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Marionetten und Malerei in der Kleinen Galerie

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Traudl Eilenberger malt und formt Marionetten in ihrem Atelier in dem Anwesen auf dem Weinberg bei Tengling. (Foto: Eder)

Marionetten und Malerei – das sind die zwei Obsessionen von Traudl Eilenberger aus Tengling. Sie zeigt eine Auswahl ihres künstlerischen Schaffens erstmals auch in der Region: in der Kleinen Galerie in Waging. Nach der Vernissage am Samstag um 17 Uhr ist die Ausstellung von Dienstag, 12. November, bis Samstag, 23. November, zu sehen – von Dienstag bis Freitag, jeweils von 9 bis 12 und 14 bis 18 Uhr, sowie am Samstag von 9 bis 14 Uhr.


Seit 40 Jahren ist Traudl Eilenberger, die den Großteil ihres Lebens in Aschaffenburg verbracht hat, schon künstlerisch tätig. Ihre Begabung ist bereits in der Volksschule entdeckt worden: Auf Drängen von Lehrern schickten die Eltern ihre Tochter auf ein musisches Gymnasium, wo der Grundstock für ihre spätere künstlerische Tätigkeit gelegt wurde – sowohl was die Techniken, als auch die Kunstgeschichte anbetraf. Als sie sich später immer intensiver der Kunst widmete, schuf sie sich weiteres Rüstzeug durch Besuche in Sommerakademien und Kursen.

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Von Anfang an richtete sich das Interesse der naturverbundenen Künstlerin auf naturalistische, realistische Malerei, »so wie ich die Dinge sehe, wenn auch mit ein paar künstlerischen Freiheiten«. Die Bilder, die beim Besuch in ihrem Atelier in dem wunderbar restaurierten Anwesen auf dem Weinberg bei Tengling ins Auge springen, sind von der Natur inspiriert und ganz konkret von dem Erleben, dass die Insekten immer weniger geworden seien. So hat Traudl Eilenberger eine Anzahl von Bildern beispielsweise mit Libelle, Gottesanbeterin, Hummel und Hirschkäfer gemalt, um den Rückgang der Insekten zu thematisieren. Einen ganz großen Bereich ihres Schaffens widmet Traudl Eilenberger den Blumen – vor allem ihrer Lieblingsblume, der Hortensie: »Am liebsten sitze ich draußen, mein Motiv direkt vor Augen«, erzählt die Künstlerin. »Sonne und Licht, die kräftigen Farben des Sommers, dazu ein Hang zur Romantik und Nostalgie beflügeln meine Lust zu malen.«

Ihre bevorzugte Technik ist mittlerweile die Pastellkreide, die die Farbnuancen, Übergänge und Schattierungen ihrer Meinung nach mit am besten zur Wirkung bringe, allerdings wohl auch eine der schwierigsten Techniken überhaupt sei. Unter die Vielzahl an Pastell-Bildern mischen sich einzelne Aquarelle.

Neben den großformatigen Bildern – darunter auch Motive wie drei Störche im Schnee oder drei an einer Wäscheleine baumelnde Jeans, die sie auch als Kunstdrucke präsentieren wird – faszinieren ganz besonders ihre ausdrucksstarken Marionetten: Etwa einen knappen Meter hoch, sind das – jede für sich – erlesene Kostbarkeiten. Dabei ist alles selbstgemacht: von Kopf, Händen und Füßen, die Traudl Eilenberger mit freier Hand aus einer Holzknetmasse formt, bis hin zu den Kleidern, den Schuhen und sonstigen Accessoires. Hier hat die Künstlerin eine unglaubliche Ausdauer und Geschicklichkeit entwickelt, die jedes einzelne Stück – einen Tippelbruder, König Ludwig II., eine Hexe, Till Eulenspiegel oder auch Meister Yoda aus der Star-Wars-Welt – zu einer Kostbarkeit haben werden lassen. »In meine kleinen Freunde verpacke ich viel Seele, alte oder neue Träume, Komik oder Melancholie und meine ganze Phantasie«, sagt sie dazu.

Diese anrührenden Figuren voller Ausstrahlung, verbunden mit den kräftigen Farben ihrer Tiere und Blumen, versprechen für die Ausstellung in der Kleinen Galerie eine absolut außergewöhnliche und sehenswerte Mischung.

Weil Traudl Eilenberger mit ihrer Ausstellung auch einen sozialen Zweck verbinden will, verkauft sie dort limitierte Drucke, auf denen drei verschiedene Marionetten-Entwürfe zu sehen sind. Der Erlös kommt der Aktion Klinik-Clowns zugute. Und am letzten Ausstellungstag will sie die drei Original-Bilder versteigern – ebenfalls für den Zweck.

Auch wenn die Waginger Ausstellung die erste in der Region ist, in der Traudl Eilenberger und ihr Mann seit zehn Jahren leben, so hat sie doch eine sehr große Erfahrung mit Ausstellungen. Die Künstlerin hat fünf Jahre lang in Aschaffenburg sogar eine eigene Galerie geführt und war Mitglied der dortigen Künstlergruppe. Über viele Jahre hinweg hat sie zudem Malkurse gegeben.

Ab 2009 stand aber erst einmal im Vordergrund, das alte und schon fast im Verfall begriffene Anwesen wieder bewohnbar zu machen. So hat Traudl Eilenberger so richtig erst in diesem Jahr wieder angefangen, künstlerisch zu arbeiten. Was sie dabei geschaffen hat, kann sich sehen lassen – und wer will, kann sich in der Ausstellung in der Kleinen Galerie selbst davon überzeugen. Hans Eder

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