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Musik, die Berge versetzt und Heimat schafft

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Unser Bild zeigt von links Heidi Pixner, Manuel Randi, Herbert Pixner und Werner Unterlercher. (Foto: M. Heel)

Nicht nur der Glaube, auch Dynamit kann bekanntlich Berge versetzen. Und manchmal schafft es sogar die Musik, dass die Dinge ins Rutschen geraten, dass wir uns neu einrichten müssen. Mich zum Beispiel hat die traditionelle Volksmusik nie interessiert oder gar berührt. War einfach nicht mein Sound.


Das hat sich erst geändert, als Mitte der 90er Jahre Hubert von Goisern auf der Bildfläche erschien und mit seiner Mischung aus Rock, Pop und alpenländischen Klängen für Furore sorgte. Eine Wendung, die eine Vielzahl von Musikern auf den Plan rief und innerhalb weniger Jahre eine »neue Volksmusik« etablierte, mit der ich mich plötzlich identifizieren konnte. Die ein ganz neues Heimatgefühl in mir weckte, fernab jeder künstlich erhaltenen Tradition und zwanghafter Modernisierung.

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Dazu zählt auch die Musik des 1975 in Meran (Südtirol) geborenen Komponisten und Multiinstrumentalisten Herbert Pixner, der jetzt dreimal hintereinander vor ausverkauftem Haus in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS gastierte, so virtuos wie engagiert begleitet von Manuel Randi an der Gitarre, Werner Unterlercher am Kontrabass und seiner Schwester Heidi an der Tiroler Volksharfe. Feine, handgemachte Musik zwischen Tradition und Moderne, experimentierfreudig, weltoffen und technisch derart versiert, dass man nur staunen konnte. Einfach klasse, wie cool da plötzlich ein Landler oder Zwiefacher klang, wie heimisch ein improvisierter Bossa Nova oder eine alte Jazz-Nummer von Eroll Garner, oder gar ein Stück aus dem Senegal. Ja, sogar eine waschechte Rockballade stand auf dem Programm, auch wenn sie dafür nicht unbedingt die Idealbesetzung wären, wie Herbert Pixner anmerkte. Und dass sie auch den (Alpen)Blues beherrschen, bewiesen sie, mit Manuel Randi voran an der E-Gitarre, mit Wucht und Passion.

Apropos Blues: Da verriet uns Herbert Pixner, der 2011 bei dem Theaterstück »Stirb langsam, Brandner« von Dietmar Gamper mitgewirkt hatte, was dem Bluesmusiker Brandner passiert war, der einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatte. Solange mindestens zwei Personen seinem Spiel zuhören, würde er ewig leben. Bis den Brandner eines Tages eine Frau bat: »Spiel’s noch einmal, nur für mich allein.« Und der Brandner hat’s gespielt. Aber nicht nur die Musik begeisterte, auch die Moderation von Herbert Pixner ließ keine Wünsche offen. So steuerte er mit Witz und Charme zu fast jedem Titel ein paar erklärende Worte bei und erzählte zwischendurch noch die Sage von den drei Almhirten, die sich eines Abends im Absinthrausch aus einem Besenstiel und ein paar Lumpen eine Puppe basteln, um mit ihr unzüchtige Dinge zu treiben. Und die nicht schlecht staunen, als sich die Puppe am nächsten Morgen in eine hübsche, junge Frau verwandelt hat, die ihnen weiterhin recht viel Freude bereitet. Bis sie den Fehler begehen, die Frau beim Almabtrieb eingesperrt in ihrer Hütte zurückzulassen. Ein tödlicher Fehler, wie sich herausstellen sollte. Wolfgang Schweiger

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