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«Machen lassen»: Abiturienten richtig begleiten

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Viel Auswahl: Abiturienten werden mit einer Fülle von Möglichkeiten konfrontiert. Die Wahl fällt vielen daher nicht leicht. Foto: Monique Wüstenhagen Foto: dpa

«Studiere Jura, dann hast du was in der Hand»: Mit solchen Ratschlägen halten sich Eltern nach dem Abitur lieber zurück. Das heißt aber nicht, dass Erwachsene bei den Zukunftsplänen ihrer Kinder gar keine Rolle spielen.


Nürnberg (dpa/tmn) - Jura oder Elektrotechnik? Eine Ausbildung zum Bankkaufmann oder Produktdesigner? Nach dem Abitur müssen sich Jugendliche entscheiden, in welche Richtung sie gehen wollen.

Eltern sollten in dieser Phase dennoch keinen Druck ausüben und Entscheidungen erzwingen, erklärt Ulrich Walwei vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Sinnvoller sei es, sich mit dem Kind über dessen Stärken und Interessen klar zu werden - und es Dinge ausprobieren zu lassen. Denn fast noch wichtiger als gut informiert zu sein, sind laut Walwei praktische Erfahrungen, die Jugendliche in Praktika oder Nebenjobs sammeln können - «um zu erfahren, wie die Arbeitswelt tickt.»

Hier gilt es, Kindern bei Entscheidungen zu unterstützen, auch wenn sie Eltern erstmal abwegig erscheinen. Der Auslandsaufenthalt in China mag zunächst nicht der nächste logische Schritt sein, ist bei der Bewerbung für den ersten Job aber vielleicht der entscheidende Wettbewerbsvorteil. «Wenn man merkt, da steckt Herzblut dahinter: machen lassen!»

Nicht nur die Vielzahl an Angeboten macht es Abiturienten schwer. Oft fehlt auch ein grundlegendes Verständnis für die Möglichkeiten, die der Arbeitsmarkt bietet: «Das fängt bei Fragen an wie "Kann ich meinen Neigungen und Interessen folgen oder sollte ich mich besser an Prognosen orientieren?», so Walwei. Oft fehle es auch an einer konkreten Vorstellung, was mit bestimmten Abschlüssen möglich ist.

Wollen Eltern ihren Kindern beratend zur Seite stehen, lassen sich eigene Erfahrungen oft nicht mehr eins zu eins in die Praxis übertragen. «Bewerbungen laufen heute nicht genauso ab wie noch vor 30 Jahren.» Stattdessen können Mütter und Väter mit Abiturienten aber über Dinge reden wie: «Was waren die Erfolgsfaktoren, die mich dahin gebracht haben, wo ich heute bin? Welche Weiterbildungen habe ich gemacht? Wie habe ich Entscheidungen getroffen?»

Das seien wertvolle Erfahrungen, die Kinder nicht genauso nachleben müssen, die ihnen aber zumindest eine gute Orientierung geben können. «Die Rahmenbedingungen haben sich heute stark geändert», sagt Walwei. «Die Grundkompetenzen aber nicht.»