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Mütter, Männer und Mimosen

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Rosi Spielberger singt in schönster bayerischer Liedermachertradition mit viel Humor und Wortwitz. (Foto: Heel)

Geschichten aus ihrem Leben, »meist wahr, nur manchmal etwas übertrieben«, präsentierte die Liedermacherin Roswitha Spielberger alias »de Stianghausratschn« bei ihrem Auftritt in der sehr gut besuchten Traunsteiner Kulturfabrik NUTS.


Damit wir diese Geschichten auch alle verstehen, gab sie eingangs einen musikalischen Bairisch-Kurs, bevor sie im Publikum nach einem Pärchen suchte, »das sich nicht mehr so gerne mag.« Den beiden »Auserwählten« sang sie dann alle möglichen Schimpfwörter vor, die man sich im Verlauf einer Beziehung möglicherweise an den Kopf wirft, und versprach ihnen nach der Vorstellung eine CD als Entschädigung.

Auch später band sie das Publikum immer wieder mit ein, etwa zum Refrainsingen, doch erstmal ging es weiter mit dem Lied von der rosa Vas’n mit Blümchen drauf, die als unbeliebtes Geschenk durch den Bekanntenkreis wandert, bis das »nummerierte Einzelstück aus echtem Meißner Porzellan« im Müll landet. Oder mit dem Lied vom Ehemann, der als Rentner plötzlich alles besser weiß und kann und -frau sich fragt, wie sie 40 Jahre lang ohne diese »Hilfe« den Haushalt bewältigen konnte. Geschichten aus dem Leben eben, die jeder kennt, so akkurat wie witzig auf den Punkt gebracht. Nur von einer typischen Stianghausratschn, die von Klatsch, Tratsch und der Lust am »Leit ausrichten« lebt, war hierbei kaum etwas zu spüren. Kein großes Manko, auch wenn ihr der Sketch mit ihren zwei Handpuppen, der Frau Gscheit und der Frau Haferl, die über eine Nachbarin mit undurchsichtigem Lebenswandel herziehen, schön bissig geriet.

Stattdessen entpuppte sich die aus Aßling im Landkreis Ebersberg kommende Künstlerin als liebenswerte, bayerische Liedermacherin, die, unterlegt mit flottem Gitarrenspiel, wirklich viel zu erzählen hatte. Vorzugsweise von ihrer Familie, von ihrem ältesten, (fast) erwachsenen Sohn etwa, der so gern megacool wäre und seiner Mutter schon mal rät: »Chill amoi, Mama«, dargebracht als spritziger Bayern-Reggae. Sehr amüsant und von hohem Wiedererkennungswert war auch ihr Lied vom Baumarkt, wohin sie ihren Mann begleitet hatte, nichtahnend, dass der werte Gatte die Absicht hatte, den halben Laden leer zu kaufen. Und wer kennt nicht das Problem, dass der Partner zum Schnarchen neigt und, darauf angesprochen, meint: »Sei froh, dass ich no schnauf«. Dass sie ihren Mann dennoch über alles liebt, ging aus einem weiteren Lied hervor, der zärtlichen Liebeserklärung: »Mia kearn zam, a Leben lang«.

Nicht zuletzt deswegen, weil sie durch ihre Familie zu ihrer Tätigkeit als Musik-Kabarettistin gekommen ist. Geboren und aufgewachsen in München, interessierte sie sich zwar bereits als Kind für Gedichte und vor allem für Eugen Roth, aber erst als Erwachsene schrieb sie selbst Gedichte und auch Gstanzl für alle möglichen Anlässe. Bis sie eines Tages, ihre drei Kinder fingen langsam an, selbstständig zu werden, ihr erstes Lied in bayerischer Mundart verfasste: »Da Depp da Nation«. Mit dem Ergebnis, dass sich ihre Familie »krumm und bucklad« lachte und sie zum Weitermachen verdonnerte.

Nun steht sie seit einigen Jahren auf der Bühne, hat bereits etliche Preise eingeheimst, und dem begeistert aufgenommenen Auftritt im NUTS nach zu urteilen dürfte noch viel von ihr zu erwarten sein. Zumal sie auch andere Themen in glänzende Unterhaltung zu verpacken weiß, wie ihr Lied »Schickimicki Bussi, Bussi, jeden Tag a andere Tussi« über das Gehabe der »Hot Wollee« bewies, über Menschen, die scheinbar alles haben und letzten Endes doch niemanden, mit dem sie wirklich reden können. Außer ihrem Psychiater, versteht sich. Wolfgang Schweiger