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Michelle Obama lässt Demokraten jubeln

Charlotte/Washington (dpa) - Jubel für Michelle Obama, Bangen vor der Schuldenuhr: Mit einer gefeierten Rede hat sich die amerikanische First Lady für die Wiederwahl ihres Ehemannes starkgemacht.

Michelle Obama
Michelle Obama hat beim Demokraten-Parteitag eine umjubelte Ansprache auf ihren Ehemann gehalten. Foto: Shawn Thew Foto: dpa

Präsident Barack Obama verdiene eine zweite Amtszeit, weil er die Lösung sozialer Probleme nicht als Politik verstehe, sondern als persönliche Aufgabe, rief die 48-jährige Michelle Obama am späten Dienstagabend jubelnden Delegierten beim Parteitag der Demokraten in Charlotte (North Carolina) zu.

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Der Auftritt wurde aber davon überschattet, dass der US-Schuldenstand eine weitere Billionenmarke überschritt. Zudem bringt Regen die Organisatoren der Convention in Schwierigkeiten.

Während die Demokraten bei ihrem dreitägigen Treffen die Erfolge des Präsidenten beschwören und vor der Politik des Herausforderers Mitt Romney warnen, überschritten die Staatsschulden die Grenze von 16 Billionen Dollar (12,77 Billionen Euro). Das selbst auferlegte US-Schuldenlimit von knapp 16,4 Billionen Dollar könnte pünktlich zur Präsidentenwahl am 6. November erreicht werden, was den Wahlkampf mit entscheiden könnte. Der Rekordwert sei eine «traurige Erinnerung an Obamas gebrochenes Versprechen, das Defizit zu halbieren», sagte der republikanische Parlamentspräsident John Boehner.

Ferner brachten am Mittwoch dunkle Wolken am Horizont die sorgsame geplante Parteitagsshow durcheinander. Obamas große Abschlussrede könne wegen des Regens nicht vor 70 000 Zuschauern in einem Sportstadion stattfinden, teilten die Organisatoren mit. Der mit Hochspannung erwartete Auftritt am Donnerstag (Ortszeit) müsse in die wesentlich kleinere Halle mit einem Viertel der Plätze verlegt werden. Zehntausende Anhänger wurden ausgeladen. Obama wolle stattdessen am Donnerstag in einer Telefonkonferenz zu ihnen sprechen.

Die schlechten Nachrichten wurden jedoch weitgehend vom Auftritt der beliebten Präsidentengattin zur besten TV-Sendezeit überstrahlt, der Obama wichtige Sympathiepunkte bringen sollte. «Wir müssen noch einmal zusammenkommen und zusammenstehen für den Mann, dem wir vertrauen können, dass er dieses Land weiter nach vorn bringt», sagte Michelle Obama am Ende ihrer emotionalen Ansprache, in der sie tief in die Familiengeschichte eintauchte.

«Wenn es darum geht, unsere Wirtschaft wieder aufzubauen, dann denkt Barack an Leute wie meinen Vater und seine Großmutter», sagte sie und verwies auf die bescheidenen Verhältnisse, in denen beide aufwuchsen. Sie setzte damit einen Kontrapunkt zu Romney, der Spross eines erfolgreichen Geschäftsmanns ist und mittlerweile zu den reichsten Amerikanern zählt.

In der vergangenen Woche hatte Ann Romney bei dem Parteitag der Republikaner vorgelegt und in einer hochgelobten Rede ihren 65 Jahre alten Mann als treu sorgenden Familienvater dargestellt. «Beide Frauen waren überzeugend, aber Mrs. Obama, die schon früher vor einem Parteitag gesprochen hatte, legte den stärksten Auftritt hin», urteilte die «New York Times».

Wie zuvor Ann Romney stellte Michelle Obama auch ihre persönliche Beziehung zu ihrem Mann in den Mittelpunkt. Die Erfahrung der Präsidentschaft habe sie noch enger zusammengeschweißt. «Ich hätte nicht gedacht, dass das möglich ist, aber heute liebe ich meinen Mann sogar noch mehr als vor vier Jahren», sagte sie. Das liege auch daran, dass sie in der Zeit viel über ihn gelernt habe. «Ich habe aus erster Hand erfahren, dass Präsident zu sein Dich nicht verändert - es zeigt, wer Du bist.» Obama verfolgte die Rede mit seinen Töchtern Malia und Sasha vor dem Fernseher im Weißen Haus.

Die «Washington Post» sprach von einer «exzellenten Rede». Sie habe eine direkte Verbindung zum Wähler hergestellt. Mit ihrem Beitrag habe sie die Latte für den Rest des Parteitages sehr hoch gehängt. Am Mittwoch war es an Ex-Präsident Bill Clinton, die Bevölkerung von Obama zu überzeugen.

Romney hat der Republikaner-Parteitag nicht den gewünschten Auftrieb verschafft: Laut einer am Dienstag veröffentlichten Gallup-Umfrage kommt er auf 46 Prozent Zustimmung, Obama auf 47. Es galt als reine Formalie, dass die knapp 6000 Delegierten Obama am Mittwochabend offiziell als Kandidaten für die Wahl aufstellen.

Der Bürgermeister der texanischen Stadt San Antonio, Julian Castro, trat direkt vor Michelle Obama auf und erhielt für seine harten verbalen Angriffe auf Romney viel Beifall. Ex-Präsident Jimmy Carter stellte Obama per Videozuschaltung ein blendendes Zeugnis in der Außenpolitik aus. «Präsident Obama hat das Ansehen der USA in der Weltgemeinschaft wiederhergestellt», sagte der 87-jährige Friedensnobelpreisträger.

Auf dem Parteitag unterstützten die Demokraten auch Obamas Vorhaben, die Steuern für Großverdiener zu erhöhen. Die Republikaner lehnen das grundsätzlich ab. Das Parteimanifest der Demokraten befürwortet im Gegensatz zu der republikanischen Version auch die gesetzliche Gleichbehandlung homosexueller Paare. Es bekräftigt auch das Recht der Frauen, selbst über eine Abtreibung zu entscheiden.

Parteiprogramm der US-Demokraten

Website zum Demokraten-Parteitag

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