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Leise irische Töne in der Alten Saline

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Ein Meister der irischen Flöte und der leisen Töne: Sean Keane bei seinem Konzert in Bad Reichenhall. (Foto: Kewitsch)

Das Bühnenbild ist schlicht. Drei Mikrofonständer stehen da. Die musikalischen Begleiter, Pat Coyne und Fergus Feely, betreten die Bühne, grinsend, warmherzig. Sean Keane erscheint, hager, bescheiden, aber voller Liebe für seine Lieder, die in den kommenden zwei Stunden das Magazin 4 in der Alten Saline Bad Reichenhall verzaubern. Ausverkauftes Haus, ein freudig erregtes Publikum.


Sean Keane eröffnet mit seiner kleinen irischen Flöte, dieser »Little Tin Whistle« und dem melancholischen »Home away Home« von Robbie o´Connell, hält schließlich eine kurze Ansprache in Deutsch-Englisch und fährt umgehend mit »If I needed you« und »Isle of Hope« fort. Seltsamerweise bleiben die Songs zum größten Teil melancholisch, still, leise, ja sogar manchmal etwas traurig – die Stimmung im Saal steigt aber dennoch im positiven Sinne spürbar an.

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Der sympathische Mann aus Irland versteht es, den Fokus ausschließlich auf seine Musik zu lenken. Seine fast schon elektrisierende Stimme, seine perfekten Interpretationen auf der Tin Whistle erinnern jeden Irland-Urlauber sofort an die grüne Insel. Nicht so lebhaft pulsierend wie das bunte Treiben in der Temple Street von Dublin, nicht so lärmend wie die brechenden Wellen an den Cliffs of Moher, sondern so natürlich sanft und grün wie die Hügel rund um diese wunderbare Insel erklingt weiche, warme, ins Herz fließende Musik.

Auch wenn Sean Keane hier auf dem Kontinent gerne als Folksänger verkauft wird, schlägt sein Herz irisch, vielleicht auch ein wenig keltisch; leise und rhythmisch, sanft und konstant in irischer Perfektion. Ihm gelingt es, die historischen Töne zu transportieren, er verwandelt den kommerziellen (irischen) Sound der Dubliners in etwas Besonderes, ja, man möchte fast sagen »Behutsames«. Kein Wunder also, dass er in frühen Jahren die All-Ireland-Championship gewonnen hat: Herzblutmusiker, Barde aus Leidenschaft. So geht das Konzert seinen, wenn auch unaufgeregten, Gang. Er interpretiert »Make you feel my love« von Bob Dylan oder »Fields of Gold« von Sting, sendet aber auch dem eben verstorbenen Leonhard Cohen mit einem wunderbar rührenden »Halleluja« einen leisen Abschiedsgruß.

»No stranger in the rain« und »Never alone« sind wiederum Sean Keanes eigene Kompositionen und als ein begeistertes Publikum schließlich unnachgiebig um Zugaben bittet, werden sie mit »May Morning Dew« und einem Sean-Solo belohnt. Das folgende, sehr sanfte »Home« und die überaus flotte »Tunnel-Tigers«-Nummer beenden schließlich ein sehr feines Konzert. Udo Kewitsch

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