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2. Konzert der Mozartwoche widmet sich der genialen Kompositionskunst beider Zeitgenossen

Mozart und Salieri – musikalische Genies und Rivalen

Mit den Overtüren »La loncandiera« und »Cublai gran kan’ de Tartari« von Antonio Salieri (1750-1825), dem »Konzert für Violine und Orchester D-Dur KV 211« und der Sinfonie Nr. 36 C-Dur KV 425 »Linzer« von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) brachte die Bad Reichenhaller Philharmonie bei ihrem zweiten Konzert der diesjährigen Mozartwoche außergewöhnliche Werke der beiden grandiosen Komponisten ihrer Zeit zur Aufführung.

Der Solist Markus Tomasi (links) und Dirigent Christoph Adt. (Foto: Bauregger)

Der Dirigent der Bad Reichenhaller Philharmonie, Christoph Adt, erläuterte zu Beginn des Konzertabends, dass Salieri wohl zu Unrecht als der große Widersacher Mozarts gelte, aber wohl zu Lebzeiten der Berühmtere gewesen sei. Benachteiligt fühlte sich Mozart vielleicht auch wegen eines Opern-Kompositionswettbewerbes 1785/1786, bei dem er sich an die Vorgabe von 20 Minuten Gesamtlänge gehalten habe, während Salieri eine Kurz-Oper mit 40-minütiger Länge komponiert habe, die auch erfolgreicher war. Der künstlerische Durchbruch gelang Salieri mit der Oper »Les Danaïdes« die am 26. April 1784 in der Opéra de Paris uraufgeführt wurde.

Mit »La loncandiera« eröffnete das Orchester den Konzertabend. Das Stück widmete Salieri, laut Christoph Adt, »dem schöneren Geschlecht«. Die Overtüre, dreisätzig mit Allegro assai, Andantino und Presto notiert, beginnt mit einem Hornsolo und einem feinen Streichereingang. Eine besondere Klangfarbe erhält der Vortrag durch den Einsatz eines Cembalos. Interessant erklingen besonders im ersten Satz dynamische Kontraste, die durch filigrane und voluminöse Akzente verstärkt werden. Nach einem langsam-bedächtigen Andantino endet das Werk in flotten, schnellen Bewegungen des Presto, wobei insgesamt der Funke nicht so recht auf das Publikum überspringen mochte.

Vielleicht lag das auch daran, dass der Konzertsaal im Kurgastzentrum nur etwa halb gefüllt war. Für das folgende »Konzert für Violine und Orchester D-Dur KV 211« hatte sich das Orchester den Geiger Markus Tomasi als Solist auf die Bühne geholt. Seit 1983 ist er Erster Konzertmeister des Mozarteumorchesters Salzburg, wirkte aber auch in verschiedenen ausländischen Orchestern als Konzertmeister, Gastkonzertmeister oder als Solist.

Den ersten Satz des Konzertes Allegro Moderato begann das Orchester gemeinsam mit dem Solisten, der sich im Verlauf des Vortrages mit Triolenläufen, Doppeltönen, Tonsprüngen, feinen Trillern, ausgedehnten Cadenzen oder lang gezogenen Melodiesequenzen markant vom Gesamtklangkörper abzusetzen wusste, insgesamt aber sehr homogen dort eingebettet war. Dafür sorgte auch der Dirigent Christoph Adt, der den Klangkörper und den Solisten sehr aufmerksam, engagiert und impulsiv führte. Gemeinsame Soli mit der ersten Geigerin im Andante oder gemeinsam mit der Oboe im letzten Satz Rondeau Allegro skizzierten markante Höhepunkte. Insgesamt wirkte der Solist in der Körpersprache allerdings phasenweise ein wenig steif und in Nuancen unkonzentriert. Mit kräftigem Applaus verabschiedete das Publikum ihn und das Orchester in die Pause.

Den zweiten Teil des Programms begann das Orchester mit der Overtüre »Cublai gran kan’ de Tartari« von Antonio Saleri in Allegro. Dafür wurde der Klangkörper um weitere Blechbläser und Pauken erweitert, die auch im bewegten Eingang eine gewichtige Rolle spielten. Einen weiteren tragenden Part spielte ein weiteres Mal das Cembalo, welches einen markanten Gegenpol zu den Streichern fixierte oder sich gekonnt in Nebensoli behauptete.

Mit der Sinfonie Nr. 36 C-Dur KV 425 »Linzer« von Wolfgang Amadeus Mozart schaffte es das Philharmonische Orchester dann doch noch, den Begeisterungsfunken auf die Zuhörer überspringen zu lassen. In nur vier Tagen schrieb Mozart, ganz unter dem Einfluss Josef Haydns, im Oktober 1783 die »Linzer« Sinfonie, mit der ihm ein grandioser Wurf gelang. Die »Linzer« ist Mozarts erste Sinfonie, die mit einer majestätischen langsamen Einleitung beginnt. Danach balanciert Mozart am musikalischen Abgrund, taucht in finsteren Gräben ein, um sich mit einem Schlag wieder daraus zu befreien. Der zweite Satz Pocco Adagio vereinigt die klingenden Attribute einer heilen Welt und vermittelt so ländliche Idylle. Doch auch hier gibt es bedrohliche harmonische Eintrübungen.

Das Finale der Linzer Sinfonie ist weit mehr als ein leichtgewichtiger Rausschmeißer. Auch dieser Satz enthält eine »staunenswerte Skala von Empfindungen« und große kontrapunktische Kunstfertigkeiten, endend in einem triumphalen Finale. Mit tosenden Applaus dankte das Publikum dem Orchester und dem Dirigenten Christoph Adt für diesen »frühlingshaft aufheiternden« und beschwingten Schlusspunkt. Werner Bauregger