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Merkel und Hoeneß machen homosexuellen Profis Mut

Berlin (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat homosexuellen Fußball-Profis Mut gemacht, für Uli Hoeneß ist das erste Outing nur eine Frage der Zeit.

«Geh deinen Weg»
Kanzlerin Merkel und Bayern-Boss Hoeneß werben für das Projekt «Geh deinen Weg». Foto: Kay Nietfeld Foto: dpa

In der Diskussion um schwule Spieler im bezahlten Fußball haben Politik und Sport die Betroffenen ermutigt, sich mit einem Bekenntnis an die Öffentlichkeit zu wagen. «Dass immer noch Ängste bestehen, was das eigene Umfeld anbelangt, müssen wir zur Kenntnis nehmen. Aber wir können ein Signal geben: Ihr müsst keine Angst haben», sagte Merkel in Berlin. Auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bot in einer Erklärung Unterstützung des Verbandes an.

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Regierungschefin Merkel lud zur Vorstellung des Integrations-Spieltags ins Kanzleramt und gab dabei neben Hoeneß und Ligaverbandspräsident Reinhard Rauball Auskunft über die Aktion «Geh deinen Weg». Sportler dürften nicht nach Herkunft, Religion oder Hautfarbe beurteilt werden, soll die Botschaft sein.

Ein Bundesliga-Profi, der anonym bleiben wollte, hatte im Magazin «Fluter» der Bundeszentrale für politische Bildung offenbart, sich aus Angst täglich verstellen und verleugnen zu müssen. Sollte seine Homosexualität bekanntwerden, würde er sich nicht mehr sicher fühlen, so der Spieler in dem Interview.

Ein Outing hat es im deutschen Elitefußball noch nie gegeben. Bayern-Präsident Hoeneß forderte die Clubs in Deutschland auf, sich schon mal darauf vorzubereiten. «Das wird über kurz oder lang kommen. Alle Vereine sind gut beraten, sich auf dieses Thema vorzubereiten, damit sie dann gute Antworten haben», sagte er. Geäußerte Sorgen um die Sicherheit eines Spielers, der sich outet, konnte Hoeneß nicht nachvollziehen. «Dass er um seine Gesundheit Angst haben müssen, die Gefahr sehe ich gar nicht», meinte der Bayern-Boss. Für seelische Pein durch Beleidigungen in fremden Stadien könne er freilich keine Verantwortung übernehmen. Dieses Dilemma bleibt.

«Das Thema ist bis heute ungelöst», räumte Rauball ein. Die Nachteile, die ein Schritt an die Öffentlichkeit mit sich bringen können, seien schlicht und ergreifend nicht überschaubar. Ein betroffener Spieler nehme «eine enorme Verantwortung auf sich», sagte er. Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, ist ebenfalls unsicher, welches Echo ein Outing in der Öffentlichkeit hervorruft: «Es ist einfach nicht so, dass in der derzeitigen Gemengelage, in dieser Gesellschaft, in den Stadien - ich weiß aber nicht, ob es wirklich nur die Stadien sind, vielleicht wäre es auch anderswo der Fall - dass tatsächlich alle darauf mit Toleranz und Verständnis reagieren würden.»

Wieviel von dieser Last können Vereine einem Spieler abnehmen? Den ersten Schritt müsse der betreffende Sportler machen, so Hoeneß, dann sei es an den Clubs, den Profi «genauso zu schützen, wie es notwendig ist». Aufklärungskampagnen seien nicht sinnvoll. «Ich halte es für totalen Blödsinn, Maßnahmen zu ergreifen, um den Weg zu ebnen», sagte Hoeneß.

Den FC Bayern hält der 60-Jährige in dieser Beziehung für gut gewappnet. Sollte sich ein Bayern-Spieler outen, «wäre das aus meiner Sicht kein Problem», sagte Hoeneß lapidar, «unsere Gesellschaft ist doch ziemlich aufgeklärt.» Überhaupt fand er, das Thema werde «zu sehr hochgespielt», je spektakulärer man es mache, desto schwieriger werde es für die betroffenen Spieler.

Niersbach stellte allen Akteuren die Hilfe des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Aussicht. «Sollte sich ein Spieler, egal ob in der Bundesliga oder der Kreisliga, öffentlich als homosexuell outen wollen und dabei die Unterstützung des DFB benötigen, so wird unser Verband jegliche Hilfe anbieten», meinte Niersbach. «Schließlich sollte es in einer toleranten Gesellschaft keine Rolle spielen, welche sexuelle Neigung jemand hat.» Auf viel mehr als aufmunternde Worte dürfen schwule Fußballer wohl nicht hoffen. «Ich bin der Meinung, dass jeder, der die Kraft aufbringt und den Mut hat - wir haben in der Politik einen längeren Prozess hinter uns - wissen sollte, dass er in einem Land lebt, wo er sich eigentlich davor nicht fürchten sollte», betonte Kanzlerin Merkel und ergänzte: «Das ist meine politische Botschaft.»

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