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Mein Haus zieht mit

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Mein Haus zieht mit
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Ole, Jill und Line Grigoleit auf ihrem Hausboot. Foto: Doro Plutte/ZDF Foto: dpa

Wohnraum ist knapp und teuer. Dass es Alternativen zu einer festen Wohnung gibt, zeigt eine Reportage im ZDF.


Berlin (dpa) - Wohnen ist eines der großen aktuellen Themen. Angesichts weiter steigender Mieten und nahezu unerschwinglicher Kaufpreise für Häuser in Ballungsräumen sind alternative Lösungen zunehmend gefragt - was insbesonders junge Familien vor große Herausforderungen stellt.

Davon berichtet die Reportage «Mein Haus zieht mit» mit dem Zusatztitel «Abenteuer Hausboot, Camper, Tiny House» aus der Reihe «37 Grad». Sie ist an diesem Dienstag (22.15 Uhr) im ZDF zu sehen.

Seit fünf Jahren wohnt das Paar Jill und Ole auf einem Hausboot, in einem kleinen Hafen in einem versteckten Seitenarm der Elbe, südlich von Hamburg. Da sie dort keine Wohnung fanden, sagte er irgendwann: «Ich bau' uns einfach was». So kaufte der handwerklich geschickte Mann für 6000 Euro den Rumpf eines vergammelten Kahns und baute in Eigenregie ein rotes Haus darauf - es bietet 100 qm Wohnfläche, Strom und fließend Wasser.

«Es ist schön, aber ein Traum oder geplant war das nicht», sagt er sichtlich zerknirscht. Je mehr seine Frau es mit ihren beiden kleinen Töchtern genießt, desto weniger scheint er das zu können, weil er die ganze Arbeit damit hat - ständig fallen Reparaturen an. Da Liegeplätze selten und teuer sind, kauften sie - per Kredit - gleich den ganzen Hafen dazu. Ein zweites Haus soll bald fertig sein und vermietet werden: Das Konzept scheint aufzugehen.

Ihre Dreizimmerwohnung in Leipzig hat Familie Weiser ganz bewusst aufgegeben und ist in einen gebrauchten, recht anfälligen Camper (Kredit: 3000 Euro) umgezogen. Die Verkleinerung auf lediglich zehn qm bedingt ordentliches Ausmisten: «Das tut so gut, wenn einfach mal Zeug wegkommt. Wir minimieren unseren Lebensraum auf dieses Fahrzeug», meint Familienvater Erik, der genauso wie seine Frau Julia freischaffender Künstler ist. Das Geld ist knapp, das Wohnmobil muss abbezahlt werden, die Rücklagen reichen lediglich für drei Monate. Egal: Die beiden machen sich mit ihren zwei noch nicht schulpflichtigen Kindern auf den Weg in Richtung Südfrankreich.

In ein winziges Haus in Detmold wollen Brendan und Sina umziehen, die noch keine Kinder haben. Sie wählen dafür ein «Tiny House» mit 25 Quadratmetern Grundfläche und 3,5 Tonnen Höchstgewicht, ein Häuschen auf einem Anhänger. Sie liegen derzeit voll im Trend für Singles und Paare, jedes ist anders. Sie haben das Haus zum Schlafen, Arbeiten, Kochen und einfach Wohnen komplett am Computer geplant, jedes Detail genau berechnet, den Anhänger gekauft, und das Baumaterial. 50 000 Euro sind angespart, das Studium wurde unterbrochen. «Wir sind noch jung und wissen nicht, wo wir auf Dauer leben wollen. Aber dieses Haus können wir überall hin mitnehmen», sagen sie.

Die Filmemacherin Doro Plutte (38) gehört zum Autorenteam von «37 Grad». Sie nimmt die Zuschauer mit zu ihren diversen Protagonisten, die ganz unterschiedliche Erfahrungen machen, und enthält sich einer Bewertung. Sie berichtet wohlwollend von sympathischen Menschen, die ein gewisses Maß an Freiheit oder gar das Abenteuer suchen und ihr Leben einfach anders gestalten wollen als die Eltern, die ihr Leben lang das Eigenheim abbezahlt haben und dadurch gebunden waren. Von den günstigeren Kosten ganz zu schweigen.

Camper und Tiny House mögen eine Zeitlang okay sein, allein das Hausboot scheint eine dauerhaftere Lösung zu bieten. Was alle drei Beispiele eint: Es ist offenbar gar nicht so schwierig, auch mit wenig Platz ganz gut zurechtzukommen.

Mein Hausboot zieht mit