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Verschiedene Handlungsstränge: Stück im Stück mit allerlei Reibereien und Intrigen – Erstmals im großen k1-Saal – Drei weitere Vorstellungen

Ludwig II. als Uraufführung des Theaterchens »O« in Traunreut

Der begüterte Mörtl (Robert Schröder), Hauptsponsor des vom König-Ludwig-Erhaltungsvereins geplanten Theaterstücks, macht gegenüber der Vereinsvorsitzenden (Christine Mußner) unmissverständlich klar, dass seine Frau (Irmi Gstöttner, links) die Rolle der Sisi spielen soll. (Foto: Eder)

Das war ein großer Tag in der Geschichte des Traunreuter Theaterchens »O« und das aktuelle Ensemble hat ein halbes Jahr lang hart darauf hingearbeitet: Die Premiere des Stücks »Mach mir den Ludwig!« am gestrigen Freitag im k1-Saal war schon etwas ganz Besonderes.


Mit dieser Uraufführung hat es das Theaterchen »O« geschafft, nach acht Jahren k1 aus dem Studiotheater im Untergeschoss »aufzusteigen« in den großen Saal. Ein schöner Erfolg und eine Energieleistung auch für die junge Vorstandschaft des Theaterchen-Vereins, die seit knapp einem Jahr im Amt ist.

Und es wäre dem neuen Stück, das aus der Feder von Andreas Schmitz stammt, der auch Regie führt, zu gönnen, dass die Vorstellungen gut besucht werden. Bei der Generalprobe am Mittwoch vor Freunden und Fans des Theaterchens entrollte sich ein faszinierendes Stück, in dem König Ludwig II. nur teilweise im Mittelpunkt stand. Vielmehr hielt das Stück der Zeit des Märchenkönigs und auch der heutigen Zeit einen Spiegel vor. Macht und Liebe, Leidenschaft und Intrige spielen da die große Rolle.

Das beginnt bei einer Truppe von hartgesottenen König-Ludwig-Fans, die ein Stück über das Leben ihres Helden aufführen wollen. Wie da über die Rollenverteilung und auch über Inhalte gestritten wird, ist köstlich anzuschauen, aber auch typisch für viele Situationen, in denen Menschen miteinander umgehen.

Ähnlich war dies dann auch bei der Rahmenhandlung des von besagter Truppe gespielten Stücks mit sehr authentisch gesetzten Szenen an Orten, wo die Leute zusammenkommen, wie sich Schmitz das ausgedacht hat: etwa beim Oktoberfest oder bei einer Fronleichnamsprozession, wo eine überraschende Verlobung und das unglückliche Ende einer Liaison im Mittelpunkt stehen. Und sozusagen überhöht werden diese zwischenmenschlichen Konflikte dort, wo es um das Schicksal des Königs beziehungsweise des Staats geht. Hier wie dort – überall spielen Geld und Macht die große Rolle, Intrigen werden geschmiedet, Streitereien und deftige Worte sind an der Tagesordnung.

Regisseur im Stück hat es nicht leicht

Da ist also zunächst die Theatertruppe. Regisseur Fridolin, überzeugend genervt gespielt von Jürgen Hilse, flippt fast aus ob der Eigenheiten und der Unprofessionalität seines Ensembles. Im Mittelpunkt stehen die Besetzung sowohl der Ludwig-Rolle wie auch der Rolle der Sisi. Und hier im Mittelpunkt steht die Susi, wohltuend bayerisch und maximal intrigant gespielt von Eva Hauk. Sie will nicht nur selbst die Rolle der Sisi haben, sondern auch ihren etwas übergewichtigen Freund Fritz (Fredl Wimmer) als König Ludwig. Absolut köstlich der Zickenkrieg zwischen ihr und ihrer vollschlanken Konkurrentin (Irmi Gstöttner).

Zwischendurch wird aber nicht nur gezickt, sondern schon auch gespielt. Und damit kommt das Stück im Stück auf seine zweite Ebene. Dabei geht es um Liebe und Verrat. Der geldige Holzhändler Pössenbacher, in seiner Arroganz und Gefühllosigkeit überzeugend von Toni Stadelmann gespielt, macht sich an die junge Anna (sehr einfühlsam gegeben von Daniela Friedrich) heran; diese lässt sich von seinem Geld und seiner Position einwickeln und wendet sich deshalb von dem gleichermaßen »notigen« Franz (Simon Müller) ab. Als sie dann aber bald schwanger wird, will der großspurige Pössenbacher nichts mehr von ihr wissen: »Dein Kind, dein Problem!«.

Bayern-Fanclub-Chef bekommt Ludwigs-Rolle

Als dann schließlich bei der Theatergruppe die Frage der Besetzung von König Ludwig geklärt ist, kommt der endlich auf die Bühne – allerdings erst nach der Pause. Nach vielem Hin und Her ist die Wahl auf den Vorsitzenden des örtlichen FC-Bayern-Fanclubs (Maciej Kuczynski) gefallen, was vielen (Löwenfans vor allem) nicht gefällt, aber dann doch weitgehend akzeptiert wird, auch wenn die intrigante Susi weiterhin ihre üblen Ränke spinnt.

Dergleichen Ränkespiele ziehen sich wie ein roter Faden auch durch die hohe Politik rund um den Märchenkönig, seine Schlösser, seine Menschenscheu und – ganz und gar nicht zuletzt – seine Schulden. Etliche hohe Herren aus Regierung und Ministerium lassen den König entmündigen; so weit hat sich die Theatergruppe den historischen Vorgaben angepasst. Aber als, wie gesagt, hartgesottene König-Fans denken sie sich ein neues Ende aus – was ihnen und ihresgleichen viel Raum für Fantasien lässt.

In diesem zweiten Teil haben sich Regisseur Schmitz und Bühnenbildner Korbinian Schmidt eine Menge Gags einfallen lassen und die Szenerien mit tollen Lichteffekten angereichert.

Verzweifelte Anna will ins Wasser gehen

Der letzte Teil des Stücks beinhaltet neben dem nebulösen Ende von König Ludwig fast so etwas wie den Versuch, soziale Ungerechtigkeit auszugleichen, konkret am Beispiel der verlassenen Anna, die drauf und dran war, ins Wasser zu gehen. Da war es zu einer erfreulichen Begegnung mit einer geheimnisumwitterten Person namens Lohengrin (Claudia Leitmayr) gekommen. Aber auch das ging letztlich schief – einmal mehr initiiert durch Intrigen missgünstiger Mitmenschen. Nicht vergessen werden darf auch die Musik, gespielt von Musikanten der Musikschule Traunwalchen unter Leitung von Jo Mayer.

Das Stück wird noch drei weitere Male aufgeführt: am   morgigen Sonntag um 15  Uhr sowie am Samstag, 30. September, und Montag, 2. Oktober,  um  20 Uhr. Karten gibt es im k1, bei  dessen Vorverkaufsstellen, unter www.k1-traunreut und unter Telefon 08669/85 74 44. Hans Eder