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»Mit orientalischem Charme und exotischem Flair«

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Unser Bild zeigt eine Szene der Eröffnungsveranstaltung mit Ioannis Kalyvas, Katharina Wittmann, Manuel Ried, Danae Kontora und Alexander Kiechle. (Foto: Aumiller)

Der rote Teppich war ausgelegt vor dem Bad Reichenhaller Theater im Kurgastzentrum, um die Besucher einladend zum Eröffnungskonzert der Mozartwoche zu geleiten, die heuer zum 20. Mal stattfindet. Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner richtete im Theatersaal ein Grußwort ans Auditorium und gab damit den Startschuss zum »orientalischen Charme und exotischen Flair« der Mozartoper »Die Entführung aus dem Serail«.


Nachdem Konstanze und ihr Dienerpärchen, Blonde und Pedrillo, in die Hände von Piraten gefallen waren und nun im Landhaus des mächtigen Bassa Selim weilen, versucht Belmonte, Konstanzes Verlobter, die Geliebte zu befreien und wieder in die Heimat mitzunehmen. Der Bassa hat ein Auge auf Konstanze geworfen und lässt die Fremden von Oberaufseher Osmin bewachen. Belmonte und Pedrillo arbeiten nun einen Fluchtplan aus, um ihre »Mädels« zu entführen. Aber der wütende rachsüchtige Osmin, dem der Bassa die Blonde zur Frau geschenkt hat, vereitelt den Plan. Nun sind die Flüchtenden der Ungnade des Bassa ausgeliefert. Dieser lässt am Ende jedoch, entgegen dem grollenden Unmut Osmins, Gnade walten und lässt die beiden Paare ungehindert in die Heimat segeln: »Wen man durch Wohltun nicht für sich gewinnen kann, den muss man sich vom Halse schaffen.«

Mozart hatte vom österreichischen Kaiser Josef II. den Auftrag erhalten, eine deutsche Oper zu schreiben und 1782 ging dann das mit gesprochenen Dialogen durchsetzte Singspiel in Szene. Die Titelheldin benannte Mozart nach seiner eigenen Frau Konstanze, die er kurze Zeit später ehelichte. Mozart schrieb seinen verfügbaren Sängern die Rollen in die Kehle. So musste er die Partie der Konstanze »ein wenig der geläufigen Gurgel der Mademoiselle Cavallieri aufopfern« und für Osmin den großen Stimmumfang seines Basses Ludwig Fischer bedienen. Das stellt sich für heutige Sänger oft recht fordernd dar und speziell Konstanze ist eine der gesangstechnisch anspruchvollsten Mozartpartien.

Christoph Adt hat ein Ensemble mit schönen jungen Stimmen gewählt und so wurde die musikalische Seite der Aufführung insgesamt zu einem gelungenen Auftakt des Mozartfestes. Der Theatersaal, in dem die Mozartwoche heuer erstmals stattfindet, erwies sich als vorteilhafte Spielstätte. Mit den Streichern im Graben waren die Bläser, zu beiden Seiten auf der Bühne postiert, sozusagen zu Mitspielern auf der Szene geworden, die den halbszenischen Ablauf klangschön garnierten. Das Orchester spielte mit reizvollen Farben und Schattierungen, dynamisch vielfältig, lebendig und die Sänger meist unterstützend.

Der jüngste aus der Sängercrew, der 1993 geborene Bassist Alexander Kiechle in der Rolle des Osmin, brachte die ansprechendste und ausgewogenste Leistung. Mit sicherer und gut sitzender Stimmführung, von den profunden Tiefen bis in die Höhe, konnte er sein schönes Material vorführen und zeigte sich als vielversprechende Begabung. Er war zwar eher ein sympathischer Osmin, denn ein rüder Poltergeist, aber nichtsdestoweniger ließ er neben den stimmlichen Qualitäten auch seine darstellerischen Fähigkeiten mit imponierender Bühnenpräsenz erkennen. Hier kündigt sich eine zukunftsträchtige Karriere an.

Ein weiteres stimmliches Highlight lieferte die Blonde von Danae Kontora. Die junge Griechin hat seit ihrem letzten Reichenhaller Auftritt wieder erstaunlich an stimmlicher Sicherheit und technischer Souveränität hinzugewonnen und reüssierte nicht nur als fesche Erscheinung, sondern ebenso als spielbegabte pfiffige Komödiantin. Ihr Landsmann, der griechische Tenor Ioannis Kalyvas, brauchte anfangs etwas Anlaufzeit, steigerte sich aber zusehends und zeigte einen hellen und kernigen Tenor, koloraturgewandt und zunehmend mit Ausdrucksnuancen punktend. Pedrillo Manuel Ried musste sich krankheitsbedingt ansagen lassen, bis auf ein paar Spitzentöne ließ er aber keine Einbuße spüren und war ein munterer, gewandter und flexibler Buffo.

Problembehaftet blieb die Konstanze der Katharina Wittmann. Ob man einer jungen Sängerin einen Gefallen tut, sie mit einer so schwierigen, herausragenden Rolle zu betrauen, bevor sie mehr Bühnenerfahrung und mehr stimmliche sowie musikalische Sicherheit bei weniger anspruchsvollen Aufgaben erworben hat, kann man nicht bejahen. Bei ihr schien es nur ums Überleben der geforderten Tonproduktion zu gehen, von Ausdruck ohnehin keine Spur, dazu unsaubere, nur mangelhaft bewältigte Koloraturen und zu wenig Atemkontrolle.

Auch wenn Reichenhall für Münchner Hochschulstudenten ein Übungsplatz ist, handelt es sich bei der Mozartwoche immerhin um ein lokales Festival, das diesem Charakter doch gerecht werden soll. Musikalisch war das, trotz einiger Striche, auch großteils der Fall und so wäre vielleicht eine zweite Aufführung des Stücks sinnvoll und dem Aufwand angemessen gewesen. Elisabeth Aumiller