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Musik, die ihrer Zeit oft voraus war

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Thomas Gould, Andrei Ionita, Razvan Popovici, Davide Vittore und Bernhard Hedenborg spielten das Streichquintett in d-Moll von Mozart. (Foto: Barbara Heigl)

Der Komponist Wolfgang Amadeus Mozart hat einmal über seinen großen Vorgänger Johann Sebastian Bach gesagt: »Das ist doch einmal etwas, aus dem sich etwas lernen lässt.« Man könnte den Satz ergänzend fortsetzen: »... um daraus musikalisch eine neue Sprache aufgrund meines Ideenreichtums zu formen.« Damit wäre das Konzertmotto »Inventionen: Bach & Mozart« des siebten Konzerts des Chiemgauer Musikfrühlings, das im k1 in Traunreut in intimem Rahmen stattfand, schon hinreichend erklärt.


Denn beide Komponisten sind bekannt dafür, dass sie ihrer Zeit voraus waren aufgrund ihres Ideenreichtums und der neuartigen Musik, die sie daraus entwarfen. Sie hatten aber auch Beide nicht immer den gewünschten Erfolg beim damaligen Publikum, das lieber Gewohntes hören wollte.

Das Publikum im k1 aber war restlos begeistert und für manch einen Zuhörer war auch das eine oder andere Stück, weil selten gespielt, etwas Neues. Die Violoncello Suite Nr. 6 in D-Dur von J. S. Bach gehört aber zu den bekannteren Werken des Abends, weil die Suite ein hohes Virtuosentum erfordert, mit dem sich ein Musiker auf das Beste vor einem anspruchsvollen Publikum präsentieren kann.

Dem erst 22-jährigen Cellisten Andrei Ionita trieben die sieben Sätze regelrecht den Schweiß auf die Stirn – denn die Suite ist auch körperlich eine große Herausforderung – und dem Publikum ungläubiges, freudiges Staunen in die Gesichtszüge. Mehr Bach geht nicht, das war die pure Wiedergabe einer Essenz. Verblüffendes an Wendungen und musikalischen Ideen am Flügel gaben Diana Ketler und Christian Ihle Hadland vierhändig zum Besten; eine vergnügliche, leicht diabolisch angehauchte flotte Reise durch Mozarts geistige Welt.

Einen ganz anderen Mozart, schroff, kühn und relativ kurz, ohne die gewohnten Umspielungen und den üblichen Variantenreichtum, stellten Razvan Popovici (Viola) Thomas Gould (Violine), Bernhard Hedenborg (Cello), Andrei Ionita (Cello) und Davide Vittore (Kontrabass) dem Publikum vor. Sonst wird das Werk »Adagio und Fuge in c-Moll« eher im Quartett aufgeführt, hier hörte man es nicht in der Besetzung mit zwei Geigen, sondern mit zwei Cellos und einem Kontrabass, was den düsteren Charakter des Stückes schon zu Beginn enorm verstärkte. Nach einer kurzen Pause folgten Thomas Gould und Razvan Popovicis Darbietung der »Sechs Inventionen für Violine und Viola« nach den »Zweistimmigen Inventionen« von J. S. Bach und die waren ein echter musikalischer Leckerbissen, dessen Geschmack Lust auf immer noch mehr Bach machte.

Der Schluss des Konzerts war aber Mozart gewidmet, dessen Klavierquartett in g-Moll präsentiert wurde. Die Musiker spielten sich in ein rauschhaftes Vergnügen hinein, das in dem dritten Satz »Rondo. Allegro moderato« seinen Höhepunkt erreichte, bei dem das Publikum trunken vor Glück gemeinsam mit den Musikern in einen wahren Freudentaumel verfiel. Keine Zugabe. Was hätte man aber auch auf so einen Höhepunkt noch spielen sollen. Barbara Heigl