musste, damit am Ende die Liebe siegt.

Als »Komponist der Superlative« kündigte Moderator Johann Schmuck Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) an, im Eiltempo zählte er die unzähligen Werke des Komponisten auf, schloss mit der Zahl seiner Kinder – nämlich 20 – ab und der Frage, wie Bach das in einem Leben schaffen konnte. Zu Gehör gebracht wurde das zweite Stück aus der Englischen Suite.

Das Grassauer Bläserquintett lässt die Töne sehr gekonnt in dem altehrwürdigen Gemäuer der über 800 Jahre alten Streichenkirche schwingen, die auch schon zu Lebzeiten der Komponisten an diesem Platz stand. Generationen haben die klassische Musik und die historische Baukunst gepflegt und weitergetragen, es könnte in unserer schnelllebigen Zeit der Schlüssel zur Besinnung auf die wahren Werte sein.

»Der nächste Komponist ist mit einem Kapitalverbrechen in die Musikgeschichte eingegangen« berichtete Johann Schmuck. Carlo Gesualdo (1533 bis 1613), italienischer Fürst und Komponist brachte Frau und Kinder um, die späte Reue ließ sich in dem Madrigal »Moro lasso al mio Duolo« gut hören. Nach dem eher düsteren Stück wurden zur Aufmunterung zwei festliche Menuette von Franz Schubert (1797 bis 1828) und von Frédéric Chopin (1810 bis 1849) »Four Pieces« gespielt. Einen fröhlichen Abschluss in der Kirche bot »Four Swiss Tunes« von Elgar Howarth (1935 bis 2014).

Der Leitgedanke des Konzerts lautete »Klassisch – Bayrisch«, der erste Teil war nun absolviert und jetzt wurde es »bayerisch« mit dem Komponisten Hans Kröll und seinem Stück »A kloans Gsatzl«, das im Quartett draußen vor der Kirche gespielt wurde. Mit dem imposanten Kaisergebirge im Rücken klang die Tiroler Volksweise »Und steig’ ma aufi aufs Bergele« sehr passend, mit den Alphörnern gab es den wunderbaren Abschluss mit dem Stück »Jägers Abschied«. Die vielen Zuhörer genossen sichtlich auch vor der Kirche den Abend, der noch gekrönt wurde, mit in der Ferne verhallenden Tönen. Einen schönen Ausklang fanden die Gäste im Berggasthof Streichen, wo man gemütlich bei Speis und Trank beieinander saß und das eindrucksvolle Konzert gedanklich nachklingen ließ. Sybilla Wunderlich