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Lockeres Mozart-Konzert und kompakte Schumann-Sinfonie

An Selbstbewusstsein mangelte es dem 19-jährigen Wolfgang Amadeus Mozart nicht. Als er 1775 den Auftrag erhielt, für den Besuch des Erzherzogs Maximilian Franz in Salzburg eine Huldigungs-Oper zu komponieren, wählte er ein Libretto von Pietro Metastasio aus, das vor ihm schon die berühmtesten Komponisten der Epoche vertont hatten; er brauchte mit seiner Fassung von »Il re pastore« (»Der König als Hirte«) den Vergleich mit Christoph Willibald Gluck, Johann Adolf Hasse oder Baldassare Galuppi nicht zu scheuen. Mit der Ouvertüre zu dieser »Serenata« leitete das Musik-Kollegium Traunstein in der Aula der Berufsschule das fünfte der Sinfonischen Konzerte Traunstein ein; sie bildete fröhlich, in bewegter Spannung, ein prächtiges Entree zum Konzertabend, präsentierte ein gut disponiertes Orchester.

Thomas Hartmann und die Geiger des Musik-Kollegiums beim langsamen Satz von Mozarts Klavierkonzert. (Foto: Kaiser)

Im Jahr 1786 hat Mozart drei Klavierkonzerte komponiert. Das mittlere davon, das Klavierkonzert Nr. 24 c-Moll KV 491, weist die größte Orchesterbesetzung auf, die Mozart je in einem Konzert verwendete. Auf dem Gipfel von Mozarts Akzeptanz in Wien spricht es eine Sprache, die mit ihrer düsteren und bedrückenden Atmosphäre den konventionellen Erwartungen des Publikums wohl nicht voll entsprochen hat.

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Der Solist Thomas Hartmann spielte die weiten Linien des 1. Satzes in klar durchhörbarer Phrasierung ohne Hast aus, lieferte im 3. (Variations-)Satz ein teils entspanntes, teils dramatisches Rondospiel zwischen Klavier, Streichern und Holzbläsern; die spielten in allen drei Sätzen eine wichtige und erfreuliche Rolle. Beide Ecksätze versah Thomas Hartmann mit eigenen Kadenzen in Entwicklungen »von Bach bis Beethoven«, die zum Teil etwas gesucht-selbstverliebt wirkten. Als Vorwegnahme einer weiteren schlüssigen musikalischen Entwicklung war wohl der Einbau von Jazz-Elementen in die Kadenz des 3. Satzes gedacht. Das Larghetto des 2. Satzes gestaltete der Solist in entspannten Kantilenen; er verstand es, dabei das Orchester bei seinen Einsätzen mitzunehmen und zu animieren. Sein »ungebrochenes Interesse« am Jazz bewies er mit der Zugabe, dem Jazz-Standard »Elm« von Richie Beirach, dem »Snow Leopard«.

Der Sinfonie Nr. 3 Es-Dur, der zeitlich letzten Sinfonie von Robert Schumann, fertiggestellt vom 2. November bis 9. Dezember 1850, sagt man nach, dass sie ihren Beinamen »Rheinische« nicht nur ihrem Entstehen im Rheinland, sondern vor allem »ihrem von rheinischer Lebensart inspirierten vitalen musikalischem Ausdrucksgehalt« verdankt. Andererseits rügte schon Tschaikowsky 1872 die »farblose Massigkeit der Orchestrierung«, die differenzierte dynamische Abstufungen verlange.

Jedenfalls trumpfte das Musik-Kollegium nach dem großen, schwelgerischen Anfang des 1. Satzes im Dreiviertel-Rhythmus und nach dem froh-festlichen Beginn des 5. Satzes sehr pathetisch, ja überlaut auf. Weitaus entspannter begann das Scherzo, machte dann aber mit vier Waldhörnern mächtig was her. Mit reduziertem Orchester und verhaltener Emphase erklang der 3. Satz wie »ein Lied ohne Worte«. Der 4. Satz (»feierlich«) begann mit Hörner- und Posaunenklang, entwickelte geradezu sakralen Charakter; in seiner Struktur wurde er allerdings nicht recht deutlich, entwickelte aber mit dem Finalsatz zusammen die größte und lauteste Besetzung des Orchesters.

Eine Zugabe lehnten Dirigent und Konzertmeister trotz der Beharrlichkeit der Zuhörer kategorisch ab. Engelbert Kaiser