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Löws lautstarke Brandrede: «Unser Weg stimmt»

Frankfurt/Main (dpa) - In einer scharfen Regierungserklärung hat Joachim Löw den Kurs bis 2014 abgesteckt. Für größere Korrekturen sieht der Bundestrainer keinen Grund. Doch der Schritt von Weltklasse zu Weltspitze ist schwer - auch für ihn selbst. Der Argentinien-Test ist ein Anfang.

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Bundestrainer Joachim Löw meldet sich mit Zuversicht zurück. Foto: Arne Dedert Foto: dpa

So kämpferisch und selbstbewusst hätte sich die Fußball-Nation Joachim Löw und sein Team gegen Italien gewünscht. In einer 25 Minuten dauernden Brandrede, in der er erneut dezent auch eigene sportliche Fehler einräumte, machte der durch das bittere Europameisterschafts-Aus im Halbfinale angekratzte Bundestrainer vor allem eines deutlich. Weder Kritik noch Skepsis können seine Überzeugung infrage stellen, dass er Deutschland doch noch zu dem so ersehnten Titel führen kann. «Fakt und grundsätzlich ist auf jeden Fall eines: Unser Weg, den wir eingeschlagen haben, der stimmt», betonte der DFB-Chefcoach zwei Tage vor dem ersten Länderspiel der neuen Saison in einem lautstarken Plädoyer in eigener Sache.

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Löw brachte in einem weißen Zelt vor dem Frankfurter Stadion, wo das DFB-Team am Mittwoch zum Test gegen den zweimaligen Weltmeister Argentinien mit Superstar Lionel Messi antritt, gleich mehrere klare Botschaften unter das deutsche Fußball-Volk. Er wird seinen Kurs als uneingeschränkter Chef bis zur WM 2014 in Brasilien durchziehen. Das Ziel Titel bleibt. Diskussionen um das Mitsingen der Nationalhymne, die Verwöhnprogramme für die Nationalspieler oder fehlende Leitwölfe interessieren Löw nicht: «Teile dieser Kritik halte ich nicht für zielführend und ermüden mich», sagte der 52-Jährige mit scharfem Unterton.

«Wir haben ein langfristiges Konzept, daran werden wir absolut festhalten. Es gibt keinen Grund, von diesem Konzept abzuweichen. Den roten Faden werden wir mit aller Flexibilität beibehalten», unterstrich Löw bei seinem ersten öffentlichen Auftritt 46 Tage nach dem 1:2 gegen Angstgegner Italien.

Die EM-Aufarbeitung, die der Bundestrainer in den Tagen vor der Argentinienpartie auch mit seinen Spielern fortsetzen will, soll das ganze Team weiter voranbringen. «Natürlich haben wir die Verpflichtung, Fehler zu erkennen und aufzuarbeiten und Lösungen für die nächsten zwei Jahre zu finden», erklärte ein entschlossen und selbstsicher wirkender Löw, der nach dem «nötigen Abstand» mit «großer Motivation» und körperlich «aufgetankt» in die Zukunft geht.

Die sportliche Kritik für seinen Halbfinal-Matchplan gegen Italien («Ich war mir auch des Risikos bewusst») nehme er zwar «mit allem Verstand und aller Demut» an, versicherte er. Er versuche auch, «die Lehren zu ziehen», erklärte Löw nach seiner längeren Auszeit. «Ich übernehme dafür die ganze Verantwortung», sagte Löw, dem Fehler in der Aufstellung vorgeworfen worden waren.

Doch nach den Stärken der Italiener habe er seine Strategie und sein Personal auf keinen Fall ausgerichtet. «Wir haben nicht mit unseren eigenen Waffen gekämpft, haben nicht unseren eigenen Rhythmus gefunden, haben nicht unser eigenes Spiel durchgesetzt», fasste der kämpferische Löw seine Analyse in Kurzform zusammen. Das will er nun nochmals mit den Spielern durchgehen: «Wo gab es die Probleme?»

Insgesamt würde die statistische Auswertung des deutschen EM-Auftritts in Polen und der Ukraine sogar Fortschritte belegen im Vergleich zur WM 2010. «Wir haben mehr Torchancen herausgespielt, viel mehr Torabschlüsse gehabt. In der Defensivorganisation haben wir weniger Torchancen der Gegner zugelassen. Wir hatten mehr Ballbesitz», zählte Löw auf. Allerdings sei die Chancenverwertung mit einem Tor nach neun Möglichkeiten schlechter gewesen; in Südafrika klingelte es bei der fünften Chance. Zudem sei es nicht gelungen, die Kontrahenten schon zeitig entscheidend zu attackieren.

«Da müssen wir den Hebel ansetzen», bemerkte Löw. An den enormen Fortschritten in den vergangenen Jahren lässt der Bundestrainer nicht rütteln: «Spielerisch sind wir absolut in der oberen Liga.» An kleineren Fehlern in entscheidenden Situation müsse das Team noch arbeiten, «da ist sicher nicht alles Gold, was glänzt», räumte der DFB-Chefcoach ein und ergänzte: «Es ist immer noch ein kleiner Schritt von Weltklasse zu Weltspitze.»

Gegen die Argentinier möchte Löw schon die nächste Generation der Talente wie den Schalker Julian Draxler (18) an Weltklassekontrahenten messen. Im Tor wird nach der Absage von Manuel Neuer (Beckenkammprellung) Ron-Robert Zieler stehen, der Gladbacher Marc-André ter Stegen wurde nachnominiert.

Die Kampfansage des Bundestrainers, der nun schon acht Jahre mit der Nationalmannschaft und sechs Jahre davon als Chef arbeitet, darf als eine Regierungserklärung für die wahrscheinlich letzten 24 Monate seiner Amtszeit verstanden werden. Und wie die Generation Schweinsteiger und Lahm ist es auch für Löw die vielleicht letzte Chance zur Titelkrönung. «Selbstverständlich werden wir danach streben, dass wir das erreichen», verkündete der Freiburger.

Die voraussichtliche deutsche Aufstellung:

Zieler - Boateng, Hummels, Badstuber, Schmelzer - Khedira, Kroos - Müller, Özil, Reus - Klose