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Herta und Arnold Eder lernten sich in der rumänischen Diktatur kennen

»Liebe unter Aufsicht der Securitate«

Bischofswiesen – Aus den Geschichten, die Herta und Arnold Eder über die Zeit zwischen der ersten Begegnung 1971 und ihrer Hochzeit im Jahr 1975 im rumänischen Bakowa erzählen können, ließe sich locker ein Politthriller schreiben. Schließlich war der rumänischen Geheimpolizei Securitate die Beziehung zwischen der Abiturientin mit dem Berufswunsch Lehrerin und dem Kapitalisten aus dem Westen ein Dorn im Auge. Mittlerweile jedoch kann das Bischofswieser Lehrer-Ehepaar, das seit fast 28 Jahren die tragende Säule der Arbeitsgemeinschaft »Berchtesgaden hilft Rumänien« ist, darüber lachen.

Viele Hürden mussten Herta und Arnold Eder überwinden, bis sie endlich zusammen sein konnten. (Foto: Kastner)

Als Arnold Eder, gebürtiger Königsseer mit mütterlicherseits schwäbischen Wurzeln, im Jahr 1971 seine Tante in Busiasch (Banat) besuchte, lernte er auf einer Party in Bakowa, zu der die Dorfjugend eingeladen hatte, seine spätere Frau Herta kennen. Zwei Jahre lang schrieb man sich Briefe, ehe Herta und Arnold im Jahr 1973 in Bakowa, wo nur Banater Schwaben wohnten, Verlobung feierten. »Die Securitate wusste genau Bescheid, alles wurde von der Geheimpolizei dokumentiert. Schließlich sahen sie mich als Staatsfeind«, erzählt Arnold Eder.

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Herta Eder durfte nicht studieren, nachdem sie beim Staatsrat in Bukarest einen Antrag auf Heiratsgenehmigung eingereicht hatte. Um Herta im Land zu halten, bot die Securitate Arnold, der in Deutschland ein Studium der Feinwerktechnik und Optik erfolgreich abgeschlossen hatte, einen Posten als Ingenieur in Bukarest und Herta die Erlaubnis zu studieren an, wenn Arnold Eder seinen Wohnsitz nach Rumänien verlegen würde. Doch beide lehnten ab. Die Ausreise nur wenige Tage nach der Hochzeitsfeier im Februar 1975 erfolgte nur mit Koffer und Handgepäck. »Wir wurden extrem kontrolliert, alle Kleidungsnähte hat man abgetastet«, erinnert sich Herta Eder.

Zwar hatte man die Diktatur nun hinter sich gelassen, doch mit den Schwierigkeiten war es auch in Deutschland noch nicht ganz vorbei. Denn Herta musste insgesamt dreimal (Rumänien, Stuttgart und München) die Abiturprüfung ablegen, bis sie endlich in München studieren durfte. Endlich hatten sie es geschafft, der Berufswunsch Lehrer sollte für beide Realität werden.

Über Umwege kam das Ehepaar Eder im Jahr 1978 wieder zurück ins Berchtesgadener Land. Arnold Eder arbeitete seit 1978 an der Berufsschule Freilassing, wo er später in die Schulleitung aufstieg. Und Herta Eder unterrichtete ab 1981 an der Berchtesgadener Bacheifeldschule. In dem 1985 erbauten Haus am Datzmann in Bischofswiesen zogen sie ihre beiden Töchter groß und mittlerweile gibt es sogar zwei Enkelkinder.

Trotz ihrer zurzeit angeschlagenen Gesundheit sind Herta und Arnold Eder zufrieden mit ihrem Leben. Immerhin spüren sie täglich die Dankbarkeit der vielen Menschen, denen sie über die Arbeitsgemeinschaft »Berchtesgaden hilft Rumänien« seit Jahrzehnten Hilfe zukommen lassen. Ulli Kastner