weather-image
15°

Majestätische Bläserstimmen

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Die Grassauer Blechbläser waren mit exquisiten Bläserstimmen Besuchermagnet im vorweihnachtlichen Programm des Traunreuter k1. (Foto: Benekam)

Fest mit Weihnachten verbunden ist für viele Musikliebhaber das Weihnachtskonzert der Grassauer Blechbläser im k1 in Traunreut, mit Texten in Mundart begleitet von BR-Sprecher Andreas Estner.


Auf der großen Bühne stand zwar kein Christbaum, dafür aber eine ganze Reihe Blechblasinstrumente, die in festlichem Glanz im Bühnenlicht funkelten, außerdem ein Alphorn. Wie Estner eingangs verriet, hatten die Grassauer auch heuer wieder tief in die Schatztruhe unterschiedlichster Musik-Epochen gegriffen und dabei exquisite Partituren zutage gefördert und attraktiv umarrangiert, also für ein Bläserensemble mit Schlagzeug spielbar gemacht.

Die viersätzige Suite aus Terpsichore von Michael Prätorius, mit der das Konzert eröffnet wurde, stammt aus der Renaissance und entführte die Zuhörer gefühlt auf einen märchenhaften Fürstenhof, in dessen Ballsaal imposante Bläserklänge zum Tanz einluden. Mit vier Posaunen und einem Waldhorn (Sebastian Krause) genossen die Zuhörer im Anschluss weiteres Klanggold aus dieser Epoche, die Pavane von Moritz Landgraf von Hessen. Einem Auszug aus Bachs Weihnachtsoratorium, von den Grassauern grandios interpretiert, schickte Estner die Geschichte über die Entstehung des Christbaums voraus: In Anlehnung an den paradiesischen Baum der Erkenntnis wurde er im 14. Jahrhundert mit Äpfeln behängt. Der Brauch, ihn mit bunten Kugeln und Kerzen zu schmücken, entstand erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts.

Besonders festliche Stimmung kam beim Erklingen von Arcangelo Corellis »Weihnachtskonzert« auf und damit sich nach Wintersonnenwend’ langsam wieder die lichteren Tage ankündigen können, kam im Anschluss in munteren Bläsersätzen die »Petersburger Schlittenfahrt« von Richard Eilenberg zu Gehör, mit der zugleich auch schon die Pause eingeläutet war.

Der zweite Konzertteil begann mit der alpenländischen Volksweise »Zünd an des Liacht« von vier Posaunen gespielt, zu der eine im Anschluss gelesene Geschichte trefflich passte: »Der oide Hieflinger« aus Rosenheim hatte sechs Kinder, von denen er statt Besuch zum Weihnachtsfest sechs Packerl per Post geliefert bekam. In seinen Dankeskarten, die er sogleich schrieb und zurückschickte, brachte er so einiges durcheinander. So entstanden zum Brüllen komische Verwechslungen. In festlich weihnachtlichen Bläserklängen folgten Händels »Ankunft der Königin von Saba« und »Adeste fidelis«, ein altes Weihnachtslied, das in der deutschen Übersetzung aus dem Lateinischen als »Freut euch, ihr Christen« bekannt ist und in der gelungenen Bearbeitung von Mathias Linke in den Herzen der Zuhörer schlagartig Weihnachtsgefühle hervorrief.

In einer Komposition von Hans Kröll, die erst heuer auf der Hochplatte uraufgeführt worden ist, kam endlich das auf der Bühne liegende Alphorn zum Einsatz und erfüllte letzte Wünsche: Wolfgang Diem, Leiter der Grassauer Blechbläser, entlockte dem riesigen Holzblasinstrument majestätische Klänge und freute sich über kräftigen Beifall, wie auch Peter Boschner am Soloflügelhorn, der im Anschluss mit »Share my yoke« (Joy Webb) ein weiteres Arrangement Hans Krölls zu Gehör brachte. Mit einem Gruß aus Oberbayern in die USA, »Chesnuts are roasting on an open fire« und »Gospelzauberei« mit Blasinstrumenten sowie »Go, tell it on the mountain« blies das Bläserensemble letzte Sorgenwolken davon.

Jose Felicianos »Feliz Navidad« und eine ganz eigene Version von »Stille Nacht« (Rupert Schmidhuber), bei dem die Zuhörer zum Mitsingen aufgefordert wurden, setzten letzte stimmungsvolle Akzente. Riesenlob und jubelnder Applaus für klangvoll tönende Bläser, die sich im k1, in bester Begleitung von Andreas Estner, einmal mehr in Hochform präsentiert haben. Kirsten Benekam