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Mit Wort und Bild für die Alpen streiten

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Toni Kallsperger (links) will mit seinen Bildern auf die Gefährdung der Alpen aufmerksam machen; Willi Schwenkmeier stand ihm bei der Vernissage mit kräftigen Worten bei. (Foto: Helmberger)

»Die Natur kennt keine Probleme, nur Lösungen.« Dieser Satz stammt von dem Umweltphilosophen Carl Amery, und er hat natürlich Recht. Denn bei den Bemühungen vieler Naturfreunde um den Erhalt der Alpen als Lebensraum für uns Menschen wirken sich Veränderungen, wie wir sie jetzt durch den Klimawandel, aber auch die ungehemmte Erschließung erleben, fatal aus, während die Natur seit dem Entstehen der Erde oft noch weitaus tiefgreifenderen Veränderungen ausgesetzt war als heute – allerdings ohne Einwirkungen auf Menschen.


Dass wir mit der Natur in den Alpen, wie wir sie kennen und lieben gelernt haben, sorgsam umgehen müssen, das ist der tiefere Sinn einer Ausstellung von Toni Kallsperger, die derzeit in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS zu sehen ist. Der frühere Kunsterzieher an der Realschule in Prien und Ausbildungsleiter der Alpenvereinssektion Traunstein, Bergführer und Musiker ist ein vielseitiger Mensch, und welche Qualität seine Bilder und Collagen haben, davon kann man sich jetzt in der »Kulturfabrik« an der Crailsheimstraße überzeugen. Toni Kallsperger geht es dabei weniger darum, dass seine Werke bewundert werden. Er will mit ihnen auf die Gefährdung durch Erschließung und Klimawandel hinweisen, an denen ja der Mensch den Hauptteil der Schuld trägt.

Darauf hat bei der Vernissage auch Willi Schwenkmeier aufmerksam gemacht. Mit dem Hinweis auf die immer schon vorhandene Veränderung des Bildes der Berge, die beispielsweise im Siegsdorfer Naturkundemuseum zu sehen ist, geht er auf diese vom Menschen unabhängigen Veränderungen ein. Doch den gegenwärtigen Klimawandel habe nicht die Zeit verursacht, sondern »er ist eine Folge unseres menschlichen Verhaltens«. Diese Veränderungen sind auf den Werken von Toni Kallsperger deutlich zu sehen. So stellt er Gletscherbilder von früher und heute gegenüber und dokumentiert in diesen die für uns Menschen drastischen Auswirkungen des Klimawandels.

Schwenkmeier erinnerte an die rasante Zunahme des Skisports und die steigende Gefahr von Lawinen, wie wir es in diesen Tagen drastisch erleben, und weist darauf hin, dass Toni Kallspergers »wunderbare Kunstwerke« in dieser Ausstellung »nicht nur das Schöne darstellen und uns vermitteln, sie soll uns auch zum Nachdenken anregen«. Wir sollten »auch das weniger Schöne, das sogenannte Un-Ästhetische kritisch ansehen, hinterfragen und beurteilen«.

Riedberger Horn – und was folgt?

Willi Schwenkmeier kritisierte in diesem Zusammenhang auch den Landesentwicklungsplan der Bayerischen Staatsregierung, den er eher als einen »Landschaftsvernichtungsplan« ansieht, der »die Freigabe eines streng geschützten Naturschutzgebietes in den Allgäuer Alpen zur Lifterschließung am Riedberger Horn« möglich gemacht habe. Und er sieht damit die Gefahr einer weiteren Erschließungswut, die vielleicht auch das Sonntagshorn erfasst, das ja schon seit Jahrzehnten im Visier der Erschließer steht.

In seinen Bildern thematisiert Toni Kallsperger diese Gefahren: Bilder und Collagen von Erschließungswut mit Schneekanonen, »platt gebügelten Hängen«. »Weg mit den Latschen und den in ihnen wohnenden Tieren, trotz FFH-Schutzgebiet, trotz Gesetz der Saalforste, dem ältesten Bayerischen Staatsvertrag«. Die Bewahrung unserer Berglandschaft, auf dass der derzeit noch einseitig ökonomisch ausgerichtete Zeitenwandel vor ihr Halt mache und die Berge auch als Herausforderung für die Bergliebhaber bestehen bleiben, so wie sie sind und nicht irgendwelche Menschen glauben, sie machen zu müssen.

Dazu wolle Toni Kallsperger mit seiner Ausstellung anregen: einerseits die Schönheit der Berge und damit die sportliche Herausforderung, andererseits die Gefährdung dieser einzigartigen Landschaften, wobei diese Gefährdung durch nichts zu rechtfertigen sei. Überflüssig zu sagen, dass die Werke von Toni Kallsperger, die noch bis Ende Februar (Mittwoch bis Freitag, 14 bis 18 Uhr) im NUTS zu sehen sind, auch künstlerisch hohen Anforderungen genügen. Und an den Künstler gewandt, schloss Schwenkmeier seine Ansprache mit den Worten: »Danke, Toni, für deine Kunst, für all das Schöne und damit verbunden die Anregungen, dieses Schöne nicht nur als solches zu sehen, sondern es auch zu bewahren.«

Vortrag am 30. Januar im NUTS

Toni Kallsperger hatte bereits bei der Vernissage einen Vortrag zu seinen Bildern und zum Thema »Natur bewahren« gehalten. Er wird ihn nun am Dienstag, 30. Januar, um 19.30 Uhr im NUTS wiederholen. Eine gute Gelegenheit, sich mit dem fragilen Gleichgewicht der Natur in den Alpen auseinanderzusetzen – und womöglich auch Schlüsse daraus zu ziehen. Hans Helmberger