weather-image

Marimba-Recital mit Leon Lorenz

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Der hochtalentierte 18-jährige Leon Lorenz spielte sich bei seinem klangvollen Marimba-Konzert in der Grabenstätter Schlossökonomie in die Herzen seiner Zuhörer. (Foto: Müller)

Manch einer hat vielleicht schon gehört, dass das Schlaginstrument Marimba ursprünglich aus Afrika stammt, das Nationalinstrument Guatemalas ist und in weiteren lateinamerikanischen Ländern eine lebendige Tradition hat.


Doch dass ein 18-jähriger Musikstudent aus Stuttgart mit seiner rund 2,50 Meter langen und wohl an die 100 Kilogramm schweren Xylophon-Großversion ein hochklassiges Solo-Konzert geben kann, das die Zuhörer mitreißt und immer wieder in ungläubiges Staunen versetzt, das bewies Leon Lorenz unlängst in der Grabenstätter Schlossökonomie. Seine großartigen musikalischen Darbietungen werden noch lange nachklingen, ebenso seine routinierten hintergründigen Ausführungen über Johann Sebastian Bach und die berühmte japanische Marimbistin und Komponisten Keiko Abe, deren Werke er mit höchster Konzentration und enormem körperlichen Einsatz zum Besten gab.

Anzeige

Mit je zwei Schlägeln in einer Hand sprang er immer wieder von einer Seite zur anderen und traf die Holzklangstäbe trotzdem mit traumwandlerischer Sicherheit und Präzision – musikalischer Hochleistungssport vom Feinsten. Die 81-jährige Abe, die er bereits persönlich kennenlernen durfte, wäre begeistert gewesen und wohl auch der vor fast 270 Jahren verstorbene Bach, auch wenn dieser seine Werke freilich für die Originalinstrumente seiner Zeit geschrieben hat. »Barock mit der Marimba, ob das wohl gut geht?«, mochten sich einige klassische Musikfreunde eingangs beim Blick auf Bachs Cello-Suite Nr. 3-Programm gedacht haben, doch es ging gut und mehr als das. »Wow« und »Bravo« schallte es immer wieder durch den Saal.

Dass sie überhaupt in den Genuss dieses außergewöhnlichen Konzertabends kamen, hatten die Besucher Lorenz´ in Grabenstätt lebender Oma zu verdanken, denn ihr wollte er schon lange einmal ein Exklusiv-Marimba-Konzert geben, und weil es bei seiner Chiemgau-Stippvisite mit seinen Eltern organisatorisch gerade passte, wurde dieses kurzerhand vom privaten Wohnzimmer in den öffentlichen Schlossökonomie-Saal verlegt. Den passenden Ausklang fand der stimmungsvolle Abend mit der Zugabe »Breath of the Tree« von Keiko Abe.

»Bereits mit zwölf Jahren wusste ich, dass ich Berufsmusiker werden möchte«, verriet der vielfach ausgezeichnete Lorenz nach seinem umjubelten Konzert und freute sich darüber, dass er nun an der Hochschule für Musik und Theater in München studieren darf. Auch seinem nächsten großen Auftritt fiebert der hochtalentierte Schlagzeuger und Komponist, der im Alter von sechs Jahren ersten Schlagzeugunterricht erhielt, bereits entgegen. Dieser wird in der neuen Elbphilharmonie in Hamburg vor großem Publikum über die Bühne gehen – zwar ohne seine geliebte Marimba, aber dafür mit Trommeln, die er mindestens genauso gut beherrscht. Markus Müller

- Anzeige -