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Malend ins Herz der Schöpfung vordringen

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Akademie-Leiter Stefan Wimmer, Kulturreferentin Monika Tauber-Spring und Chiharu Takahashi – und mittendrin in Form seines Selbstbildnisses der Maler Yoshi Takahashi. (Fotos: Mergenthal)

»Dem Herzen der Schöpfung näherkommen, das ist für Yoshi Takahashi ein Prozess des Malens. Von der sinnlichen Erfahrung führt sein Weg über die malerische Verdichtung zum inneren Kreis der Erkenntnis«, sagt Ina Stegen in ihrem Katalog-Vorwort treffend über den japanisch-deutschen Maler.


Anlässlich seines Todes in Bad Reichenhall vor 20 Jahren wurde eine beeindruckende Werksschau mit Arbeiten von Yoshi Takahashi aus über vier Jahrzehnten in der Städtischen Galerie »Altes Feuerhaus« eröffnet. Zu sehen ist sie bis 13. Januar immer von Mittwoch bis Samstag von 15 bis 18 Uhr sowie am Sonntag von 12 bis 15 Uhr am Ägidiplatz 3.

»Für ihn war Bad Reichenhall Heimat«, erzählte seine Witwe Chiharu Takahashi. Immerhin lebte der Maler 30 Jahre in der Kurstadt. Nach den Eröffnungsreden von Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Kunstakademie-Direktor Stefan Wimmer wandte sie sich mit persönlichen Worten an die gut 70 Vernissage-Besucher – »Diese Ausstellung ist für mich wie ein Geschenk« – und ermutigte sie: »Sprechen sie mit Yoshi innerlich. Er ist sicher geistig dabei.« In zahlreichen Gesprächen zwischen Kulturreferentin Monika Tauber-Spring und Chiharu Takahashi war die Idee für das Projekt entstanden. Fasziniert zeigte sich Tauber-Spring über den langen Zeitraum, den die präsentierten Werke abdecken, von einer bereits 1958 gemalten Gasse in Tokio bis hin zum letzten vollendeten Bild mit dem Titel »Sonne, Vogel, Haus« von 1997 kurz vor seinem Tod.

Da hier der gesamte Entwicklungsweg eines Künstlers sichtbar gemacht wird, passt die Präsentation auch perfekt zu den Zielen der Kunstakademie Bad Reichenhall. Im Laufe seines Lebens tauchte der Maler tief in die Kunst großer Meister verschiedener Strömungen der europäischen und US-amerikanischen Avantgarde ein, um immer mehr zu den sprudelnden Quellen seiner ureigenen Bildsprache zu finden. Diese asiatische, fast meditative Herangehensweise kennt nicht die Ängste der westlichen Welt, das Individuelle, die »eigene Handschrift«, aufzugeben. Das Selbstbildnis des 19-Jährigen strahlt diese Offenheit und diesen Standpunkt aus.

An ein an Paul Cezanne erinnerndes Stillleben auf blauem Grund schließt sich im »Alten Feuerhaus« die kraftvoll verdichtete Arbeit »Südseeimpression« an, deren ornamentale, verschlüsselte Symbole an die Kunst der Naturvölker und die Farbpalette eines Paul Gauguin denken lassen. Vom »Action Painting« eines Jackson Pollock inspiriert sind die aus kraftvoll aufgetragenen Strichen in schillernder Farbigkeit bestehenden Bilder wie »Bergfrühling«, mit seinen herausspringenden Blütenfarben. Von hier geht Takahashi den Weg nach innen zu monochromen abstrakten Gemälden in Erdtönen nach dem Vorbild der in Paris in den 40er und 50er Jahren entstehenden »informellen Kunst«. Später löst er sich vom Abstrakten und knüpft an sein Idol aus Studienzeiten, Paul Klee und seine poetische, erzählerische Malerei, an.

Beispiele dieser späten Schaffensperiode in den 1990er Jahren sind die einzige Radierung der Ausstellung – Takahashi leitete die Radierwerkstatt in Salzburg – mit dem Titel »Märchenstadt Bad Reichenhall« (1994) oder »Villenviertel im Schnee«. Immer wieder tauchen Symbole wie Katzen oder Vögel in dem teppichartig geflochtenen Farbgefüge, oft auch mit Stadtelementen durchsetzt, auf.

Ab Mitte der 90er Jahren durchströmte auch eine neue Leichtigkeit Takahashis Werk, die sich in viel bewunderten Kleinformaten in Gouachen wie der gelben »Tänzerin« verdichtet. Kurz vor seinem Tod, etwa in der Arbeit »Sonne, Vogel, Haus«, vollzog Takahashi eine Rückkehr zum Duktus von Kinderzeichnungen und eine Reduktion aufs Wesentliche, wie Stefan Wimmer ausführte. Chiharu Takahashi erinnert sich übrigens, dass ihr Mann es nie mochte, wenn ein Bild zu sehr »fertig gemalt« war. Veronika Mergenthal