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Löw baut um für 500. Sieg: «Erfolgshunger zurück»

Barsinghausen (dpa) - Der Frust ist weg. Jetzt will ein sichtbar entspannter wirkender Joachim Löw sein Team zurück in die Erfolgsspur bringen.

DFB-Pressekonferenz
Bundestrainer Joachim Löw gibt Auskünfte zu Umstellungen im DFB-Team. Foto: Peter Steffen Foto: dpa

«Grundsätzlich spüre ich bei diesem Zusammentreffen, dass der Erfolgshunger absolut vorhanden ist, dass die Enttäuschung weggesteckt wurde», erklärte der Bundestrainer vor dem Start der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in die neue WM-Qualifikation am Freitag gegen die Färöer, bei dem Kapitän Philipp Lahm wieder rechts und Marcel Schmelzer links verteidigen sollen.

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Nach längerer Zeit des Ärgers über die im Halbfinale gescheiterte EM-Mission gehen Löw und sein Team «mit viel Motivation und Vorfreude» in den neuen Wettbewerb. «Da merkt man schon, dass wieder mehr Zug dahinter ist. Wir brauchen einen guten Start, damit wir das Negative hinter uns lassen können», betonte Bayern-Spieler Thomas Müller, der Fragen zu weiter reichenden Zielen aber abwehrte: «Jetzt vom WM-Titel zu sprechen, halte ich für überspitzt.»

Als eine der ersten personellen Konsequenzen aus der intensiven EM-Aufarbeitung baut Löw seine Startelf gegen den Außenseiter Färöer gleich auf mehreren Positionen um. Lahm rückt ab sofort wieder von der linken auf die rechte Abwehrseite, für die der Bundestrainer in den vergangenen Monaten keine optimale Lösung gefunden hatte. «Mit Beginn der Qualifikationsrunde wird er rechts spielen», bestätigte Löw die Versetzung von Lahm auf dessen Bayern-Position. «Zumal ich bei Marcel Schmelzer das Gefühl habe, das er jetzt angekommen ist bei uns», ergänzte der DFB-Coach am Mittwoch.

Der Dortmunder Schmelzer soll in den kommenden Pflichtspielen die Position des linken Außenverteidigers einnehmen. Einen Startplatz hat Löw gegen die Färöer auch dem Neu-Dortmunder Marco Reus reserviert. «Schon gegen Argentinien und bei Borussia Dortmund hat er eine gute Form gezeigt», sagte der Bundestrainer. Der Einsatz von Toni Kroos (FC Bayern), der wegen einer Hüftprellung auch am Mittwoch nicht voll trainieren konnte, ist dagegen fraglich.

Der zuletzt bei Bayern wiedererstarkte Müller fasste das Ziel zum Beginn der WM-Ausscheidung zusammen: «Es gilt, gut zu starten und wieder eine leichte Welle der positiven Stimmung zu erzeugen. Die Erwartungshaltung ist hoch, daran werden wir uns messen lassen.» Auch Löw hat klar auf Neustart umgeschaltet, dabei nur den Weg zur WM 2014 im Auge: «Ich denke nicht an Brasilien, das ist ein Schritt zu weit.»

Nur der Retrolook seines dunkelblauen Trainingsanzugs, den er im DFB-Quartier in Barsinghausen trug, war noch ein Zeichen für Vergangenes. Löw war sogar wieder zu Scherzen auferlegt: «Sie werden nicht spielen», sagte er zu einem Journalisten auf eine Personalfrage. «Die letzte Qualifikation haben wir mit zehn Siegen mit Bravour bestanden. Dieses Mal wird es schwieriger. Es wird mit Sicherheit kein Selbstläufer», erklärte Löw dann wieder ernst mit Blick auf die weiteren Kontrahenten Österreich, Irland, Schweden und Kasachstan.

Gegen den Weltranglisten-154. Färöer aber ist nach zwei verfehlten Anläufen im EM-Halbfinale gegen Italien (1:2) und zum Saisonauftakt gegen Argentinien (1:3) nun in Hannover der 500. Länderspielsieg einer DFB-Auswahl fest eingeplant. «Auch wenn Färöer nicht die härteste Prüfung ist, es ist ein guter Auftakt hier zu Hause», meinte Teammanager Oliver Bierhoff. Vor zehn Jahren hatte sich Deutschland unter Rudi Völler beim 2:1 gegen die «Schafsinseln» ebenfalls in Hannover allerdings sehr schwergetan, der anschließende 2:0-Erfolg in Torshavn wurde erst in letzter Minute sichergestellt.

In Hannover soll auch schon zu sehen sein, welche Verbesserungen Löw von seinen Spielern in den kommenden Monaten erwartet: «Attackieren, frühes Pressing, aktiv gegen den Ball arbeiten.» Am offensiven und attraktivem Stil will der Freiburger festhalten. Die Hinweise seiner Kritiker wie Oliver Kahn und Günter Netzer, die eine stärkere Rückkehr zu den «deutschen Tugenden» wie Laufbereitschaft, Kampfkraft und Wille anmahnten, nimmt Löw zwar auf. Doch die eigene Fehleranalyse des EM-Auftritts in Polen und der Ukraine ist ihm wichtiger: «Mit den Erkenntnissen kommt wieder neue Motivation.»

«Die Färöer Inseln müssen wir schlagen, da geht kein Weg vorbei», sagte England-Legionär Lukas Podolski. Der Neu-Londoner will nach dem ordentlichen Einstand beim FC Arsenal mit seinem ersten Tor im dritten Ligaspiel beim FC Liverpool (2:0) nun auch im Adler-Trikot wieder angreifen. «Ich bin in einem guten Zustand», betonte der 27-Jährige, nachdem ihn Löw zum Saisonauftakt gegen Argentinien nicht berücksichtigt hatte. Podolski weiß, dass er sich nach der auch für ihn unbefriedigenden EM neuer Konkurrenz stellen muss.

Die voraussichtliche Aufstellung:

Neuer - Lahm, Hummels, Badstuber, Schmelzer - Khedira, Bender - Müller, Özil, Reus - Klose