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Lesung und Rezitationen der besonderen Art

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Marcus Rosenmüller (links) und Stephan Zinner sind ein eingespieltes Team – das haben sie auch im Traunsteiner NUTS bewiesen. (Foto: Ortner)

»Eine etwas andere Lesung« boten Stephan Zinner und Marcus Rosenmüller im ausverkauften Traunsteiner NUTS: selbst Gedichtetes und selbst Ausgewähltes trugen und lasen sie vorbildlich und fehlerfrei vor – also eigentlich ganz klassisch und üblich. Aber die beiden widmeten sich ganz unverkrampft und mit großer Liebe zum Wort und Hingabe zur besonderen Sprache anstatt der obligaten Stade-Zeit-Duselei eher bodenständig romantischen Themen wie »Essen, Liebe, Reise, Krankheit, Siechtum und Sport«, wobei natürlich keins das andere ausschloss.


Marcus Rosenmüller, Regisseur und Drehbuchautor aus dem »Bergarbeiterdorf« Hausham (O-Ton Rosenmüller), hat nach eigenen Angaben »bereits seit der Pubertät« zahlreiche Gedichte und Geschichten verfasst und ist auch ein großer Anhänger von Limericks. Zusammen mit Gerd Baumann hat er den Gedichtband »Wenn nicht wer du« herausgegeben und erzählt zudem als Samuel Knotterbeck »Alte und neue Verse aus Olgas Bar«. Das Repertoire reicht vom flotten kurzen Vierzeiler bis zum satten Ironie-Opus. Rosenmüller sitzt auch beim Dichten der Schalk im Nacken. Er liebt den Witz, die Ironie und das vertrackte Wortspiel. Stephan Zinner, Schauspieler, Musikant und Kabarettist aus Trostberg – »Heimat des Eishockeys und des AH-Fußballs« – hat eigene Lyrik unter dem Label »Flugmango« im Programm. Die eingestreuten Lieder stammen aus seinen diversen Kabarettprogrammen, und zeigen erfrischend und unkompliziert, dass Zinner viel mehr ist, als der berühmt-berüchtigte und verehrte Dauer-Söder auf dem Nochkerberg. Zinner hat aber auch ein Faible für die Werke von Robert Gernhardt, Max Goldt, Helmut Eckl und Fritz Eckenga.

Stephan Zinner und Marcus Rosenmüller betraten also die Bühne – jeder »bewaffnet« mit Papierkram, der die ausgewählten Lieblingswerke enthält, und bestens gelaunt bereit für den wechselweisen Vortrag. Das wahre Leben, Beruf und diverse Beziehungs(schon-odernicht)kisten bieten bekanntermaßen reichlich Stoff für Gedichte über Tischmanieren und das Autofahren, Tischmanieren und Impfversuchskaninchen, diverse Auffassungen über Definitionen, AH-Fußball und die philosophische Betrachtung eines etwas kryptischen Liedtextes eines berüchtigten »Volksmusikanten«, Besinnungslager und Reisefieber – und immer wieder – die Liebe in zahlreichen Varianten und ohne Altersklasse.

Vor, zwischen und nach ihren jeweiligen Vorträgen spielten die beiden auf herrlich entspannte, unkomplizierte und unkonventionelle Art ein verbal-humoristisches Ping Pong. Der Plaudereinwurf aus dem eigenen Nähkästchen wurde nicht selten zum unterhaltsamen Dialog und beiderseitigen Erfahrungsaustausch mit historisch-biografischem und familientechnischem Hintergrund. Mimik, Gestik – Händegefuchtel hier und schelmisch verdrehte Augen dort – und vertrackte Reimkapriolen, die vordergründig ganz einfach klingen, hin und wieder aber auch durch die reimbedingte Wortstellung, waren eine scheinbare inhaltliche Herausforderung für die Zuhörer – oder eben auch nicht.

Mit »So schauts aus« aus dem »Fluch des Pharao« bekam Bob Dylan eine persönliche Zinner-Widmung und den krönenden Abschluss bildete ein Maigedicht des Haushamers Franz Ringseis. So ganz ohne Weihnachten ging's dann übrigens doch nicht: Samuel Knotterbeck versemmelte seine drei Weihnachtswünsche ziemlich unbedacht. Das Publikum war restlos begeistert. Maria Ortner