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Mit Witz und Tücke in die Falle gelockt

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Die Schlussszene der Aufführung im NUTS mit Dr. Christoph Jung als gehörntem Falstaff und dem Ensemble im Wald von Windsor. (Foto: Heel)

Das Stück beginnt mit einer Anklage: Er habe »Leute verprügelt, Wild erlegt und ein Forsthaus aufgebrochen«, wirft der Friedensrichter dem nicht gerade ehrenwerten Sir John Falstaff vor, der seine Tage meist im Wirtshaus verbringt. Der feiste Raufbold gibt sich erst unbekümmert, kommt schließlich aber doch ins Grübeln. Kann es sein, dass er sein übles Spiel zu weit getrieben hat, dass es klüger wäre, sich etwas Neues einfallen zu lassen, um an Geld zu kommen?


In völliger Überschätzung seiner Wirkung auf Frauen besinnt er sich auf seine »Ritterlichkeit« und schmiedet einen Plan. Er schickt seinen Kumpan Bardolph als Schankkellner in den Ruhestand (»im Suff gezeugt, am Zapfhahn geendet«), und beauftragt seinen Burschen Langfinger, zwei ehrbaren Bürgersfrauen, Frau Page und Frau Ford, gleichlautende Liebesbriefe zu überbringen. Mit diesen Damen will er anbandeln und ihnen dann Geld aus der Tasche ziehen. Was er nicht ahnt: die zwei Frauen entdecken sein Doppelspiel und beschließen, sich an dem unverschämten Kerl zu rächen.

Vermutlich 1597 zum ersten Mal aufgeführt, zählt die turbulente Komödie »Die lustigen Weiber von Windsor« zu den meistgespielten Stücken von William Shakespeare. Geschrieben wurde sie angeblich auf ausdrücklichen Wunsch von Königin Elisabeth I., die so amüsiert über die Rolle des Falstaff in Shakespeares »Heinrich IV« war, dass sie Falstaff als Liebhaber (wieder)sehen wollte. Jetzt haben die Pampelmusen, die bereits das achte Jahr in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS auftraten, ihre Version der Komödie präsentiert, viermal in Folge und mit großem Erfolg.

Kompetent bearbeitet und spritzig inszeniert von Barbara Mende, entfaltete sich in rascher, präzise eingerichteter Szenenfolge, wie Frau Page und Frau Ford den Schwerenöter nun geschickt an der Nase herumführen, wobei sich Falstaff einmal in einem Korb unter schmutziger Wäsche verstecken muss, als Herr Ford unerwartet auftaucht. Nur dumm, dass die beiden Frauen dennoch in den Verdacht geraten, untreu geworden zu sein. Um ihren guten Ruf zu retten, beschließen sie, dass Falstaff selbst ihre Unschuld beweisen soll. Zu diesem Zweck (und auch, um ihren notorisch eifersüchtigen Ehemännern eine Lektion zu erteilen) locken sie ihn in den Wald von Windsor, wo er mit einem Hirschgeweih geziert und von verkleideten »Feen« als lächerliche Figur dem Spott preisgegeben wird.

Parallel zu diesen Verwicklungen sucht der Friedensrichter seinen etwas tumben Neffen mit Frau Pages Tochter Anne zu verbandeln, die jedoch in Lord Fenton verliebt ist, einen verarmten Adligen. So muss Anne ebenfalls zu einem Trick greifen, bevor sie Fenton heiraten kann.

Glänzend gespielt, allen voran Dr. Christoph Jung als Falstaff, Agi Hoßfeld als Frau Page und Christiane Jung als Frau Ford, überzeugten sämtliche Darsteller mit viel komödiantischem Talent und vielfältiger Mimik und Gestik. In Doppelrollen agierten dabei Gerhard Fischer (Friedensrichter/Herr Ford), Werner Hoßfeld (Bardolph/Herr Ford) und Paul Clarke (Pfarrer/Musikant), außerdem wirkten noch mit Emilia Pertuch als Langfinger, Dr. Eva Weiß als Neffe des Friedensrichters, Alexandra Werner als Anne Page, Luisa Jung als Magd im Hause Page sowie Adam Nassor als Lord Fenton.

Musikalisch untermalt wurde die Aufführung von Paul, Emily und Gemma Clarke und Barbara Mende, für das Bühnenbild und die Requisite war Dr. Christoph Jung zuständig, die Maske besorgten Dr. Eva Weiß und Christiane Jung, und für die schönen zeitgenössischen Kostüme zeichneten Christine Ruff und Barbara Mende verantwortlich. Wolfgang Schweiger