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Meditative Hommage an Adlgasser

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Haben sich gesucht und gefunden, um die Musik von Anton Cajetan Adlgasser lebendig zu erhalten: (von links) Barbara Giglmayr-Frandl, Gerhard Schaubach und Sabine Scheffel-Schaubach sowie Sabine Kübler. (Foto: Mergenthal)

Eine meditative, inspirierende musikalische Stunde gestalteten verschiedene Akteure rund um Urlaubskantor Gerhard Schaubach als Auftakt der ersten »Inzeller Kulturtage«.


In Kooperation mit dem Freundeskreis A. C. Adlgasser und dem Förderverein St. Michael begannen diese mit einer »Abendlichen Andacht mit Musik und Texten« in der Pfarrkirche St. Michael. Ziel war, einerseits Musik des Inzeller Komponisten Anton Cajetan Adl-gasser zu präsentieren und so sein Andenken lebendig zu halten, und andererseits anhand der Werke von Kollegen seine Rolle als Wegbereiter der Hochklassik aufzuzeigen.

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Von Adlgasser erstmals gehört hatte Schaubach bei einem Kulturgespräch vor etwa einem Jahr – und sofort Feuer gefangen. Auch damals vertrat er in der Evangelischen Kirchengemeinde Ruhpolding die Kirchenmusiker während der Urlaubszeit. Bei diesem Gespräch hatte er auch die Sängerin des Abends, die österreichische Sopranistin Barbara Giglmayer-Frandl, kennen gelernt.

Das Läuten der Kirchenglocken ging fließend in so genannte »Versetten« von Anton Cajetan Adlgasser über. Schaubach hatte einige davon aus einer Sammlung von 103 Versetten für Orgel ausgewählt. Dies sind kleine, vier- bis 16-taktige Motivideen, über die der Organist improvisieren soll. Einige davon wurden von Adlgasser auch vom Kloster Herrenchiemsee angefordert. Schaubach ließ sie an der Metzler-Orgel prachtvoll zur Geltung kommen. Eine Fuge bewies, dass sowohl Adlgasser als auch der hessische Urlaubskantor an der Orgel in ihrem Element waren beziehungsweise sind. Nach dieser Einstimmung lud der evangelische Pfarrer Thomas Seitz die gut 60 – aufgrund der Auflagen in der gesamten Kirche verteilten – Besucher dazu ein, mit der Musik in eine unsichtbare Welt einzutauchen und zu erahnen, was die Seelen der Komponisten des Abends bewegte. Seitz ließ auch Worte aus Psalm 150 und Gedanken von Karl Rahner über Sternstunden im Alltag in Gestalt der kleinen Gesten der Großherzigkeit für sich sprechen.

Adlgasser war mit Leopold Mozart befreundet und auch musikalischer Ratgeber des anfangs noch unerfahrenen »Wolferl«. Was lag näher, als den Abend mit Leopold Mozart weiter zu führen. Mit großer Klarheit und sehr gefühlvoll dosiertem Vibrato, mit Wärme in den Tiefen und Glanz in den Höhen, interpretierte die Sopranistin eine Aria aus »Beata es, Virgo Maria«. Begleitet wurde sie von Schaubachs Gattin Sabine Scheffel-Schaubach und Sabine Kübler aus Hammer an den Geigen sowie dem musikalischen Leiter am Continuo.

Dieses Trio, das erstmals miteinander spielte und sofort gut harmonierte, streute in das Programm auch zwei festlich-freudig musizierte Kirchensonaten, in F- und in B-Dur, von Wolfgang Amadeus Mozart ein. Um den Bogen bis Ludwig van Beethoven weiter zu führen, trug Schaubach das Adagio sostenuto aus der »Mondscheinsonate« für Klavier vor und begleitete die Sängerin bei zwei Beethoven-Liedern, »Ich liebe dich« und »Abendlied unterm gestirnten Himmel«. Barbara Giglmayr-Frandl begeisterte durch Ausdruckskraft und sehr gute Textverständlichkeit. Meditativ-innig gestaltete sie, von Violine und Klavier begleitet, ein besinnliches »Laudate Dominum« von Wolfgang Amadeus Mozart. Als Höhepunkte des Abends erklangen weitere Adlgasser-Werke. Ein Andante und ein Allegro assai in C-Dur sowie ein virtuoses Divertimento für das Cembalo, das die Übergangszeit, in der Adlgasser lebte und wirkte, deutlich machte, führten hin zu einer Adlgasser-Arie.

Barbara Giglmayr-Frandl hatte sich für ein Konzert anlässlich eines Symposiums zur klösterlichen Musikkultur in Michaelbeuern im Herbst 2019 intensiv mit dem Inzeller und Zeitgenossen wie Johann Ernst Eberlin auseinander gesetzt. Man spürt die Selbstverständlichkeit, mit der sie in dieser Klangwelt lebt. Einfühlsam begleitet von Violine, Viola (Sabine Kübler) und Klavier, ließ ihre bewegliche Stimme Adlgasser erstrahlen.

Nach einem Schlussgebet und dem Segen sang sie noch mit dem Instrumental-Trio das innige »Agnus Dei« aus der Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart. Begeisterter Applaus belohnte die engagierten Musikerinnen und Musiker.

Veronika Mergenthal