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Hochkarätige Musiker im Rahmen der Ausstellung »guilty or not guilty« zu Gast

Mitreißende Jazzmusik in der Klosterkirche

Am Saxophon spielten Udo Schindler aus München, Günther Baby Sommer, Dresden, am Schlagzeug und Marco von Orelli auf der Trompete. (Foto: Giesen)

Ein hochkarätiges Musikerlebnis fand an drei Abenden im Rahmen der Ausstellung »guilty or not guilty… immer wieder Tafelbilder« in der Klosterkirche in Traunstein statt. Mit unglaublich viel Arbeit und großem Aufwand hatte der Künstler Manfred Feith-Umbehr mit seinen Assistenten den Kunstraum Klosterkirche in einen Raum mit Herz, Gefühl und Verstand umgestaltet.


In den Ostertagen wurde er durch sieben erstklassige Musiker aus ganz Europa auch noch beseelt. So entlockte zum Beispiel Erwin Stache aus Leipzig dem (vom Musikhaus Fackler gesponserten) Flügel Töne, die man im Russland der 1920er Jahre vermutete, vielleicht Schostakowitsch oder Rachmaninoff, aber auch eine Briefwaage, Tischbeine und vieles mehr kamen – elektronisch verfremdet – zum Einsatz.

Beim zweiten Konzert spielten Peter Madsen aus Vorarlberg und New York, mit Pingu-in Moschner aus Köln, Daniel Guggenheim, Frankfurt und dem fast 74-jährigen Günther Baby Sommer aus Dresden. Vier Musiker, die noch nie zusammen gespielt hatten, aber es hörte sich an, als hätten sie vorher noch nie etwas anderes getan. Allen voran faszinierte Sommer durch sein riesiges Spektrum an Tempi, durch Kraft und Vitalität. Pinguin Moschner an Tuba und Alphorn – mit Elektronik verstärkt – stand ihm in nichts nach. Peter Madsen hielt durch sein wohltemperiertes Klavierspiel alles zusammen und Daniel Guggenheim am Saxophon spielte weiträumige Soli und nahm die Zuhörer auch mal auf einen Kurztrip ins Nordeuropäische mit, indem er Klänge wie Fjorde aneinander reihte.

Durch die Programme führte jeweils Manfred Feith-Umbehr, der in der Pause auch manchmal seine Qualitäten als Lyriker unter Beweis stellte. Seine grammatikalisch einfachen, aber inhaltlich umso komplizierteren Texte passten phänomenal gut zur Ausstellung wie auch zur gebotenen Musik. Ein weiteres Konzert vereinte die großartigen Musiker Udo Schindler aus München mit der Bassklarinette und Marco von Orelli auf Miniposaune und Trompete, wieder strukturiert am Schlagzeug durch den genialen Günther Baby Sommer, der auch hin und wieder durch tänzerisch humoristische Einlagen begeisterte. Von Abend zu Abend kamen immer mehr Zuhörer in die Klosterkirche – wahrscheinlich, weil sich das für Traunstein so außergewöhnliche Musikereignis herum gesprochen hatte. Insgesamt fanden sich knapp 200 Zuhörer zu den Konzerten ein, die auch dank des besonderen Musikerlebnisses weder mit Applaus noch mit freiwilligen Spenden sparten. Im übrigen war an der langen Tafel immer genug zu essen und zu trinken für alle vorhanden. Am letzten Abend kam ein furioses Tutti mit allen beteiligten Musikern im Finale zusammen, das am Ende mit der gerade beginnenden Sommerzeit von »Summertime« nach Gershwin gekrönt wurde.

Die sehenswerte Ausstellung von Manfred Feith-Umbehr ist noch bis einschließlich kommenden Sonntag, 3. April, täglich von 11 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr geöffnet. Finissage ist am Sonntag um 17 Uhr. Christiane Giesen