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Murray feiert bei US Open ersten Grand-Slam-Titel

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US-Open-Sieger Andy Murray ging nach dem verwandelten Matchball in die Knie. Foto: Larry W. Smith Foto: dpa
Siegerkuss
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Andy Murray hat im Finale der US Open Novak Djokovic in fünf Sätzen bezwungen. Foto: John G. Mabanglo Foto: dpa
Siegerehrung
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US-Open-Sieger Andy Murray (r) und Novak Djokovic bei der Siegerehrung. Foto: John G. Mabanglo Foto: dpa
Fotoshooting
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Andy Murray und Novak Djokovic beim Fotoshooting. Foto: Andrew Gombert Foto: dpa
Respekt
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Titelverteidiger Novak Djokovic (r) gratuliert Andy Murray zum US-Open-Sieg. Foto: Jason Szenes Foto: dpa
Verpasst
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Novak Djokovic konnte den Titel bei den US Open nicht verteidigen. Foto: Jason Szenes Foto: dpa

New York (dpa) - Als sich Andy Murray endlich in die Tennis-Geschichtsbücher eingeschrieben hatte, ging er kurz in die Knie und schlug ungläubig die Hände vor den Mund.


Er jubelte nicht, er tanzte nicht über den Court und riss noch nicht einmal die Arme in den New Yorker Nachthimmel. Der neue US-Open-Champion ließ einfach nur erschöpft und erleichtert den Schläger zu Boden sinken.

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Auf der Tribüne des elektrisierten Arthur Ashe Stadiums sprangen Mutter, Freundin und die Edelfans Sean Connery und Alex Ferguson in die Höhe. Der entthronte Titelverteidiger Novak Djokovic schritt über den halben Platz auf die andere Seite des Netzes, um seinen Gegner innig zu umarmen. Nur Murrays Trainer Ivan Lendl stand mit verschränkten Armen da und blickte grimmig auf den Center Court.

Dabei war dort dem 25 Jahre alten Schotten aus dem kleinen Örtchen Dunblane in den fast fünf Stunden zuvor ein kleiner Beitrag zur Sporthistorie seines Landes und ein großer persönlicher Akt der Befreiung und Genugtuung gelungen. Im fünften Final-Anlauf feierte Murray endlich seinen ersten Grand-Slam-Titel.

»Ich glaube, das war fast ein Lächeln«, sagte Murray bei der Siegerzeremonie, als auf der Videoleinwand Lendl zu sehen war und dessen Schützling gefragt wurde: »Kannst du mal ein bisschen über den Typen sprechen, den du Anfang des Jahres engagiert hast?«.

Nach 4:54 Stunden hatte Murray den Weltranglisten-Zweiten Djokovic vor 23 000 Zuschauern im größten Tennisstadion der Welt mit 7:6 (12:10), 7:5, 2:6, 3:6, 6:2 niedergekämpft. Es war zusammen mit dem Match von 1988 zwischen Mats Wilander und Lendl das längste Finale in der US-Open-Geschichte.

»Glückwunsch an Andy zu seinem ersten Grand-Slam-Titel. Er hat es absolut verdient«, sagte der nur sieben Tage jüngere Djokovic, dessen Aufholjagd nach 0:2-Satzrückstand nicht belohnt wurde. Stattdessen krönte sich der schnoddrige Schotte mit dem Krausel-Haar an diesem Montagabend zum ersten britischen Grand-Slam-Sieger seit Fred Perry im Jahr 1936.

»Als ich zum Matchgewinn aufgeschlagen habe, hab ich gespürt, was für ein großer Moment das in der britischen Tennis-Geschichte ist«, gab Murray zu. »Wie oft wurde ich gefragt: Wann gewinnst du einen Grand Slam? Ich bin stolz, es endlich getan zu haben. Und, ja, jetzt muss mir diese doofe Frage nicht mehr gestellt werden.«

In der Kabine floss zwar Champagner und Murrays Trainer Lendl platzte innerlich vor Stolz, doch nach außen präsentierte sich der neue Weltranglisten-Dritte so, als müsse er gerade ein Erstrunden-Aus gegen einen Qualifikanten aus Usbekistan kommentieren. Vor ihm stand die silberne Henkeltrophäe - und Murray spielte an seiner Uhr, knackte mit den Fingern oder kratzte sich gelangweilt die Schulter.

Sieht so ein Champion aus, der gerade eines der größten Ziele, die ihm sein Sport bietet, erreicht hat? Der einen fantastischen Sommer mit Olympia-Gold und US-Open-Krone abgeschlossen hat? Der mit seinem zweiten großen Titel endgültig die Zweifler verstummen lässt? »Erleichterung ist wahrscheinlich das beste Wort, um meine Gefühle zu umschreiben«, sagte Murray und entschuldigte sich fast schon in der finalen Fragerunde: »Ich freue mich innerlich sehr. Es tut mir leid, wenn ich das nicht so zeige, wie ihr es gerne hättet.«

Bis zu diesem denkwürdigen Montagabend im New Yorker Stadtteil Queens hatte er stets Fragen zu Final-Niederlagen in den wichtigsten Turnieren beantworten müssen. In den vergangenen siebeneinhalb Jahren spielten in 29 von 30 Fällen Roger Federer, Rafael Nadal und Djokovic die Titel bei den großen Festspielen unter sich aus. Nun hat sich neben dem Zufalls-US-Open-Sieger von 2009, Juan Martin del Potro, auch Murray in die Liste der Besten der Besten eingetragen.

Und im stillen Moment des Sieges wagte er sich dann doch noch aus der Defensive. »Die drei haben in den letzten Jahren Unglaubliches geleistet. Es war schwer, da ranzukommen«, sagte Murray. »Aber natürlich will ich versuchen, die Nummer eins zu werden.«

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