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Abschlusskonzert der Bad Reichenhaller Mozartwoche entführt in die Salons des 18. Jahrhunderts

»Mozart der Tänzer« in bezauberndem Tanzkonzert

»Mozart der Tänzer«, hieß die schlichte Aufforderung zu einem zauberhaften Tanzabend, den die Bad Reichenhaller Philharmonie zum Abschluss ihrer Mozartwoche elegant servierte.

Die leichtfüßige Vierergruppe tanzt Menuett. (Foto: Aumiller)

Das Ensemble für historischen Tanz »Musica et Saltatoria Salzburg« unter der Leitung von Natalie Gal war aus Salzburg herübergekommen und zeigte in historischen Kostümen diverse Formen höfischen und bürgerlichen Gesellschaftstanzes zu den beschwingten und facettenreichen Tanzmusiken von Michael Haydn und Wolfgang Amadé Mozart. Die Reise der klingenden Köstlichkeiten führte von Salzburg über Paris und Wien nach Prag.

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Im informativen Einführungsvortrag und der Moderation von Dr. Irene Brandenburg erläuterten wissenswerte Details die anmutigen tänzerischen Darbietungen. Das Tanzensemble widmet sich der Rekonstruktion und Aufführungspraxis von Musik und Tanz des 15. bis 19. Jahrhunderts in Zusammenhang mit dem Institut für Musik- und Tanzwissenschaft der Universität Salzburg. Das Tanzen sei früher ein gehobenes Mittel zur gesellschaftlichen Kommunikation gewesen. Mozart selbst habe eine solide tänzerische Ausbildung genossen, um berufliche und private Kontakte pflegen zu können.

Die Tanzkultur des 18. Jahrhunderts sah den Tanz als wichtiges Mittel für soziales Miteinander, als gesellschaftliches »Netzwerk« sozusagen. Ein professioneller Tanzmeister war für die Ausbildung zuständig, der korrektes Auftreten bei Hof unterwies, ebenso den Umgang mit Degen und Fächer. Daher rührt auch der Name Tanzmeisterhaus für Mozarts Salzburger Wohnhaus. Redouten mit Maskenbällen waren gesellschaftliche Höhepunkte. Dies alles und noch mehr brachte die Musik- und Tanzwissenschaftlerin der Universität Salzburg, Irene Brandenburg, in Ergänzung zu den Darbietungen den Zuschauern nahe.

Man fühlte sich in die Salons der galanten Gesellschaft zurückversetzt, als jetzt die Tänzer verschiedene Formen des Menuetts, von Kontretänzen und »Deutschen Tänze« in eleganter Beweglichkeit im Einklang mit der Musik vorführten. Das Menuett galt als »Königin der Tänze«, der »Deutsche Tanz« als Vorläufer des Walzers. Mozart selbst habe bei seinen vielfältigen Tanzkompositionen konkrete Tanzanweisungen für Soli und Tutti notiert. Es war ein heiteres »sinnliches Erleben« für Auge und Ohr, das sich dem animierten Publikum darbot.

Im Hintergrund spielte die Philharmonie unter Leitung von Christian Simonis mit instrumentalem Glänzen von Streichern und aufblitzenden Bläsern federleichte bis einschlägige Tanzweisen. Zwei bis sechs Paare setzten dazu im Bühnenvordergrund kunstvoll leichtfüßige Schrittkombinationen in variierten Formen mit Partnertausch und Wechselfiguren zu Kontretänzen, Menuetten und Deutschen Tänzen von Mozart und Michael Haydn. Aufmerksamkeit heischender Einsatz von Becken und anderen Schlagwerksvarianten und »Türkenkolorit« gesellte sich dazu bei der Ouvertüre zur komischen Oper »Die Pilger von Mekka« von Christoph Willibald Gluck. Zu abschließendem Höhepunkt und einer Art Resümee gerieten die drei sich höchst kunstvoll überlagernden Tanzmusiken von Menuett, Kontretanz und Deutscher Tanz im ersten Finale der in Prag uraufgeführten Mozart-Oper »Don Giovanni«.

Warmer, begeisterter Applaus für eine glänzende Idee zur Variante der traditionellen Mozartwoche. Diejenigen, die nicht gekommen waren, haben einen ebenso unterhaltsamen wie bereichernden Musik- und Tanzabend verpasst. Elisabeth Aumiller