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Mit klimafreundlichem »Watzmann-Burger« in Bananenkartons stöbern

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Berchtesgaden: Großer St. Andreas-Flohmarkt im AlpenCongress
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Fotos: Anzeiger/Tessnow
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Das gibt es nur auf dem Flohmarkt: 50 Barbiepuppen in einem Bananenkarton.

Berchtesgaden – Von allen Seiten strömten Stöberer am Freitag und Samstag wieder zum großen Flohmarkt des Stiftslandes Berchtesgaden am und im AlpenCongress.


150 ehrenamtliche Mitarbeiter nahmen bereits eine Woche vor Start des jährlichen Trödelspektakels Haushaltsrelikte aus Keller und Dachböden an und präsentierten die Ware dekorativ gruppiert. Die Veranstaltung wurde ein überwältigender Erfolg. Der »Berchtesgadener Anzeiger« mischte sich in den Trubel und fing Impressionen ein.

»Tröööt« – Das ist das Signal von Mitorganisatorin Kathi Pfnür am Freitag Punkt 16 Uhr. Schon eine Stunde »vor Anpfiff« scharten sich viele Flohmarktfreunde brav wartend vor dem Absperrband. Ein Scherenschnitt löst dann den großen Lauf auf geschätzte 500 Quadratmeter Verkaufsareal mit wohl weit über 100.000 Artikeln aus.

Wie eine Büffelherde, oder eine Herde Kauflustiger bei einem klassischen Sommerschlussverkauf, bläst die Menschenmenge sich selbst zur Schnäppchenjagd. »Ach ist das schön«, sagt Kathi Pfnür, »endlich kann es losgehen. Ich finde, dass das die aufregendste Veranstaltung in Berchtesgaden ist.« Diese geht heuer bereits in die 42. Auflage, und ist ein Muss für alle Liebhaber der Kunst- und Krempel-Börse. Für den guten Zweck zu arbeiten, macht allen Mitarbeitern sichtlich Spaß.

Auch Gabi Angerer ist froh, dass es wieder so gut geklappt hat, und schaut »ihrem« Publikum beim Kaufen und Feilschen zu. »Wenn wir hier fertig sind, habe ich noch eine kühle Überraschung für unser Team vorbereitet«, sagt sie. Ein großes Fass Bier gibt es für den »Dienst-Durst« danach. Neben ihr sitzt entspannt AlpenCongress-Chef Sepp Wenig in einem Sonnenliegestuhl. Preis: Verhandlungssache. Ohne ihn hätte der Flohmarkt in dieser Art nie so eine Plattform bekommen.

Doch nicht alles war »Friede, Freude, Flohmarktkuchen«. Denn leider gibt es immer noch ganz Schlaue, die im Vorfeld versuchen, »ihren Müll« loszuwerden. Das ist ärgerlich, hat doch das Team mehrfach darauf hingewiesen und genug zu tun, die Ware ordentlich einzuräumen. Aber sei's drum. Im nächsten Jahr haben es bestimmt auch die Letzten verstanden, dass man so etwas einfach nicht tut.

Auf dem Gelände geht es schnell quirlig und aufgeregt her. »Flohmarkt ist ja irgendwie immer wieder gleich – aber eigentlich doch nicht«, hört man jemanden im Gewühl scherzen, worin er auch gleich wieder verschwindet. Und so bleibt ein undefinierbarer Reiz auf Geschmacksverirrungen aus allen deutschen Dekaden. Aber Vorsicht – ab und zu sind auch wirklich wertvolle Angebote unter »Trash und Trödel« zu erstöbern.

Unabdingbares Sammel- und Transportutensil ist der omnipräsente Bananenkarton. Alles Mögliche ist in ihm zu finden. Ob Bücher, CDs oder Barbiepuppen. Wer jetzt schon das nächste Osterfest nicht abwarten kann, für den gibt es Hasen in allen Farben und Materialausführungen. Oft liefert ein Blick in einen Bananenkarton eine humorvolle Erkenntnis auf die vielen Fehleinkäufe, die damals vermutlich »in« waren. Das Ambiente und Rahmenprogramm war stimmig. Der Grillmeister brutzelte auf dem Kurgarten-Grün, und freundliche Damen servierten bunte Salate. Eine Weltneuheit gab es ebenfalls: Den »Watzmann-Burger«. Der ist vegan, vegetarisch und natürlich bio zugleich und, man lese und staune, »klimafreundlich lecker«.

Genauso pünktlich, wie die Veranstaltung begann, endete sie auch. Am Samstag um 13 Uhr wurde das Absperrband wieder stramm gezogen und nach drei Stunden Aufräumarbeit erinnerte nichts mehr daran, dass hier eben noch ein Flohmarkt war. Eine organisatorische Glanzleistung. Was der große Stiftsland-Flohmarkt eingebracht hat, wird sich in Bälde zeigen. Die Spendenausschüttung erfolgt wie gewohnt im Oktober in der Pfarrei St. Andreas. Die Veranstaltungsleitung obliegt der Kolpingsfamilie Berchtesgaden.

Jörg Tessnow