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Löw beginnt Feinschliff für die WM

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Diese DFB-Spieler wollen in Russland den WM-Titel verteidigen. Foto: Christian Charisius Foto: dpa

Das Trainingslager in Südtirol geht in die Endphase. Der Bundestrainer richtet den Fokus auf die WM und das Auftaktspiel. Löw gibt ein Versprechen. Boateng steigt ein, Özil sorgt für Wirbel, Gündogan erklärt sich. Und ein Torwart will «200 Prozent» geben.


Eppan (dpa) - Nach der Aufstellung zum Mannschaftsfoto mit allen 23 WM-Spielern drängte Joachim Löw zur Arbeit auf dem Fußballplatz.

Am Tag nach der Streichung von Leroy Sané, Bernd Leno, Nils Petersen und Jonathan Tah aus dem Aufgebot für Russland startete der Bundestrainer mit seinen Auserwählten in Eppan den Feinschliff für die Weltmeisterschaft. Eineinhalb Wochen bleiben dem erfahrenen Turniercoach Löw noch, um ein Versprechen einzulösen.

«Ziel ist natürlich das erste Spiel gegen Mexiko. Darauf ist der Fokus gerichtet. Bis dahin werden wir in einem sehr, sehr guten Zustand sein», sagte der Weltmeistercoach vor dem Endspurt im Trainingslager in Südtirol. Zwei gute Nachrichten gab es am Dienstag: Jérôme Boateng stieg ins Mannschaftstraining ein und sprach danach beim Medientag der Mannschaft im Teamhotel von «einem guten Gefühl».

Auch Champions-League-Sieger Toni Kroos ist nach seinem Sonderurlaub endlich mitten drin. Der «absolute Schlüsselspieler» (Löw) wird am Freitagabend bei der WM-Generalprobe in Leverkusen wieder die Chefrolle im deutschen Mittelfeld einnehmen. «Wir müssen mit Demut an die Sache herangehen», sagte der große Titelsammler der vergangenen Jahre zur Wiederholung des Triumphes von Brasilien 2014.

Mesut Özil übte am drittletzten Tag in Eppan nicht mit dem Team. Der Spielmacher war stattdessen im Fitnesszelt. Er radelte zunächst und stemmte dann Gewichte. Der 29-Jährige blieb auch dem Medientag fern. Özil will sich weiterhin nicht zu dem umstrittenen Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan äußern.

Teamkollege Ilkay Gündogan, der Erdogan bei der Zusammenkunft in London ein Trikot mit Widmung überreicht hatte, bezog derweil in einem dpa-Interview Stellung: «Die Reaktionen haben mich getroffen, vor allem auch die persönlichen Beleidigungen. Weil ich schon der Meinung bin, dass einige Vorwürfe, die jetzt gegen Mesut und mich aufgekommen sind, nicht zu 100 Prozent stimmen.»

Abschütteln können die beiden in Gelsenkirchen geborenen Deutsch-Türken die Thematik nicht, auch die Teamkollegen werden immer wieder damit konfrontiert. «Ich habe meine Meinung dazu», sagte der stellvertretende Kapitän Sami Khedira, der tunesische Wurzeln hat. «Ich beurteile sie danach, wie ich sie auf dem Platz erlebe und persönlich. Da haben sie sich nicht verändert. Sie wissen schon, was sie gemacht haben und wie sie jetzt damit umzugehen haben.»

Nach dem 1:2 in Österreich und inzwischen fünf Länderspielen ohne Sieg kommt dem sportlich letzten Probelauf gegen den WM-Teilnehmer Saudi-Arabien eine gewachsene Bedeutung zu. «Wir müssen uns steigern, definitiv», sagte Khedira. Er vertraut Löw: «Die Trainingssteuerung wird so angelegt, dass wir am Freitag spritziger sind.»

Im letzten Test vor dem WM-Ernstfall dürfte Löw wie vor früheren Turnieren weitgehend jene Elf auflaufen lassen, die auch am 17. Juni in Moskau gegen Mexiko ins WM-Turnier starten soll. Neun Positionen scheinen an Manuel Neuer (Tor), Joshua Kimmich, Mats Hummels, Jonas Hector (Abwehr), Khedira und Kroos (defensives Mittelfeld), Thomas Müller und Özil (offensives Mittelfeld) sowie Timo Werner (Sturm) vergeben. Dazu kommen zwei Fragezeichen. Reicht es für Abwehr-Ass Boateng nach dessen Oberschenkelverletzung schon zum ersten Spiel? Eine klare Antwort darauf hat auch der 29-Jährige nicht. Es sei das Ziel, «aber es muss gar nichts». Boateng will nichts riskieren.

Die zweite Frage lautet: Wer erkämpft sich das Startelf-Mandat auf dem linken Flügel, Favorit Julian Draxler oder der Dortmunder Marco Reus? «Julian Draxler hat einen guten Confed Cup gespielt und da große Fortschritte gemacht», bemerkte Löw. Der 24-Jährige, der bei der WM 2014 nur im Halbfinale gegen Brasilien als Einwechselspieler zum Zuge kam, hat sich zu einer festen Größe im DFB-Team entwickelt. Bei der EM 2016 schaffte er den Durchbruch, 43 Länderspiele stehen für den Offensivspieler von Paris Saint-Germain inzwischen zu Buche. «Ich werde versuchen, dem Trainer zu zeigen, dass ich eine große Hilfe für die Mannschaft sein kann», sagte Draxler im Trainingslager.

Positiv ist für Löw, dass er endlich mit dem kompletten Kader arbeiten kann. «Wir haben keine schwerwiegenden Verletzungen, das ist schon mal sehr wichtig.» Aber es gibt noch Mängel zu beheben. «Das Spiel gegen Österreich hat gezeigt, dass wir in einigen Bereichen diese und nächste Woche noch intensiv arbeiten müssen», sagte Löw.

Torwart Marc-André ter Stegen äußerte am Dienstag erstmals zu seiner Rückstufung zur Nummer 2 hinter Manuel Neuer. Der 26 Jahre alte Schlussmann des FC Barcelona will Konkurrent Neuer und das Team bei der WM tatkräftig unterstützen. «Ich versuche, Manuel eine Hilfe zu sein», sagte ter Stegen. Er verhält sich professionell: «Die Mannschaft weiß, dass ich sie zu 200 Prozent unterstützen werde.»

Das Votum des Bundestrainers akzeptiere und respektiere er. «Es ist eine enttäuschende Situation, wenn man die ganze Saison gut gespielt hat und Leistung auf höchstem Niveau gebracht hat», sagte ter Stegen, der unter anderem 2017 beim Confed-Cup-Erfolg in Russland sowie in den meisten Spielen der WM-Qualifikation im deutschen Tor stand. Auch er gab ein Versprechen: «Wenn ich gebraucht werde, bin ich da.»

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