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Mann erschießt vor Empire State Building Ex-Kollegen

New York (dpa) - Ein Streit mit einem Ex-Kollegen führt mitten in New York zum tödlichen Drama: Ein ehemaliger Angestellter schoss am Freitagmorgen (Ortszeit) beim Empire State Building in New York mehrfach auf einen früheren Kollegen und wurde anschließend von der Polizei getötet.

New Yorker Polizei
Ein Streit unter ehemaligen Kollegen endet tödlich vor dem Empire State Building. Foto: Mickey Marrero Foto: dpa

«Ohne etwas zu sagen schoss er ihm ein Mal in den Kopf und dann in den Körper», erklärte New Yorks Polizeichef Raymond Kelly in einer Mitteilung. Nach Angaben von US-Medien sollen der Täter und sein 41 Jahre alter Ex-Kollege bereits seit längerem in einen Streit über Belästigung am Arbeitsplatz verwickelt gewesen sein. «Ich werde dich umbringen», soll der 58-Jährige nach Angaben des Senders NBC unter Berufung auf Gerichtsunterlagen vom April 2011 gedroht haben. Die Männer hätten im Vorfeld der Schießerei Klage gegeneinander eingereicht, bestätigte Kelly.

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Bei der Schießerei im Herzen der Stadt wurden zudem neun Menschen verletzt, sechs von ihnen seien am Nachmittag wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden, so der Polizeichef. Laut Kelly seien Passanten nicht von der Polizei angeschossen worden, wie Bürgermeister Michael Bloomberg zuvor nicht ausgeschlossen hatte. Vielmehr hätten die Kugeln der Beamten «Blumentöpfe und andere Gegenstände getroffen, die die Kugeln zersplittern ließen», sagte Kelly. Das hätte nach seinen Angaben zu den Verletzungen geführt.

Laut Bloomberg heißt der Täter Jeffrey Johnson. Sein Alter hatte die Polizei zunächst mit 53 Jahren angegeben, sie korrigierte es jedoch später auf 58 Jahre. Der Polizei zufolge war der Mann vor einem Jahr nach einem Disput aus der Importfirma entlassen worden. Wie CNN berichtete, soll er in einen grauen Anzug gekleidet und mit einer Aktenmappe unter dem Arm am Freitagmorgen gegen 9 Uhr (Ortszeit) zu seinem alten Arbeitsplatz unweit des Empire State Buildings gegangen sein. In der Tasche habe sich weitere Munition für die Waffe befunden.

Der Bürgermeister lobte das Verhalten eines Bauarbeiters und mehrerer Polizisten als «Heldenakt». Ihr mutiges Vorgehen habe möglicherweise weiteres Blutvergießen verhindert. Laut Kelly war ein Bauarbeiter dem Schützen gefolgt und verständigte Polizisten vor dem Empire State Building, die den Schützen aufzuhalten versuchten.

Der Schütze war nach ersten Ermittlungen der Polizei bisher nicht durch Straftaten in Erscheinung getreten. Er habe im Zuge eines Personalabbaus seinen Job bei der Importfirma Hazan Imports verloren. Nach Angaben der New Yorker Polizei handelt die Firma mit Damenunterwäsche.

Touristen, die sich an dem sonnigen Freitagmorgen für die Turmbesteigung vor dem Empire State Building angestellt hatten, stoben schutzsuchend auseinander. Augenzeugen schilderten eine Situation «wie im Wilden Westen». Laut CBS wurden einige Verletzte in der Lobby des Wolkenkratzers gefunden, andere auf der Straße.

Ein New Yorker, der in der Nähe des Empire State Buildings arbeitet, erzählte einem CNN-Reporter, dass er mindestens neun Schüsse gehört habe. «Wir sind im Büro alle aufgeschreckt», so der Mann. Mehrere Straßen um das Gebäude, das sich an der 5th Avenue und der 34th Street befindet, wurden von der Polizei weiträumig abgeriegelt.

Auch andere Zeugen beschrieben chaotische Szenen: «Ich saß draußen und hörte drei Schüsse, und sah, wie Menschen vom Empire State Building weg die Park Avenue hoch rannten», sagte eine Frau dem Sender CBS. Es seien 10 bis 15 Schüsse gefallen, meinte sie.

Das Empire State Building ist eines der berühmtesten Wahrzeichen New Yorks. Es ist mit jährlich etwa 3,5 Millionen Besuchern nach dem Eiffelturm in Paris das meistbesuchte Gebäude der Welt. Bei der Fertigstellung 1931 war es mit seinen 102 Stockwerken und 381 Metern auch das weltweit höchste Gebäude.

Erst vor zwei Wochen war ein Mann nahe dem Times Square, einem anderen Touristenziel der Stadt, erschossen worden. Polizisten sprachen den Mann an, als er einen Joint rauchte. Er floh, die Beamten verfolgten ihn. Als er sich ein paar Straßenblocks weiter mit einem Küchenmesser einen Polizisten bedrohte, wurde er von dessen Kollegen niedergestreckt und starb auf der Stelle.