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» ... Lehrer sein dagegen sehr!«

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Han's Klaffl mit seinem Kontrabass im k1: »Ich bin Lehrer von Beruf.« (Foto: Kaiser)

Das Gerücht, nur Lehrer hätten Zutritt ins Traunreuter k1, als der »Staatskaberettist auf Lebenszeit« Han's Klaffl (ja, so möchte er geschrieben werden) über zwei Stunden lang dort Frontalunterricht gab, stimmte so nicht ganz – doch die meisten Besucher schienen sich daran orientiert zu haben. So war das k1 gesteckt voll mit netten, brav wirkenden Leuten, die die Anspielungen des Musiklehrers aus Leidenschaft auf Schulbetrieb und -obrigkeit begeistert genossen und mitfühlten.


Das normale Schuljahr ist ja gegliedert durch regelmäßig wiederkehrende »kulturelle« Veranstaltungen, von der Bücherausgabe zu den Bundesjugendspielen, vom Feueralarm (»wos, scho wieda a Johr vorbei«) zum Wandertag, der in der Oberstufe nach langen Diskussionen denn doch in den Andechser Biergarten führt, »wenn es regnet auch, weil der überdacht ist«, der bei der Unterstufe aber schon bei der Hinfahrt mit dem Bus zum »Essen auf Rädern« wird, weil die Kids die reichlich eingepackten Fressalien möglichst schnell loswerden wollen, oft mit katastrophalen Folgen. Der »Wandertagssong«, den Han's Klaffl zusammen mit seinem Kontrabass nach der Melodie »Am Sonntag will mein Süßer...« intonierte, brachte nähere Einzelheiten dazu. Die 5. Klassen am »Lukas Podolski Gymnasium«, an dem der Oberstudienrat K. wirkt, erleben im Schullandheim jedes Jahr einen »bunten Abend« mit so kindgemäß »geni(t)alen« Spielen wie Würstlschnappen, Eierlauf, Sackhüpfen... .

Nicht nur nach dem Wandertag leidet dann der Kollege Güttlich ob der Vergeblichkeit seiner pädagogischen Bemühungen an einer totalen »Lamentierinkontinenz«, am Flügel von Han's Klaffl trefflich und mitleiderregend dargestellt. Es gibt übrigens den großen Unterschied in unserem gegliederten Schulsystem: »Grundschullehrer laminieren, Gymnasialleher lamentieren«. Auf hohem Niveau bei der Erstellung der Zeugnisbemerkungen. Die vom Schulcomputer angebotenen vorgefertigten Bauteile erzeugen Ergebnisse zwischen Unsinn und Lächerlichkeit, deshalb erstellen immer mehr Pädagogen wieder individuelle Bemerkungen.

Das zweisprachige Lexikon »Deutsch-Zeugnisch/Zeugnisch-Deutsch« hilft ihnen sehr (und der zweite Teil auch den Eltern?). So werden »altersgemäßes Betragen« oder »hohes Leistungspotenzial« auch juristisch unangreifbar. Hans Klaffl erläuterte die Überlegungen eines Pädagogen beim nächtlichen Bemerkungs-Verfassen (Zeugnisbemerkungen werden immer nächtens verfasst) am Flügel mitreißend.

Doch auch die Lehrer unterliegen der Kontrolle. Die höchste Instanz ist der Hausmeister Grantinger: »Der Lehrer denkt, der Hausmeister lenkt.« Ihm unterstellt ist der Schulleiter, der im »Beurteilungsjahr« durch Unterrichtsbesuche seine »Kollegen« zu bewerten hat, was bei vielen Hektik auslöst, was andere aber souverän wegstecken: »Liaba 45 Minuten g'schamt als a ganz Johr vorbereitet.« Schulleiter könne man auch nur durch eine sehr positive Beurteilung seinnes Schulleiters werden. So entwickle sich eine »Erbfolge« bis hinauf in ministerielle Positionen, allerdings »mit eingeschränktem Gen-Pool«.

Satirisch und doch total glaubhaft rückte Han's Klaffl die Relationen wieder zurecht mit dem bassbegleiteten Lied frei nach Reinhard Mey »Ich bin Lehrer von Beruf« – es kam an wie ein Werbelied. Engelbert Kaiser