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»Meine Lippen, sie küssen so heiß«

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Die Sopranistin Montserrat Caballero und Dirigent Augustin Spiel beim Schlussapplaus in der Berufsschulaula. (Foto: Barbara Heigl)

Nobel und ganz charmant ist so ein angedeuteter Handkuss! Zwar völlig aus der Mode gekommen – heutzutage würde er dem Sexismus-Vorwurf zum Opfer fallen –, adelte er aber bei dem »Wiener Redoute«-Konzert“ des Traunsteiner Musikkollegiums die walzerselige Atmosphäre in der Berufsschulaula. Denn wenn Augustin Spiel im Frack seiner Sopranistin des Abends auf diese Weise ihre Anmut bestätigt, ist das doch ein schöner Brauch.


Das passte ja auch perfekt zum Walzer- und Operetten-Programm des Abends, zu dem die Zuhörer zahlreich erschienen waren, um in eine Welt einzutauchen, in der die Damen noch Korsett trugen und die Walzer und Polkas die Hits der damaligen Zeit waren. Wohlgemerkt, die Musik konnte nicht durch Rundfunk und Fernsehen Popularität erlangen, andere Musiker, wie zum Beispiel Johann Strauß, der Giuseppe Verdi verehrte und in seinen Aufführungen dessen Musik in bearbeiteter Form spielte und so bekannt machte, verhalfen der Musik zur Popularität. Dies und noch einiges Wissenswertes mehr konnte man an diesem Abend von Augustin Spiel erfahren, der einen unglaublichen Fundus an interessanten Geschichten sein Eigen nennt. Geschichten und Musik wechselten sich ab an diesem kurzweiligen Abend.

Sehnsuchtsvoll-melancholische Walzer, wie »Wo die Citronen blühn« von Johann Strauß oder elegant-graziöse Stücke, wie die mit vornehmen Tempo vom Musikkollegium gespielte »Waldmeister-Ouvertüre« und die flotte Polka mazur »Stadt und Land«, ebenfalls von Strauß, waren festliche Glanzlichter des Konzerts.

»Meine Lippen, sie küssen so heiß, ich warte nur noch auf die Sängerin«, schmunzelte Augustin Spiel, als die Sopranistin ein wenig auf sich warten ließ. Die in Barcelona geborene Sängerin Montserrat Caballero, die netterweise einen ähnlichen Namen trägt wie eine der ganz großen Operndiven unserer Zeit, kam, sang, und begeisterte. Ausdrucksstark, emotional und mit Lust an der Darstellung war ihr Auftritt. Die Stimme schön, aber in der Mittellage etwas zu sehr schattiert, die Höhe manchmal zu exponiert. Was einige Male zu einem leicht zwiespältigen Eindruck führte, aber den Genuss nicht allzu sehr schmälerte.

»Mein Liebeslied muss ein Walzer sein« von Robert Stolz, »Musikanten sind da« von Franz Grothe und das wunderbare »Vilja-Lied« von Franz Lehár präsentierte sie dem Publikum charmant und mit Esprit. Das Orchester bereitete ihr mit Spielfreude ein farbenreiches Fundament, und interessanterweise konnte man vor allem den jüngeren Musikern des Orchesters ein hingebungsvolles Musizieren ansehen.

Schön, wenn es in einer so unsteten Welt wie der unseren etwas gibt, was einem bekannt ist. Etwa, dass die Musiker des Musikkollegiums Traunstein unter ihrem Leiter Augustin Spiel beim ersten Konzert des Jahres am Schluss eigentlich immer mit dem Donauwalzer und dem Radetzky-Marsch gute Laune verbreiten. Das ist eben Heimat. Wenn man endlich weiß, wie unsere Berge heißen; wenn die Musiker einem wie alte Bekannte vorkommen; und wenn man schon vorhersehen kann, dass man zum Schluss des Konzerts kräftig im Marschrhythmus in die Hände klatschen wird. Barbara Heigl